Coronakrise: Auch der amerikanische Motorsport leidet

Von Mathias Brunner
MotoGP
COTA: Die MotoGP-WM soll im November in Texas gastieren

COTA: Die MotoGP-WM soll im November in Texas gastieren

Die Lage in Amerika ist besorgniserregend. Formel-1-Journalist Dan Knutson meint dazu: «Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass die Menschen Covid-19 nicht ernst genommen haben.»

Eigentlich hätte die Motorrad-WM vom 3. bis 5. April auf dem «Circuit of the Americas» in Austin den dritten Grand Prix des Jahres austragen sollen. Stattdessen hat der Coronavirus die Welt fest in der Hand und die MotoGP-Klasse wird bestenfalls im Juni in die Saison 2020 starten.

Wer die Entwicklung in Sachen Corona verfolgt, hat in den vergangenen Tagen einen Trend erkannt – es gibt erschreckend mehr Krankheitsfälle in den USA. Die Amerikaner haben in der Statistik mit der höchsten Anzahl an infizierten Personen schon am Mittwoch Platz 1 übernommen – 76.075 Menschen sind derzeit positiv getestet. An zweiter Stelle liegt Italien (62.013) vor Spanien (45.037).

Vor kurzem hat der US-amerikanische Rennsportjournalist Lewis Franck angeprangert: «2018 hat die heutige Regierung dem nationalen Gesundheitswesen weiter die Flügel gestutzt, und so wie es aussieht, soll das Budget 2021 um weitere neun Prozent gekürzt werden. Die Regierung hat viel zu lange die Ernsthaftigkeit von Corona verleugnet, nun haben wir beispielsweise die Situation, dass Lokalbehörden sich schwertun, notwendiges Schutzmaterial zu beschaffen. Es gibt keinen landesweiten Plan, dieses Material zu verteilen.»

Ein Problem stellt auch Francks Landsmann Dan Knutson fest, der seit den 1980er Jahren fester Bestandteil des Formel-1-Fahrerlagers ist. Der Journalist sagt: «Jeder Bundesstaat ist in einer anderen Lage. Ich beispielsweise lebe in Minnesota. Hier gibt es keine Ausgangsbeschränkungen wie etwa in Kalifornien oder New York. Die Restaurants und gewisse Läden allerdings sind geschlossen. Die Leute sind aufgefordert, wenn möglich zuhause zu bleiben und auch dort zu arbeiten. Aber es gibt bei uns keine Ausgangssperre.»

Die Zahlen aus den USA zeigen, wie unterschiedlich sich die Lage präsentiert: Im Bundesstaat New York sind 37.258 Menschen erkrankt. Covid-19 hat dort bereits 385 Todesopfer gefordert. In Minnesota sind 346 Menschen erkrankt, zwei Patienten sind verstorben.

Dan Knutson weiter: «Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass die Menschen die Krankheit nicht ernst genommen haben. Schlimmer noch – viele tun das heute noch nicht. In Amerika wird bei Entscheidungen im Kampf gegen Corona viel zu sehr gezögert. Da werden politische Partei-Spielchen veranstaltet, statt dass sich die Politiker um das Wohl der Allgemeinheit kümmern.»

«Das Krankheitswesen hält dem Druck insgesamt stand, aber in einigen Bundesstaaten wird die Situation kritisch. Wir hätten uns ein Beispiel an China nehmen sollen. China hat bewiesen, dass Ausgangssperren ein wirksames Mittel sind, um die Verbreitung des Virus auf weitere Teile des Landes zu verlangsamen oder gar zu verhindern. Davon war bei uns viel zu lange nichts zu sehen.»

«Ich schätze, mir geht es gleich wie Millionen von Menschen: Ich bin es gewohnt, mich frei bewegen zu können, mehr noch – als Formel-1-Journalist bin ich ständig auf Achse, das ist alles weg. Ich befinde mich in einer Art Halbisolation. Positiv ist dabei nur, dass meine Familie und meine Freunde gesund sind. Ich will den vielen Menschen gegenüber nicht zynisch klingen, die auf der ganzen Welt krank werden, die sterben, die so viel Leid ertragen müssen, aber zuhause festzusitzen, das finde ich persönlich am schlimmsten in dieser ganzen Krise.»

Wie geht das alles gemäss Dan Knutson in den USA weiter? «Ich fürchte, bevor es besser wird, da wird alles noch viel schlimmer. Auch der amerikanische Motorsport leidet sehr. Die grossen Serien wie NASCAR oder IndyCar stehen still. Ob die vielen kleinen Rennstrecken im ganzen Land noch in Betrieb sind, bezweifle ich. Finanziell wird das für den ganzen US-amerikanischen Motorsport übel, ganz übel.»

Auch die Supercross-WM wurde nach zehn Kräftemessen unterbrochen, die finalen Rennen sollen aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Wann und wie das funktionieren soll, ist noch völlig unklar.

Das Daytona 200 in Florida wurde im letzten Moment abgesagt und soll nun im Oktober stattfinden. Die Motorrad-WM in Austin/Texas steht vom 13. bis 15. November im bereits mehrfach überarbeiteten Terminkalender.

Der aktuelle Motorrad-GP-Kalender 2020

08. März: Doha/Q (ohne MotoGP)
17. Mai: Le Mans/F
31. Mai: Mugello/I
07. Juni: Barcelona/E
21. Juni: Sachsenring/D
28. Juni: Assen/NL
12. Juli: KymiRing/SF
09. August: Brünn/CZ
16. August: Red Bull Ring/A
30. August: Silverstone/GB
13. September: Misano/I
27. September: Aragón/E
04. Oktober: Buriram/TH
18. Oktober: Motegi/J
25. Oktober: Phillip Island/AUS
01. November: Sepang/MAL
15. November: Texas/USA
22. November: Las Termas/AR
29. November: Valencia/E

Ohne Datum: Jerez/E

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