Mit dem Taxi in die dunkle Seitenstrasse

Kolumne von Matthias Dubach
Formel 1
Grünes Licht heisst: Taxi ist besetzt

Grünes Licht heisst: Taxi ist besetzt

SPEEDWEEK ist in Japan unterwegs. Warum bei den Taxifahrern die weissen Handschuhe nicht nur Fassade sind und wohin die Eisenbahn aus der Zukunft fährt.

In Japan ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln beispielhaft, deshalb ist SPEEDWEEK für den Formel-1-GP in Suzuka und das MotoGP-Rennen in Motegi ohne Mietwagen unterwegs. Ein weiterer Grund dafür ist, dass die Verkehrsschilder ohne gefühlte 27 Semester Japanologie ein munteres Bilderrätsel darstellen. Vieles ist zwar auch in Englisch angeschrieben, aber englisch ist auch der Linksverkehr in Japan. Deshalb überlasse ich das Fahren hier lieber einem Lokomotivführer, einem Bus- oder Taxifahrer.

Taxifahren ist in Japan eine Wonne, vielleicht mal davon abgesehen, dass die Preise ziemlich stolz sind. Aber hier kriegt man dafür auch eine Leistung, die diesen Namen verdient. Kein Vergleich mit demselben Gewerbe in Zürich, das einen schlechten Ruf geniesst und wo auch mal Fahrten barsch verweigert werden, weil sie kurz sind und sich angeblich nicht lohnen.

Da lobe ich mir den japanischen Berufs-Ethos: Wird man am Taxistand von einem Fahrer erblickt, springen in ungefähr einer Zehntelsekunde die rechte Hintertür sowie der Kofferraumdeckel per Knopfdruck automatisch auf. Mit weissen Handschuhen wuchtet der Fahrer meinen Koffer an den dafür vorgesehenen Platz.

Nun kommt der schwierigste Teil: das Erklären des Ziels. Bei der Formel 1 in Suzuka lernte ich rasch, wie das Zauberwort lautet, will man zur Strecke gefahren werden. Nicht Racing, nicht Circuit, nicht Track, nicht Kobayashi, sondern Motorsport Gate. Zur Not helfen auch abfotografierte Schriftzüge von Namen auf japanisch, Smartphone sei Dank.

Auf der Fahrt wird nicht gesprochen. Natürlich, die Sprachbarriere. Aber ich bin sicher, dass ein japanischer Taxifahrer auch Landsleute im Auto nicht einfach volltextet, hier gilt wie vielerorts im Land der aufgehenden Sonne die vornehme Zurückhaltung. Der einzige Fahrer, der redete, war ein Chinese, der ein wenig Englisch konnte und sich mit Taxifahren das Studium in Hiroshima finanzierte. Es war leider auch der einzige, der sich verfuhr.

Ein anderer bog plötzlich in eine dunkle Seitenstrasse ab. Schluck! Bin ich in den Fängen der Triaden gelandet? Doch das war nur ein Schleichweg zu einem Casino, über den Parkplatz dort liess sich bequem der stockende Kolonnenverkehr umfahren. Ein Trinkgeld gibt es dafür aber nicht, denn es ist schlicht nicht an den Mann zu bringen. Jeder Yen wird abgezählt und das Rückgeld dem Fahrgast in einem Tellerchen überreicht. Dass der Koffer schon griffbereit auf der Strasse steht, ehe man sich aus dem Fond schält, versteht sich von selbst.

Service-Oase Taxi hin oder her, das unumstrittene Highlight auf Rädern in Japan sind aber die Shinkansen-D-Züge. Ich nehme von Nagoya nach Tokio den «Nozomi Superexpress», bei der Einfahrt im Bahnhof dieser Rakete auf Schienen bleibt mir der Mund offen stehen. Ein Zug wie aus der Zukunft. Tempo bis 300 km/h, trotz drei Stopps unterwegs beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit 200 km/h. Aber im Zugsinnern fühlt es sich an, als würde man ein bisschen durch die Landschaft bummeln…

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