Mercedes: Letzte Lösung Red Bull Racing-Kopie?

Von Mathias Brunner
Nur ein Formel-1-Rennwagen der Generation 2022 weist extrem kompakte Seitenkästen auf, der Silberpfeil von Mercedes. Anzeichen verdichten sich, wonach sich Mercedes für 2023 an Red Bull Racing orientiert.

Der englische Traditionsrennstall Williams tauchte Anfang Juli in Silverstone mit komplett umgebautem Wagen auf – mit Seitenkästen, die eine Mischung der Lösungen von Red Bull Racing und Ferrari darstellen. Alpine hat sich da längst an RBR orientiert, Aston Martin ebenfalls, AlphaTauri von Anfang an. Zuvor hatte Williams sehr kurze Seitenkästen verwendet, nicht ganz so extrem wie die Lösung am Silberpfeil, aber den Seitenkästen des Mercedes von allen gegnerischen Autos am ähnlichsten.

Im Grunde zeichneten sich hier drei Lösungswege ab: jener von Red Bull Racing, jener von Ferrari, mit der von den Italienern liebevoll «Badewanne» genannten Delle, ab Ungarn von Haas übernommen, sowie die Ultrakompakt-Variante von Mercedes-Benz.

Mercedes tat sich mit dem Modell W13 monatelang sehr schwer, und die Aerodynamik des Autos von Lewis Hamilton und George Russell wurde hinterfragt. Das hat Mercedes-Technikchef Mike Elliott offen zugegeben: «Grundsätzlich ist für mich jedoch nicht der Seitenkasten das entscheidende Teil, sondern der Boden. Aber die Lösungswege hier geben vor, wie die Seitenkästen geformt werden, und ja, wir sehen uns zahlreiche verschiedene Varianten an, auch die Version von Red Bull Racing.»

«Ich fände es dumm, nicht genügend Demut zu zeigen und nicht zugeben zu können – vielleicht haben wir nicht den richtigen Weg eingeschlagen. Aber es gibt nicht nur das Konzept von Red Bull Racing. Es gibt zahlreiche interessante Lösungen die Boxengasse rauf und runter. Wir finden Vieles interessant und sehen uns das sehr aufmerksam an.»

«Als Aerodynamiker musst du immer allem gegenüber offen sein. Und es hilft immer, aerodynamische Ansätze der Gegner zu verstehen. Also nimmst du dir einen Seitenkasten wie von Red Bull Racing vor und stellst dir die Frage: Wieso haben sie das gemacht? Bei solchen Überlegungen kannst du immer etwas lernen.»

Elliott kündigte schon im Frühsommer an: «Vielleicht behalten wir die heutige Lösung für 2023 am Wagen, vielleicht nicht. Dazu müssen wir noch mehr Antworten finden.»

Andrew Shovlin, der leitende Ingenieur von Mercedes am GP-Schauplatz, hat in Monza vertieft: «Natürlich kann man immer sagen – das schnellste Auto ist jenes mit dem besten Konzept. Und das ist nun Mal der Wagen von Red Bull Racing. Aber wie es bei uns für das nächste Jahr weitergeht, ist noch schwer zu sagen. Wir haben uns noch nicht festgelegt, wie unser Auto aussehen wird.»

Aber die Zeit drängt, wie auch Teamchef Toto Wolff weiss, der gesagt hat: «Diese Wochen jetzt sind kritisch. Innerhalb dieser zwei Monate müssen wir präzise verstehen, was im Hinblick auf 2023 alles getan werden muss.»

Und was sagt RBR-Technikchef Pierre Waché? «Ich bin nicht sicher, ob alle Rennställe für 2023 zum gleichen Konzept kommen. Die Regeln werden verfeinert, und die Form der Seitenkästen sind nur ein Teil davon. Ich schätze, alle sind sehr offen, was das neue Auto angeht.»

Grosser Preis von Italien, Autodromo Nazionale Monza

01. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:20:27,511 h
02. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +2,446 sec
03. George Russell (GB), Mercedes, +3,405
04. Carlos Sainz (E), Ferrari, +5,061
05. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, +5,380
06. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, +6,091
07. Lando Norris (GB), McLaren, +6,207
08. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +6,396
09. Nyck de Vries (NL), Williams, +7,122
10. Guanyu Zhou (RC), Alfa Romeo, +7,910
11. Esteban Ocon (F), Alpine, +8,323
12. Mick Schumacher (D), Haas, +8,549
13. Valtteri Bottas (FIN), Alfa Romeo, +1 Rde
14. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri, +1 Rde
15. Nicholas Latifi (CDN), Williams, +1 Rde
16. Kevin Magnussen (DK), Haas, +1 Rde
Out
Daniel Ricciardo (AUS), McLaren, Motorschaden
Lance Stroll (CDN), Aston Martin, Energie-Rückgewinnung
Fernando Alonso (E), Alpine, Wasserverlust, Motor überhitzt
Sebastian Vettel (D), Aston Martin, Energie-Rückgewinnung

WM-Stand (nach 16 von 22 Rennen)

Fahrer
01. Verstappen 335 Punkte
02. Leclerc 219
03. Pérez 210
04. Russell 203
05. Sainz 187
06. Hamilton 168
07. Norris 88
08. Ocon 66
09. Alonso 59
10. Bottas 46
11. Gasly 22
12. Magnussen 22
13. Vettel 20
14. Ricciardo 19
15. Schumacher 12
16. Tsunoda 11
17. Zhou 6
18. Stroll 5
19. Albon 4
20. De Vries 2
21. Latifi 0
22. Nico Hülkenberg (D) 0

Konstrukteurspokal
01. Red Bull Racing 545 Punkte
02. Ferrari 406
03. Mercedes 371
04. Alpine 125
05. McLaren 107
06. Alfa Romeo 52
07. Haas 34
08. AlphaTauri 33
09. Aston Martin 25
10. Williams 6

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