Sergio Marchionne (Ferrari): Kein Urteil zu Red Bull

Von Mathias Brunner
Formel 1
Maurizio Arrivabene mit Sergio Marchionne

Maurizio Arrivabene mit Sergio Marchionne

​Ferrari-Präsident Sergio Marchionne über den aufregenden Platzwechsel bei Red Bull zwischen Max Verstappen und Daniil Kvyat sowie über die Chancen von Ferrari.

Sergio Marchionne (63) hat die Tiefschläge von Sotschi noch nicht ganz verdaut: Kimi Räikkönen im besten Ferrari eine halbe Minute hinter Sieger Nico Rosberg, Sebastian Vettel nach den Kollisionen mit Red Bull Racing-Fahrer Daniil Kvyat schon in der ersten Runde out. Ferrari-Präsident Marchionne nennt das «einen hässlichen Zwischenfall. Ich glaube, Kvyat hat sich bei Vettel entschuldigt. Ob der Fall aber noch weitere Konsequenzen hat, das muss die FIA entscheiden.»

Anlässlich der Übergabe zweier Modelle vom Typ Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio für die Carabinieri meint der Italo-Kanadier weiter, was die Red-Bull-internen Konsequenzen für den jungen Russen betrifft: «Ich richte nicht über Red Bull, was sie dort machen. Weil es Konkurrenten sind.»

Um genau zu sein, sind es so gefährliche Konkurrenten, dass Marchionne im vergangenen Jahr eine Art Verbal-Slalom zeigte.

Im Juni hatte der Firmenchef den Österreich-GP besucht. Damals suchte Red Bull für die beiden Teams Red Bull Racing und Scuderia Toro Rosso für die Saison 2016 siegfähige Motoren. Marchionne erklärte der Journalistenschar gönnerhaft: «Andere Rennställe mit Motoren auszurüsten, gehört zu unserer DNA, wir haben das schon früher getan. Wir können theoretisch jedem Rennstall Triebwerke anbieten, der Rennen fahren will. Es gibt genügend Unterscheidungsmerkmale zwischen dem Werksteam und den Kunden. Grundsätzlich spreche ich mit allen. Und ich habe für das Haus Red Bull den allergrössten Respekt. Sie haben immens viel für unseren Sport getan, sie sind verdient vier Mal Weltmeister geworden. Sie werden den Weg zurück zum Erfolg finden, da bin ich mir ganz sicher. Wenn wir dabei eine helfende Hand reichen können, wieso nicht?»

In Monza klang das schon etwas unverbindlicher: «Wir reden mit jedem», liess der Spitzenmanager wissen.

Sein Teamchef Maurizio Arrivabene gab sich da noch breitbrüstig: «Ich erkenne kein Problem darin, einem anderen Team Ferrari-Motoren zu geben, weil wir niemanden fürchten müssen. Unsere Ingenieure wissen um ihre Aufgaben, und ein Wettbewerb wird interessanter, wenn der Gegner stärker ist. Gut, dort arbeiten grosse Namen wie Adrian Newey, und es wäre leicht, auf den Gedanken zu kommen, dass die ein verflixt gutes Chassis bauen können und daher mit unserem Motor sehr konkurrenzfähig wären. Aber einen Gegner zu fürchten, noch bevor der überhaupt angefangen hat, das entspricht nicht dem Wettbewerbsgeist von Ferrari. Wir nehmen es mit allen auf.»

Aber als die Saison ins letzte Drittel ging, ändert sich aber einiges: Red Bull Racing-Fahrer Daniel Ricciardo hielt in Singapur Sieger Sebastian Vettel in Atem. Spätestens dann wurde Marchionne und Arrivabene endgültig klar: Wenn ein so gutes Chassis wie jenes von Red Bull Racing mit einem aktuellen Ferrari-Motor ausgerüstet wird, dann hat Ferrari ein ernsthaftes Problem.

Das Ergebnis dann: Es gab zwar Ferrari-Antriebseinheiten für Red Bull, aber nur 2015er Motoren und auch nur für die Scuderia Toro Rosso.

In China 2016 bestätigte Sergio Marchionne: «Es wäre ein enormer Fehler gewesen, Red Bull mit den aktuellsten Motoren auszurüsten.»

Denn auch für die neue Saison hat RBR ein exzellentes Chassis gebaut. Die Branche ist gespannt darauf, was Daniel Ricciardo und Max Verstappen damit ab dem Kanada-GP anstellen, wenn Renault den kraftvolleren Motor bringt.

Zurück zu Ferrari: Sergio Marchionne weiss, dass das erste Saisonziel verpasst worden ist – schon bei den ersten Rennen siegfähig zu sein. Denn Mercedes hat mit Nico Rosberg vier Mal gewonnen. Ferrari liegt in der Markenwertung mit 76:157 Punkten zurück.

Marchionne meint: «Wir nehmen, was wir kriegen können. Das Wichtigste ist, dass wir nun konzentriert weiterarbeiten. Wir haben in einigen Rennen eine Siegmöglichkeit erkannt. Doch durch eigene Fehler, Zufälle und andere Gründe haben wir das nicht geschafft. Aber wir haben erst vier Rennen hinter uns, noch siebzehn sind vor uns, die Welt steht uns offen. Für Sotschi brauchten wir einen Motor mit maximaler Leistung, wir waren nicht weit von den Deutschen entfernt, aber nicht nahe genug, um ihren auf die Nerven zu gehen. Wären wir vor ihn auf der Bahn gewesen, hätten sie es nicht so leicht gehabt, uns zu überholen, besonders mit Vettel an der Spitze.»

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene hat angekündigt: «Sotschi ist ein ein Pistenlayout, das uns nicht entgegen kommt. Was wir wert sind, werden wir bei den kommenden Rennen in Spanien und Monaco sehen.»

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