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Lando Norris (McLaren): «Das trifft dich sehr hart»

Von Mathias Brunner
Lando Norris

Lando Norris

​Der englische McLaren-Fahrer Lando Norris brach 2020 mit einem Tabu: Er sprach über psychische Probleme und wie er damit umgeht. Nun vertieft der WM-Sechste von 2021, was er mit seiner Offenheit erreicht hat.

Jeder Mensch hat seine Bürde zu tragen, aus ganz verschiedenen Gründen, oder wie es der Volksmund sagt: Unter jedem Dach ein Ach. Druck baut sich immer auf, ob privat oder im Berufsleben. Wieso sollte das für einen Formel-1-Fahrer anders sein?

Dennoch reden GP-Piloten selten über Ängste oder Unsicherheit, schon gar nicht in aller Öffentlichkeit. Lando Norris machte 2020 eine Ausnahme. In einem eigenen Blog gab der McLaren-Fahrer freimütig zu, mit welchen Gefühlen er zu leben lernen musste, als er in die Königsklasse hochrückte.

Der heute 23-Jährige aus Bristol schrieb damals: «Hat einer von euch je Probleme gehabt, sie aber mit einem Pokerface vor der Welt verborgen gehalten? Ich habe das. In meinem ersten Formel-1-Jahr 2019 sah ich für viele aus wie der unbekümmerte Junge, voller Selbstvertrauen und Enthusiasmus. Aber das stimmt so nicht. In Wahrheit habe ich unter der Decke gehalten, dass ich mit Ängsten kämpfte und mein Nervenkostüm dünn war.»

«Es war immer mein Traum, es bis in die Formel 1 zu schaffen. Aber ich wurde von Selbstzweifeln zernagt, ich war unsicher, ob ich wirklich aus dem richtigen Holz geschnitzt bin und es mit meinen Gegnern aufnehmen kann. Solche Gedanken machen dich irre. Es ist nicht leicht, damit umzugehen, und ich bin sicher, anderen Piloten ist das auch so gegangen.»

«Aber als Athlet willst du dir keine Blösse geben. Du willst den Gegnern keine Schwäche offenbaren. Also reden wir nicht über seelische Gesundheit. Dabei sollten wir das.»

«Es ist ganz wichtig, dass du Menschen hast, die dich auffangen. Erste Anlaufstation ist immer die Familie, aber auch Manager, Techniker und Mentaltrainer sind gute Ansprechpartner. In diesem Jahr habe ich mich dazu bereit gefühlt, mehr Verantwortung für meine psychische Verfassung zu übernehmen. Ich schätze, das gehört zu meinem Wachstumsprozess. Ich erreichte einen Punkt, an dem ich fand – ich muss zu Ängsten stehen, um gewisse mentale Hürden zu überwinden.»

Als die Welt im Frühling 2020 wegen Corona fast stillstand, nutzte Lando Norris die Zeit, um sich mit seinen Vertrauenspersonen ausgiebig zu unterhalten. «Das hat mir sehr dabei geholfen, mich in diesem Jahr souveräner und positiver zu fühlen. Mir ist klargeworden, welche Kraft hinter solchen Gesprächen steckt, wie elementar es ist, dass du gute Menschen um dich herum hast, welchen du vertrauen und auf die du dich verlassen kannst. Ich kann allen nur raten, über den Sport hinaus, sich mit Schwierigkeiten jemandem anzuvertrauen.»

Norris, WM-Sechster von 2021, ist bei seiner Linie geblieben, wie er nun im Magazin GQ (Gentlemen’s Quarterly) vertieft hat: «Ich frass das zu lange in mich hinein, diese ganzen Zweifel begannen, mich zu zermürben. Ich bin sehr froh, dass ich nicht nur fremde Hilfe in Anspruch genommen habe, sondern auch darüber, dass ich damit an die Öffentlichkeit gegangen bin. Einige Menschen haben gesagt, ich hätte damit ihr Leben gerettet. Das trifft dich sehr hart.»

Nach 82 Formel-1-WM-Läufen tritt Norris 2023 bei McLaren gegen den vielversprechendsten GP-Neuling der letzten Jahre an, gegen den Australier Oscar Piastri (21). Norris weich nicht von seinem Kurs ab. «Ich bin ein fairer Verlierer, aber der grösste Druck kommt nicht von aussen, sondern immer von mir selber. Ich gehe sehr hart mit mir ins Gericht. Ich betrachte meine Leistungen überaus kritisch. Mir geht ständig durch den Kopf: Was hätte ich besser machen können?»

Formel 1 2023

Präsentationen
03. Februar: Red Bull Racing in New York
06. Februar: Williams im Internet
07. Februar: Alfa Romeo in Zürich
11. Februar: AlphaTauri in New York
13. Februar: McLaren in Woking
13. Februar: Aston Martin in Silverstone
14. Februar: Ferrari in Maranello
15. Februar: Mercedes in Silverstone
16. Februar: Alpine in London

Wintertests
23. bis 25. Februar: Bahrain International Circuit

Formel-1-WM-Kalender
05.03. Bahrain-GP, Bahrain International Circuit, Sakhir
19.03. Saudi-Arabien-GP, Jeddah Corniche Circuit, Dschidda
02.04. Australien-GP, Albert Park Circuit, Melbourne
30.04. Aserbaidschan-GP, Baku City Circuit, Baku *
07.05. Miami-GP, Miami International Autodrome, Miami
21.05. Emilia Romagna-GP, Autodromo Enzo e Dino Ferrari, Imola
28.05. Monaco-GP, Circuit de Monaco, Monte Carlo
04.06. Spanien-GP, Circuit de Barcelona-Catalunya, Montmeló
18.06. Kanada-GP, Circuit Gilles Villeneuve, Montreal
02.07. Österreich-GP, Red Bull Ring, Spielberg *
09.07. Grossbritannien-GP, Silverstone Circuit, Silverstone
23.07. Ungarn-GP, Hungaroring, Budapest
30.07. Belgien-GP, Circuit de Spa-Francorchamps, Spa *
27.08. Niederlande-GP, Circuit Zandvoort, Zandvoort
03.09. Italien-GP, Autodromo Nazionale di Monza, Monza
17.09. Singapur-GP, Marina Bay Street Circuit, Singapur
24.09. Japan-GP, Suzuka International Racing Course, Suzuka
08.10. Katar-GP, Losail International Circuit, Doha *
22.10. Austin-GP, Circuit of the Americas, Austin *
29.10. Mexiko-GP, Autódromo Hermann Rodríguez, Mexiko-Stadt
05.11. Brasilien-GP, Autódromo José Carlos Pace, Interlagos *
18.11. Las Vegas-GP, Las Vegas Street Circuit, Las Vegas
26.11. Abu Dhabi-GP, Yas Marina Circuit, Yas Island

* Sprint-Format

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