Was Marc Márquez (Honda) auf der Bremse stark macht

Von Mario Furli
MotoGP
Weltmeister Marc Márquez (Honda) wird von seinen MotoGP-Kollegen besonders für seine Bremskünste geschätzt. Aber auch Routinier Valentino Rossi (Yamaha) arbeitet daran, noch besser zu werden.

Wie wichtig der Bremsvorgang in der MotoGP-WM ist, zeigte zuletzt auch die Tatsache, dass der neunfache Weltmeister Valentino Rossi in seinem 20. Jahr in der Königsklasse mit einer neuen Technik experimentierte: Der Yamaha-Star versuchte beim Motegi-GP im vergangenen Oktober erstmals, die Vorderradbremse mit zwei Fingern zu betätigen. Zuvor hatte er drei Finger genutzt.

«Es sieht so aus, als hätte sich in letzter Zeit die Art, wie man mit diesen Motorrädern bremst, verändert – deshalb haben wir einige Dinge probiert, darunter die Zwei-Finger-Technik. Ich denke, ich werde es weiter damit versuchen», erklärte der «Doctor».

Dabei haben viele seiner MotoGP-Kollegen Rossi ohnehin ganz oben auf der Liste, wenn es um den stärksten Fahrer auf der Bremse geht. «Valentino ist der, der in dem Moment nie zurücksteckt», antwortete etwa Johann Zarco auf die Frage von «motogp.com». Fabio Quartararo sah es ähnlich: «Valentino – es ist ziemlich logisch, ihn zu nennen. Ich habe da einige Erinnerungen an ihn.» Auch Hafizh Syahrin stimmte für den Italiener. «Weil er viel Erfahrung hat und man im Rennen sieht, dass er viele Fahrer auf der Bremse überholt», ergänzte der Malaysier.

Alex Crivillé zeigte sich unentschlossen: «Ich weiß nicht, Marc Márquez oder Valentino Rossi. Ich habe in der 500er-Klasse ein paar Mal mit ihm gekämpft und es hat mich überrascht, wie spät er bremsen kann», verwies der erste spanischer 500er-Weltmeister auf den 40-jährigen Rossi. Ähnlich ging es Max Biaggi: «Vor einer Weile war es Alex Barros, der hat wie verrückt gebremst. Jetzt gehört Marc Márquez zu den Besten – und Rossi auch.»

Aleix Espargaró war sich hingegen ziemlich sicher: «Ich würde sagen, Márquez ist einer der Stärksten. Ich glaube, dass ich auf der Bremse auch wirklich gut bin. Aber Marc ist besser, vor allem am Samstag in den Qualifyings ist es unglaublich, wie spät er bremsen kann.»

«Marc Márquez ist der Beste», bestätigte Takaaki Nakagami – und Franco Morbidelli, Alberto Puig und Jack Miller schlossen sich ihm an. Randy Mamola hatte die passende Erklärung dafür parat: «Das liegt daran, dass er ein Talent für das hat, was wir ‚scrubbing up speed‘ nennen: Wenn man sieht, wie Marc in eine Kurve einbiegt, schafft er es, die Honda in eine seitliche Position zu bringen, wodurch das Motorrad schneller abbremst. Wie er es macht, ist einfach Marc-Style – und es ist großartig anzuschauen.»

Wie der Repsol-Honda-Star die Vorderradbremse betätigt, ist ebenfalls einzigartig: Früher bremste er noch mit vier Fingern, seit er in der Königsklasse der Motorrad-WM antritt, hat sich der inzwischen sechsfache MotoGP-Champion das «one finger braking» von Casey Stoner zu eigen gemacht – mit dem Unterschied, dass Marc zum Betätigen der Vorderradbremse den Zeigefinger und nicht den Mittelfinger verwendet.

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