Lewis Hamilton (Mercedes): «Ich liege weiter hinten»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton nach seinem Sieg in Ungarn

Lewis Hamilton nach seinem Sieg in Ungarn

​Weltmeister Lewis Hamilton über die Kontroversen um gelbe Flaggen, Halo und gefährliche Fahrmanöver, über die Sommerpause und wieso er glaubt, im Rückstand zu sein.
Lewis, wir haben eine ausgewachsene Kontroverse um geschwenkte gelbe Flaggen und darüber, wie sich ein Pilot dann zu verhalten habe. Es ist angeregt worden, dass ein Pilot eine schnelle Runde unter doppelter gelber Flagge so oder so verliert. Wo stehst du dazu?

Seit Ungarn ist nicht darüber gesprochen worden, daher ist meine Einstellung auch unverändert: Wir haben einen Präzedenzfall geschaffen, und wenn wir morgen in der Fahrerbesprechung nichts anderes hören, dann weiss ich seit dem Hungaroring – ich kann trotz doppelter geschwenkter gelber Flaggen Bestzeit erzielen.

Würde es dir besondere Freude bereiten, Nico Rosberg bei dessen Heimrennen zu schlagen?

Nein, das ist ein Rennen wie jedes andere, das macht für mich keinen Unterschied. Ich habe schon früher hier gewonnen. Aber grundsätzlich zählt der Sieg, nicht der Ort.

Du hast einen auffällig guten Lauf seit dem Unfall zwischen dir und Nico in Spanien. Warum ist das so?

Ich weiss es nicht. Nico fährt so gut wie zuvor. Aber ich hatte das Pech nicht, das mich im ersten Saisonteil verfolgt hat. Sonst erkenne ich keine Unterschiede.

Ich weiss, dass du Aki Hintsa nahestehst. Hast du von ihm Kämpfermentalität übernommen, oder kommt das alles von dir selber?

(Lacht.) Du suchst immer die finnische Perspektive, nicht wahr? Nein, ich hatte seit 2005 finnische Trainer, Aki ist mir sehr ans Herz gewachsen, er ist ein Mensch, der mich anhaltend inspiriert. Schon früher, aber jetzt noch mehr, wo er eine schwere Zeit durchlebt. (Der langjährige McLaren-Arzt ist im Sommer 2015 an Krebs erkrankt, M.B.) Vor einem Jahr haben wir in Monaco Squash gespielt, und ich habe eine meiner grössten Niederlagen erlitten. Nachdem er mich geschlagen hatte, wechselte er den Schläger in die andere Hand – und hat mich nochmals geschlagen! Das war komplett demoralisierend. Da klagte er schon über Schmerzen. Wenige Tage später kam die Diagnose. Er kämpft. Vor einer Woche hat er mir gesagt: „Wenn ich mich stärker fühle, spielen wir wieder Squash – und ich werde dich erneut schlagen.“

Lewis, wir steuern auf die Sommerpause zu. Du hast derzeit einen tollen Lauf. Wäre es dir fast lieber, keine Pause zu machen?

Nein, ich bin wirklich froh über die Pause. Die Saison ist kräfteraubend. (Beginnt zu lachen und zwinkert.) Dann muss ich euch zwei Wochen lang nicht anschauen! Vor allem aber ist die Pause ganz wichtig für die Fachkräfte vor Ort und in der Fabrik. Die brauchen eine solche Pause. Denn wenn die Saison zu Ende sein wird, geht es im Werk ja volle Kanne weiter für 2017. Die Sommerpause ist ganz wichtig.

Nach dem Ungarn-GP hatten wir eine weitere Kontroverse, als Kimi Räikkönen seinem Gegner Max Verstappen vorgeworfen hat, sich unfair zu wehren. Was ist deine Meinung dazu?

Ich habe keine Videoaufnahmen dieser Szenen gesehen, daher kann ich das nicht einschätzen. Ich weiss aber, dass Kimi Räikkönen der grosse Schweiger ist. Wenn er also etwas sagt, dann hat das immer Gewicht. Daher neige ich dazu, ihm Recht zu geben, wenn er sagt, dass etwas nicht in Ordnung gewesen sei.

Hast du je die Möglichkeit gehabt, den alten Hockenheimring zu fahren?

Ich war hier als Knabe, bei McLaren. Ich hätte im Zweisitzer mitfahren sollen. Aber Bernie Ecclestone hat das nicht erlaubt. Angeblich eine Versicherungssache oder so. An jenem Wochenende hat Ron Dennis Nico und mich an einen Tisch gesetzt und davon gesprochen, dass wir eines Tages im GP-Sport Stallgefährten sein würden. Und hier sind wir jetzt, gut zwanzig Jahre später! Allerdings in einem anderen Team. Wäre mal lustig, von Ron zu hören, was er darüber denkt. Das fände ich wirklich cool. Den alten Kurs konnte ich leider nie fahren

Wie wichtig ist es, als WM-Leader in die Sommerpause zu gehen?

(Grinst.) Sagen wir es so: Es ist schöner, als 43 Punkte Rückstand zu haben! Aber es fühlt sich auch nicht anders an als sonst. Ich liege zwar in der WM vorne, aber ich fühle mich noch immer im Rückstand, und genau genommen bin ich das auch, weil ja mindestens eine Strafversetzung auf mich zukommt, wenn mein Auto einen neuen Motor eingebaut bekommt.

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Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
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