Yuki Tsunoda: «Ich will als erster Japaner siegen»

Von Mathias Brunner
Yuki Tsunoda und die AlphaTauri-Mannschaft in Abu Dhabi 2021

Yuki Tsunoda und die AlphaTauri-Mannschaft in Abu Dhabi 2021

Yuki Tsunoda wurde 2021 zum ersten japanischen GP-Piloten seit Kamui Kobayashi 2014. Der Red Bull- und Honda-Schützling fährt auch 2023 für AlphaTauri. Manchmal muss er sich kneifen, wie alles gekommen ist.

Seit 22. September 2022 ist klar: Der Japaner Yuki Tsunoda fährt auch 2023 für die Scuderia AlphaTauri. Der Red Bull- und Honda-Schützling war im Eilzugtempo in die Formel 1 vorgedrungen: 2018 gewann er die japanische Formel-4-Meisterschaft, 2019 sass er im Formel-3-Renner, 2020 wurde er Gesamtdritter der Formel 2 und überzeugte Red Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko davon, für 2021 den zweiten Platz bei AlphaTauri neben Monza-GP-Sieger Pierre Gasly zu erhalten.

Ende März 2021 ist er als erster Japaner seit Kamui Kobayashi 2014 als japanischer Stammfahrer in der Königsklasse angetreten – und hat als Neunter auf Anhieb gepunktet. Das hatten in zehn Jahren davor nur fünf Piloten geschafft!

Ab und an muss sich Yuki in den Arm kneifen, so schnell ist das alles gegangen. Tsunoda sagt: «Als ich mit der Formel 2 begann, habe ich gewiss nicht erwartet, schon ein Jahr später im GP-Rennwagen zu sitzen! Um es in die Formel 1 zu schaffen, brauchst du nicht nur Talent und Hingabe, sondern auch ein wenig Glück, das ist ein Faktor, über den du keine Kontrolle hast.»

Was Tsunoda antreibt: «Ich will als erster japanischer Fahrer in der Formel 1 ein Rennen gewinnen.»

Bisherige Top-Ergebnisse seiner Landsleute: drei Podestplätze. Aguri Suzuki wurde beim Grossen Preis von Japan 1990 mit Lola-Lamborghini Dritter (hinter Ayrton Senna auf McLaren und Riccardo Patrese mit Williams), Takuma Sato wurde mit BAR-Honda in Indianapolis 2004 ebenfalls Dritter (hinter den Ferrari-Piloten Michael Schumacher und Rubens Barrichello), Kamui Kobayashi schliesslich erobert zum Entzücken seiner Fans mit Sauber in Suzuka 2012 den dritten Platz hinter Sebastian Vettel (Red Bull Racing) und Felipe Massa (Ferrari).

Tsunoda trat beim Wintertest 2021 nicht wie ein Rookie auf, sondern wie ein ganz ausgebuffter Routinier: Zeitweise lag der GP-Neuling Yuki Tsunoda beim Bahrain-Test mit seinem AlphaTauri-Honda sensationell in Führung, am Schluss war nur Max Verstappen noch einen Hauch schneller. Der Rummel um Yuki war gewaltig.

Dabei sass Yuki fünf Jahre davor noch im Kart, nur mit seinem Vater als Begleiter. Tsunoda meinte: «Mein Vater war immer mein Mechaniker, bis ich 15 Jahre alt war. Ich hätte mir keinen besseren Lehrer vorstellen können. Er hat mich vor allem gelehrt, wie man auf der letzten Rille bremst und möglichst viel Schwung in die Kurven mitnimmt. Davon profitiere ich noch heute.»

Wenn ein Japaner seine Karriere in Europa fortsetzt, so ist das ein Kulturschock. Welches war die grösste Umstellung für Yuki? Der Japaner sagt: «Das Essen und die Sprache. Am Anfang habe ich in der Schweiz gewohnt, und alle haben nur Französisch gesprochen. Ich esse gerne, aber ich musste meine Gewohnheiten ändern. Denn meist war es nicht möglich, japanisch zu essen. Mit der Zeit habe ich mich angepasst.» Heute lebt Yuki in der Nähe des Rennwagenwerks von AlphaTauri in Faenza.

Zum besten oder schlimmsten Moment seiner Karriere bis zur Formel 1 meint er: «Am heftigsten war mein Honda Junior Driver-Test von 2016. Ich wurde nur Dritter! Und ich wusste: Honda wird nur die ersten Zwei in die Formel 4 hieven. Ich sagte zu meinem Vater: ‚Wenn ich das nicht packe, dann höre ich mit dem Rennsport auf.’ Der Mann, der alles geändert hat, war Satoru Nakajima. Der frühere Formel-1-Fahrer hat den Honda-Verantwortlichen ans Herz gelegt, mich zu befördern. Der schönste Moment war mein Sieg in der Formel 3 in Monza 2019. Denn dank dieser Leistung hat mich Red Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko für 2020 in die Formel 2 geholt. Zudem war es mein erster Sieg in Europa.»

2021 und 2022 hat Tsunoda 36 Formel-1-WM-Läufe bestritten, er hat dabei zehn Mal gepunktet, mit Rang 4 in Abu Dhabi 2021 als Highlight.

Grosser Preis von Italien, Autodromo Nazionale Monza

01. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:20:27,511 h
02. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +2,446 sec
03. George Russell (GB), Mercedes, +3,405
04. Carlos Sainz (E), Ferrari, +5,061
05. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, +5,380
06. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, +6,091
07. Lando Norris (GB), McLaren, +6,207
08. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +6,396
09. Nyck de Vries (NL), Williams, +7,122
10. Guanyu Zhou (RC), Alfa Romeo, +7,910
11. Esteban Ocon (F), Alpine, +8,323
12. Mick Schumacher (D), Haas, +8,549
13. Valtteri Bottas (FIN), Alfa Romeo, +1 Rde
14. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri, +1 Rde
15. Nicholas Latifi (CDN), Williams, +1 Rde
16. Kevin Magnussen (DK), Haas, +1 Rde
Out
Daniel Ricciardo (AUS), McLaren, Motorschaden
Lance Stroll (CDN), Aston Martin, Energie-Rückgewinnung
Fernando Alonso (E), Alpine, Wasserverlust, Motor überhitzt
Sebastian Vettel (D), Aston Martin, Energie-Rückgewinnung

WM-Stand (nach 16 von 22 Rennen)

Fahrer
01. Verstappen 335 Punkte
02. Leclerc 219
03. Pérez 210
04. Russell 203
05. Sainz 187
06. Hamilton 168
07. Norris 88
08. Ocon 66
09. Alonso 59
10. Bottas 46
11. Gasly 22
12. Magnussen 22
13. Vettel 20
14. Ricciardo 19
15. Schumacher 12
16. Tsunoda 11
17. Zhou 6
18. Stroll 5
19. Albon 4
20. De Vries 2
21. Latifi 0
22. Nico Hülkenberg (D) 0

Konstrukteurspokal
01. Red Bull Racing 545 Punkte
02. Ferrari 406
03. Mercedes 371
04. Alpine 125
05. McLaren 107
06. Alfa Romeo 52
07. Haas 34
08. AlphaTauri 33
09. Aston Martin 25
10. Williams 6

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