MotoGP

Cal Crutchlow: Die beste Saison und dann Rücktritt?

Von Günther Wiesinger - 17.01.2020 10:09

Der WM-Neunte Cal Crutchlow (34) redet seit dem Silverstone-GP 2018 vom Aufhören. Aber vorher hat er ein klares Ziel: Die MotoGP-Saison 2020 soll seine beste werden.

«Es ist unumgänglich, dass die alte Generation irgendwann aufhören wird», sagt Cal Crutchlow. «Ich weiß nicht, was die Leute denken. Vielleicht werden ja nach der MotoGP-Saison 2020 noch andere Fahrer zurücktreten. Dann stehe ich im Schatten, keiner schert sich um mich… Und ich kann in einem Jahr heimlich aus dem Fahrerlager verschwinden. Komischerweise bin ch bin der einzige, der offen über seinen möglichen Rücktritt per Saisonende spricht. Ich werde auf jeden Fall zu einem gewissen Zeitpunkt aufhören. Ich fahre nicht spazieren und denke nur noch über meinen Rücktritt nach. So läuft es nicht bei mir. Ich befasse mich sogar intensiv mit der Idee: 'Wie kann ich 2020 zu meinem besten Jahr in der MotoGP-Weltmeisterschaft machen?' Ich habe nicht die Absicht, in meiner möglicherweise letzten Saison einfach langsam im Kreis zu fahren. Ich bin überzeugt, ich könnte noch drei oder vier Jahre weitermachen, wenn ich möchte. Aber ich möchte nicht zwei Jahre lang hinten rumfahren und einfach meine Gage abkassieren.»

«Ich fahre jetzt seit bald 20 Jahren Motorradrennen», ergänzte Crutchlow. «Zu einem gewissen Zeitpunkt geht alles langsamer vor sich. Ich sehe das bei mir in den Quali-Runden. Ich bin jetzt das Gegenteil von dem, was ich gewesen bin. Früher war ich im Quali oft extrem schnell, aber im Rennen nicht ganz auf diesem Level. Jetzt ist das Gegenteil der Fall. Ich fühle mich jetzt wie ein Diesel-Motor, ich verbrenne die Energie langsamer, ich muss mich immer zuerst warmfahren… Es fehlt oft die Spritzigkeit der ganz jungen Fahrer.»

Cal weiter: «Bei den Fußballspielern ist es in meinem Alter nicht anders. Also noch einmal: Alle reden über meinen Rücktritt. Aber das ist nicht verwunderlich. Mit bald 34 Jahren ist das Realität. Er wird irgendwann fällig. Zu einem gewissen Zeitpunkt willst du gewisse Dinge nicht mehr auf dich nehmen. Dein Leben verändert sich, die Prioritäten verschieben sich plötzlich. Du willst ja nicht ständig langsamer werden. Ich will ja vorne mitfahren. Vielleicht haben gewisse Kollegen für meine Überlegungen kein Verständnis. Das sind Leute, die vielleicht seit zehn Jahren nicht mehr an der Spitze mitmischen. Ich habe in der MotoGP viel Spaß und Freude gehabt. Vielleicht habe ich nicht alle meine Ziele erreicht. Aber ich habe immer mein Bestes gegeben. Ich würde in einem Zustand des kompletten Glücks zurücktreten, weil ich auf eine anständige Karriere zurückblicken kann. Ich habe Freude daran gehabt. Das ist ja eigentlich der Grund, warum wir diesen Job ausüben.»

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