Andrea Iannone: «Mit meinem Gewissen im Reinen»

Von Nora Lantschner
MotoGP
Wie in einem Film: Andrea Iannone

Wie in einem Film: Andrea Iannone

Der mutmaßliche Dopingsünder Andrea Iannone (Aprilia) hielt sich in den vergangenen Wochen zurück, nach der positiven B-Probe gibt sich der MotoGP-Pilot aber kämpferisch: «Das Motorradfahren ist mein Leben.»

Als Andrea Iannone am 17. Dezember erfuhr, dass in seiner Urinprobe vom Sepang-GP anabol-androgene Steroide nachgewiesen wurden, habe er sich wie in einem Film gefühlt: «Ein Film, in dem ich unfreiwillig die Hauptrolle spiele: Für einen Sportler, der viele Opfer gebracht hat, ist es ein Trauma», schilderte er den Kollegen der «Gazzetta dello Sport».

Laut der italienischen Sporttageszeitung fiel das Ergebnis der B-Probe, die am 7. Januar geöffnet wurde, ebenfalls positiv aus: Der Befund habe eine geringe Menge von Drostanolon, 1,150 Nanogramm pro Milliliter, ergeben.

Trotzdem ist das Ziel von Iannone klar: «Ich arbeite an keinem Plan B. Das Wichtigste ist, mit Aprilia schnell zu sein. Das Motorradfahren ist mein Leben. Ich bin nicht so dumm, es für andere Dinge oder diese jüngsten Geschehnisse aufs Spiel zu setzen.» Der 30-jährige Italiener sieht sich auch in Zukunft als MotoGP-Pilot – und nicht als Promi auf dem roten Teppich: «Ich fühle mich als Rennfahrer, für mich und für die anderen», bekräftigte er.

Den negativen Kommentaren will «The Maniac» keine Beachtung schenken («Wenn die Leute über Iannone reden wollen, sollen sie das ruhig machen»), als Dopingsünder abgestempelt zu werden, fürchtet er ebenfalls nicht: «Wenn du mit deinem Gewissen im Reinen bist, können sie dir ankreiden, was sie wollen. Ich fühle mich nicht so, als sei ich gebrandmarkt.»

«2018 war ich im System des biologischen Passes der WADA: Fünf Fahrer werden ausgelost, die immer erreichbar sein und den Aufenthaltsort für mögliche Kontrollen mitteilen mussten. Ich wurde dann oft getestet, mindestens drei Mal in Asien, aber auch abseits des Renngeschehens», erzählte Iannone.

Der Italiener will so gesehen werden, wie er eigentlich sei: «Eine ehrliche Person, die immer dafür geradestand, wenn ein Fehler gemacht wurde. Ohne Überheblichkeit.» Zum viel kritisierten Thema Social Media meinte er: «Vielleicht bin ich der Fahrer, der die Social Media am wenigsten verwendet: Sie werden gezielt für Werbezwecke eingesetzt, zu denen ich vertraglich verpflichtet bin.»

Sein Arbeitgeber Aprilia stand dem Werksfahrer in diesen schwierigen Wochen hingegen bei. «Sehr sogar, wie eine Familie. Ich hätte mir nie eine derartige Unterstützung erwartet, das ist für mich genauso wichtig wie ein Sieg», zeigte sich der 30-Jährige dankbar. Ob der Hersteller aus Noale auch im Falle einer monatelangen Sperre zu ihm hält, darf bezweifelt werden. «Ich spüre Vertrauen, den Rest kann ich nicht wissen», gab sich auch der 13-fache GP-Sieger zurückhaltend.

Wenn beim Shakedown-Test in Sepang die neue RS-GP Anfang Februar ihr Debüt gibt, möchte Iannone natürlich nicht zu Hause sitzen. «Ich möchte dort sein, aber es ist trotzdem wichtig, dass man versteht, wie das neue Motorrad funktioniert.»

Was erwartet sich Iannone für 2020? «Positive Dinge, es ist ein radikal neues Projekt, das Hoffnungen weckt. Aprilia arbeitet hart. Ich bin neugierig darauf, das Motorrad auszuprobieren. Ich habe einige Teile gesehen und mir wurde gesagt, dass einige Parameter schon jetzt interessant sind.»

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