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Santiago Herrero: Vorreiter der spanischen Invasion

Zwei Tage, nachdem er bei der zur Motorrad-WM zählenden TT auf der Isle of Man schwer gestürzt war, verlor Santiago Herrero am 10. Juni 1970 sein Leben. Heute hätte der Spanier seinen 80. Geburtstag gefeiert.

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Der damals 27-Jährige Santiago Herrero gilt als einer der Pioniere des zu jener Zeit emporkommenden spanischen Rennsports. In seiner kurzen, aber intensiven Karriere stand er bei seinen 17 Grand-Prix-Starts elf Mal auf dem Podest, davon vier Mal als Sieger.

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Geboren wurde Santiago Herrero am 9. Mai 1943 in Madrid. Im Alter von zwölf Jahren kaufte er sich sein erstes Motorrad und mauserte sich schnell auch zum begnadeten Techniker. Mit einer privaten 125er-Bultaco erregte er schnell Aufsehen und wurde daraufhin von Lube, einem ebenfalls damaligen spanischen Motorradhersteller, verpflichtet.

Nachdem Herrero 1964 die Spanische Meisterschaft in der Klasse bis 125 ccm auf dem dritten Rang und 1965 als Vizemeister beendet hatte, stellte Lube auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten sein Engagement im Rennsport ein. Santiago Herrero hatte sich inzwischen selbstständig gemacht und in Bilbao seine eigene Motorradwerkstatt gegründet.

Sein fahrerisches Talent und seine mechanischen Fähigkeiten brachten ihn dann mit der Marke Ossa zusammen, für die er eine 250-ccm-Rennmaschine entwickelte. 1967 gewann er damit die Spanische Meisterschaft und stieg 1968 in die WM ein.

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Eine kurze, aber beachtliche WM-Karriere

Das erste Saisonrennen stand auf der Südschleife des Nürburgrings auf dem Programm, wo Herrero mit einem sechsten Rang in der WM debütierte. Beim Saisonfinale fuhr er im italienischen Monza als Dritter erstmals aufs Podest und beendete das Jahr auf dem siebenten Gesamtrang. In seiner Heimat verteidigte er den nationalen Titel.

1969 konnte Herrero die damals überlegenen Yamahas schon mehr ärgern. So gewann er im spanischen Jarama, im französischen Le Mans und im belgischen Spa-Francorchamps. Leistungsmäßig war er mit seiner Einzylinder-Ossa gegen die japanischen Zweizylinder-Maschinen zwar mit rund 20 PS im Hintertreffen, doch mit seinem 20 kg leichteren Motorrad und einem viel steiferen, revolutionären Monocoque-Rahmen hatte er beim Bremsen, beim Beschleunigen und in den Kurven einige Vorteile.

Fallweise ging Santiago Herrero in jenem Jahr auch in der 50-ccm-Klasse auf einer Derbi an den Start. So zum Beispiel auf dem Sachsenring, wo er am Samstag als Zweiter hinter Angel Nieto aufs Podest durfte. Tags darauf verfehlte er den Sieg im 250er-Rennen um gerade einmal drei Zehntelsekunden gegen den Italiener Renzo Pasolini auf einer Benelli.

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Wäre Herrero danach im Regen beim Grand Prix in Belfast nicht gestürzt bzw. hätte er sich dabei nicht den Arm gebrochen, wäre für ihn sicherlich noch mehr als der dritte WM-Schlussrang drin gewesen, aber so ist der Rennsport. Trösten konnte er sich zumindest mit dem Titel-Hattrick in Spanien.

1970 feierte Herrero nach Platz zwei in Le Mans im jugoslawischen Opatija seinen vierten Grand-Prix-Sieg, doch beim darauffolgenden Rennen auf der Isle of Man stürzte er in der sechsten und letzten Runde in der Kurve "Westwood Corner". Zwei Tage später, am 10. Juni, endete sein Leben im Krankenhaus von Douglas viel zu früh. Ossa zog sich daraufhin vom Rennsport zurück.

Die Anfänge der spanischen GP-Dominanz

Herrero hatte durchaus das Zeug dazu, einen ähnlichen Triumphzug anzutreten wie sein Landsmann Angel Nieto. Bis zu seinem Tod war er zumindest ebenso ein Vorreiter der heutigen spanischen Dominanz im Straßenrennsport.

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Diese nahm 1966 ihren Anfang, als sich Ginger Molloy mit dem ersten Sieg eines spanischen Motorrades den entsprechenden Eintrag in den Geschichtsbüchern sicherte. Beim Ulster-Grand-Prix in Belfast gewann der Neuseeländer auf einer Bultaco das Rennen der 250-ccm-Klasse.

Zwei Jahre später gelang dann Salvador Canellas in Barcelona auf einer 125er-Bultaco der erste Grand-Prix-Sieg eines spanischen Fahrers. Ihm folgte 1969 Santiago Herrero mit seinem ersten GP-Sieg im heimischen Jarama mit einer ebenfalls spanischen 250er-Ossa.

Wenige Wochen später feierte Angel Nieto auf dem Sachsenring mit einer 50-ccm-Derbi seinen Debütsieg. Er war es auch, der in jenem Jahr, ebenfalls in der 50-ccm-Klasse, den ersten Fahrer-WM-Titel für Spanien errang. Mit insgesamt 13 WM-Titeln ist der 2017 verstorbene Angel Nieto bis heute der zweiterfolgreichste Rennfahrer hinter dem Italiener Giacomo Agostini, der zwischen 1966 und 1975 sogar 15 Mal Weltmeister wurde.

Inzwischen dominiert das Land von der iberischen Halbinsel dank einer ausgezeichneten Nachwuchsarbeit und einer Vielzahl dem Motorsport wohlgesonnener Sponsoren die Motorrad-Weltmeisterschaft quantitativ und qualitativ regelrecht. Mit 57 Fahrer-WM-Titeln und 700 GP-Siegen kletterte Spanien inzwischen in der ewigen Statistik jeweils auf den zweiten Platz hinter den Italienern, die bis dato 80 WM-Titel und 876 GP-Siege verbuchen konnten.

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