Joe Roberts (Kalex): «Ich bin mein größter Kritiker»

Von Maximilian Wendl
Die Tür in die MotoGP-Klasse stand für Joe Roberts bereits offen. Der US-Amerikaner entschied sich aber für einen Verbleib in der Moto2-Klasse. Allerdings fehlt ihm auch 2021 die Konstanz, um vorne mitzumischen.

Joe Roberts hat große Ziele: Er möchte in der MotoGP-Klasse zu einem Top-Piloten reifen. Aktuell ist er davon noch weit entfernt, denn in der mittleren Klasse fehlt dem US-Amerikaner die Konstanz. Trotzdem war ihm für 2021 der Aprilia-Platz neben Aleix Espargaró angeboten worden, doch Roberts lehnte ab. Ohne Sieg in der Moto2-Serie wollte er nicht aufsteigen. Dabei warten die US-Fans sehnsüchtig auf einen GP-Gewinner aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Mit Garrett Gerloff, der zuletzt für Franco Morbidelli eingesprungen war, hatten sie zumindest kurzzeitig einen Vertreter. Doch der Yamaha-Ersatzmann versucht sich vorrangig in der Superbike-WM. Roberts aber will den Durchbruch schaffen. Aktuell ist er WM-Zehnter. Gegen die Red Bull KTM Aki Ajo-Piloten Remy Gardner und Raúl Fernandez ist er bislang meist chancenlos.

Sorgen macht er sich aber noch nicht: «Wenn es mit dem Aufstieg nach dieser Saison nicht klappt, dann versuche ich es eben nächstes Jahr.» Es ist seine Art, die Dinge locker anzugehen. «Im Leben geht es darum, den Moment zu genießen. Es gibt viele schwierige Entscheidungen zu treffen, aber zu genießen, das ist in meinen Augen der beste Weg, um erfolgreich zu sein.»

In der verkürzten Saison 2020 ging sein Stern auf. In Katar startete Roberts von der Pole-Position. Es folgten weitere in Brünn und Le Mans. Auf das Podest schaffte er es aber nur in Tschechien. Geändert hat sich in dieser Saison nichts, obwohl er das America Racing Team verließ und bei Italtrans Racing anheuerte. Mit den Italienern holte Enea Bastianini 2020 den Titel.

«Ich selbst bin mein größter Kritiker. Ich bin manchmal aber auch verrückt. In mir sieht es ganz anders aus, denn ich habe in der Vergangenheit häufig zu viel Druck auf meine Schultern gelastet. Das Team hat mir in dieser Saison geholfen. Wir haben die Möglichkeiten, Top-Platzierungen einzufahren. Ich komme mit einem positiven Gefühl bei jeder Strecke an und versuche meinem Stil treuzubleiben.»

Durch den Wechsel haben sich auch Joe Roberts' Bezugspersonen verändert. War es im Vorjahr noch John Hopkins, der ihn als Riding Coach betreute, kümmert sich jetzt Italtrans-Sportdirektor Robertino Pietri um die Belange des Mannes aus Kalifornien. «Er schaut nach mir», sagt Roberts, der weiß, worauf es bei ihm ankommt, um schnell zu sein: «Wenn ich am entspanntesten bin, dann bin ich am schnellsten.»

Deswegen zog sich der 24-Jährige in der Sommerpause auch in die Heimat zurück. Er will seine Akkus aufladen und in der zweiten Saisonhälfte Werbung in eigener Sache betreiben.

Moto2-WM-Stand (nach 9 von 19 Rennen):

1. Gardner 184 Punkte. 2. Raúl Fernández 153. 3. Bezzecchi 128. 4. Sam Lowes 99. 5. Di Giannantonio 73. 6. Schrötter 66. 7. Canet 55. 8. Augusto Fernández 50. 9. Vierge 50. 10. Roberts 50. 11. Ogura 49. 12. Navarro 42. 13. Bendsneyder 39. 14. Arbolino 30. 15. Beaubier 26. 16. Vietti 22. 17. Arenas 22. 18. Manzi 20. 19. Chantra 16. 20. Ramirez 16. 21. Dixon 11. 22. Garzo 11. 23. Bulega 10. 24. Syahrin 8. 25. Corsi 7. 26. Dalla Porta 6. 27. Lopez 4. 28. Aldeguer 4. 29. Lüthi 4. 30. Baldassarri 3. 31. Baltus 2.

Stand Marken-WM nach 9 von 19 Rennen:
1. Kalex 225 Punkte. 2. Boscoscuro 81. 3. MV Agusta 10. 4. NTS 10.

Stand Team-WM nach 9 von 19 Rennen:
1. Red Bull KTM Ajo 337 Punkte. 2. Sky Racing Team VR46 150. 3. Elf Marc VDS Racing Team 149. 4. Liqui Moly Intact GP 96. 5. Federal Oil Gresini Moto2 83. 6. Aspar Team 77. 7. Idemitsu Honda Team Asia 65. 5. Petronas Sprinta Racing 61. 9. Italtrans Racing Team 56. 10. Ego Speed Up 46. 11. Pertamina Mandalika SAG Team 43. 12. American Racing 42. 13. Flexbox HP40 35. 14. MV Agusta Forward Racing 10. 15. NTS RW Racing GP 10.

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