Formel 1 in Deutschland: Gefahren wird woanders

Von Andreas Reiners
Die Formel 1 fuhr zuletzt 2020 in Deutschland

Die Formel 1 fuhr zuletzt 2020 in Deutschland

Die Formel 1 expandiert und expandiert, doch deutsche Rennstrecken tauchen weiterhin nicht im Kalender auf. Das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern.

Es gibt Dinge, die hat Sebastian Vettel abgehakt. Die wird er als aktiver Fahrer nicht mehr erleben. Einen WM-Titel mit Ferrari zum Beispiel. Ein Lob von Stefano Domenicali für sein Engagement für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Eine umweltfreundliche und weltoffene Formel 1.

Oder ein weiteres Heimrennen. Denn der Kalender der Motorsport-Königsklasse wächst, die Rennserie expandiert, will 2023 zum Beispiel erstmals nach 1993 wieder in Südafrika fahren. Den Nürburgring oder den Hockenheimring sucht man aber weiterhin vergeblich.

«Es wäre toll, wenn Deutschland wieder dabei wäre, aber ich habe meine Zweifel», sagte Vettel zuletzt. «Ich habe keine Ahnung, ob Deutschland es noch rechtzeitig für mich zurückschafft», so der viermalige Weltmeister, der im Juli 35 wird und aktuell überlegt, ob er seine Karriere beendet oder auch 2023 noch fahren wird.
Zuletzt fand 2020 in der ersten Corona-Saison ein Rennen auf deutschem Boden statt, der Nürburgring sprang damals spontan ein.

Doch die Zeiten, in denen die Formel 1 in jeder Saison auf beiden Strecken fuhr, sind lange vorbei. 2015 fand erstmals seit 55 Jahren gar kein Deutschland-GP statt, auch 2017, 2021 und 2022 fehlte ein deutsches Rennen im Kalender. Und das dürfte wohl vorerst so bleiben.

«Wenn man sich die anderen Orte anschaut, wo die Formel 1 fährt, dann ist Deutschland einfach nicht in der Lage, so viel Geld für einen Grand Prix zu zahlen», sagte Vettel.

Das Problem haben aber auch andere Strecken, «auch andere Regionen in Europa tun sich schwer», so Vettel weiter. Selbst ein Traditionsrennen wie in Monaco ist nicht mehr unantastbar, auch Spa nicht.

Das Ganze sei immer mehr «geldgetrieben», so Vettel weiter. «Es ist einfach schade, Deutschland nicht mehr dabei zu haben, es wäre traurig, auch Belgien zu verlieren oder Spanien, darüber wurde zuletzt auch viel gesprochen», so Vettel. «Wenn diese Länder die hohen Gebühren nicht mehr zahlen können, fallen sie aus dem Kalender. Und das wäre eine Schande».

Boom in den USA dank Netflix

Stattdessen erlebt die Formel 1 in den USA dank der Netflix-Doku «Drive to Survive» einen Boom, dort finden 2023 gleich drei Rennen statt.

Umstrittene Gastgeber wie Katar und Saudi-Arabien werfen so lange mit Unmengen von Geld um sich, bis sie fester Bestandteil des Kalenders sind – blutleere Atmosphäre und austauschbare Location ebenso inklusive wie berechtigte kritische Fragen aufgrund von Menschenrechtsverletzungen und einer offensichtlichen Doppelmoral.

Das Problem in Deutschland ist nicht das mangelnde Interesse der Organisatoren der Strecken, sondern das Finanzielle. Eine staatliche Förderung gibt es nicht, und sie ist auch unrealistisch. So konnten die Betreiber des Hockenheimrings aufgrund der hohen Antrittsgelder in den vergangenen Jahren froh sein, wenn sie eine schwarze Null erreichten.

Wie der «Spiegel» im vergangenen September berichtete, sollen die Gebühren einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen, sie sind aber kaum durch Merchandising und Tickets aufzufangen.

Die Betreiber sollen deshalb mit den Formel-1-Verantwortlichen angeblich über eine Risikobeteiligung gesprochen haben. Soll heißen: Ein Minus solle die Königsklasse übernehmen. Auch für die Verantwortlichen des Nürburgrings waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht zu stemmen. Unter dem Strich kam es zu keiner Einigung zwischen den Parteien.

«Aktuell gibt es keine laufenden Verhandlungen, aber weiterhin die grundsätzliche Bereitschaft und auch den Wunsch bezüglich eines deutschen Formel-1-Grand-Prix», sagte Jorn Teske, Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH, der Bild.

Fans haben es verdient

«Die Formel 1 gehört nicht nur wegen ihrer Historie nach Deutschland, sondern auch, weil es hier herausragende Rennstrecken für das Format gibt sowie weiterhin eine breite Fanbasis, die sich mit dem Motorsport, der Serie, den Fahrern und den Marken identifiziert», erklärte Nürburgring-Pressesprecher Alexander Gerhard: «Diese Fans haben es verdient, einen Grand Prix live auf einer Heimstrecke zu erleben.»

Eine Hoffnung ist der geplante Einstieg von Porsche und Audi. Gut möglich, dass dies eine Rückkehr zum Nürburgring oder nach Hockenheim forciert. 2026 wollen die beiden Autobauer mitmischen.

Für Vettel ist das wohl tatsächlich zu spät.

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