Jonas Folger: «Ich fahre nicht, um reich zu werden»

Von Günther Wiesinger
Moto2

Moto2-WM-Rookie Jonas Folger hat bei den ersten WM-Rennen alle Erwartungen übertroffen. Wir haben mit ihm über seine Krise, seine Lehren daraus, über MotoGP und über Geld gesprochen.

Jonas Folger (20) ist der beste Deutsche in der Moto2-WM 2014, er hat bereits eine Pole-Position, einen dritten und einen sechsten Platz erzielt, er liegt in der WM an achter Stelle.

SPEEDWEEK.com hat sich mit dem Kalex-Piloten aus dem spanischen AGR-Team über den Weckruf zur richtigen Zeit, über den gelungenen Klassenwechsel, die fehlenden Sponsoren und den Schritt in die MotoGP-Klasse unterhalten.

Jonas, du hast schwierige Zeiten hinter dir. Du bist beim Ajo-Team Ende 2011 entlassen worden, dann kamen die Reinfälle mit MZ und Iodaracing. Es begann nach dem Brünn-GP 2011, als dir Teamchef Ajo die Werks-Aprilia RSA 125 weggenommen hat. Diese Rückschläge waren ein Weckruf für dich, stimmt’s?

Ja, natürlich, das war hart. Das war damals bei Ajo wie ein Tritt in den Arsch für mich, weil ich dann wirklich auf dem Boden zerstört war, muss ich ganz ehrlich sagen. Und weil es dann noch schwieriger war.
Es war eh vorher schon schwierig. Aber es hat sich dann alles aufgeschaukelt und hat die Situation für mich noch schwieriger gemacht.
Aber ich habe mit diesem Thema abgeschlossen. Ich bin jetzt super zufrieden und fühle mich superstark.

Die erste Saisonhälfte 2012 bei Iodaracing mit der lahmen Eigenbau-Emir war auch schwer zu ertragen. Und du warst erst 18 Jahre alt... Aber als dich MZ kurz vor dem Saisonstart vor die Türe stellte, waren alle guten Plätze vergeben?

Ja, aber ich wollte zu dieser Zeit unbedingt weiterfahren. Und ich habe keine andern Angebote erhalten. Ich habe die Chance genützt und bei Iodaracing zugesagt. Von diesem Zeitpunkt an habe ich wirklich alles getan, um auf mich aufmerksam zu machen und in jedem Rennen mein Maximum zu geben.
Nicht nur am Rennwochenende, sondern auch daheim beim Training, dass ich immer vollen Einsatz zeige. Das haben die Teambesitzer wie Jorge Martinez irgendwann gesehen. Das war dann der Wendepunkt in meiner Karriere.

Wärst du lieber schon 2012 in der Moto2-WM gefahren? Oder hättest du vor einem Jahr noch kein brauchbares Team und kein konkurrenzfähiges Motorrad wie die Kalex gefunden?

Nein, es war gut, dass ich noch einmal Moto3 gefahren bin, weil ich noch einmal viel gelernt habe in dem einen Jahr.
Ich glaube, der Zeitpunkt zum Umstieg war genau der Richtige.

Manche Fans und Journalisten machen sich Sorgen um das AGR-Budget, weil kaum Sponsoren auf dem Leder und auf dem Bike zu sehen sind. Reicht das Geld für die Saison?

Ich bin mir sicher, dass Geldsorgen bei uns gar kein Thema sind, denn der TV-Koch Karlos Argiñano macht das, weil er eine Leidenschaft für den Motorsport hat, weil er viel Geld hat, weil er ein Top-Team haben und seinen Fahrer vorne sehen will. Wir haben eine super Boxeneinrichtung, wir haben super Mechaniker, das Equipment ist top. Geldprobleme – das ist bei uns wirklich das letzte Thema.

AGR fuhr im Vorjahr auf Speed-up-Maschinen mit Moncayo und Odendaal. Damals waren mehr Sponsoren auf den Motorrädern?

Ja, jetzt fehlen sie, weil 2013 keine Resultate da waren... AGR hat natürlich nicht das nötige Material gehabt und vielleicht auch nicht die Fahrer. Aber das ist wirklich ein Super-Team.
?Stefan Bradl hat in seiner ersten Moto2-Saison 2010 im Oktober in Portugal erstmals gewonnen. Wirst du den ersten Sieg schneller schaffen?
(Er lacht). Kann man nicht sagen. In Le Mans bin ich die Pole-Position gefahren. Aber ich wusste, die Zeiten sind in der Moto2 so eng beisammen. Da kann man nicht so leicht eine Prognose abgeben.
Es ist wichtiger, wie man im Rennen darauf ist als im Qualifying.
Aber ich denke, dass wir stark und konstant sind. Aber an einen Sieg denke ich momentan noch nicht. Ich gebe einfach mein Bestes. Dann schauen wir, was dabei rauskommt.

Du hast in Le Mans gesagt, du und das Team, ihr hättet im ersten Jahr nicht mit einer Pole-Position und einem Podestplatz gerechnet. Jetzt müsst ihr die Saisonziele ein bisschen revidieren. Wie sehen sie jetzt aus, wenn es ideal läuft?

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich denke jetzt an keine Meisterschaft, ich denke an keine Position, ich gebe jedes Rennwochenende das Beste und schaue, dass ich mich mit dem Team verbessere.
Wir denken von Rennen zu Rennen und schauen, dass wir uns steigern.

Ist es eine Genugtuung, dass du zuletzt schneller warst als Sandro Cortese, der seine zweite Moto2-Saison fährt?

Es ist eine Genugtuung für mich, dass ich zum Beispiel in Le Mans Pole-Position hatte. Der Sandro ist stark, er wird auch stark bleiben, vielleicht hat er gerade nicht den Lauf... Aber ich bin mir sicher, der Sandro kommt wieder.

Stefan Bradl ist im zweiten Jahr Moto2-Weltmeister geworden und dann 2012 in die MotoGP-WM aufgestiegen. Wie sieht deine Lebensplanung aus?

Ich habe schon immer an die MotoGP gedacht. Weil es mein Traum ist, eines Tages in der MotoGP zu fahren. Aber jetzt bin ich erst in der Moto2 und habe erst ein paarmal gute Resultate gezeigt.
Vom dem her glaube ich, wir haben noch viele Moto2-Rennen vor uns, in denen wir zeigen müssen, dass wir vorne mitfahren können.
Der Rest kommt dann von alleine.

Hast du bei AGR einen Ein-Jahres-Vertrag?

Ja, ein Jahr.

Für 2015 werden auch Moto2-Angebote kommen, wo dir wahrscheinlich mehr Geld geboten wird?

Ja, sicher, Angebote gibt es, wenn die Resultate da sind. Aber ich denke, dass das Wohlbefinden für mich eine wichtigere Rolle spielt als das Geld.

Aber du bist seit eineinhalb Jahren Vater, du musst deine Tochter ernähren?

Ja, es ist ja nicht so, dass ich arm bin. (Er lacht). Für mich ist das Wohlbefinden wichtiger als das Geld. Denn ich bin da, damit ich Resultate zeige und nicht, damit ich reich werde.

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