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Der Virus in Kanada: Keine Rennen bis zum Sommer?

Als in Kanada lebender Deutscher bin ich gespannt auf die Auswirkungen der Coronakrise in meiner Wahlheimat. Ich fürchte, wir bekommen die volle Wucht der Infektionen verspätet ab.

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Als die Sektgläser in der Silvesternacht 2019 klangen, wurde in Wuhan, einer der größten Metropolen in China, ein Virus erkannt, der unsere Welt verändern wird. Am 25. Januar 2020 reiste ein 50-jähriger Kanadier aus Wuhan nach Toronto und importierte den Virus. Am 27. Januar stand es dann fest: Der erste positive COVID-19 Fall in Kanada. Einen Tag später auch wurde die Frau des Mannes positiv auf den Virus getestet.

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Kanada ist ein multikulturelles Land mit vielen Anwohnern, die miteinander friedlich leben und gleichzeitig auch einen Pass anderer Länder besitzen. Ich bin da ein Beispiel, denn ich lebe seit 1991 in Kanada und mit meiner Heimat Deutschland durch meinen Pass trotzdem sehr eng verbunden.

Seit dem 25. Januar sind die COVID-19-Fälle nun in allen Provinzen Kanadas aufgetaucht. In British Columbia traten die ersten Fälle durch eine Reisegruppe zutage, welche von einer Kreuzfahrt zurückkehrten. Der erste Fall in Alberta entstand durch einen Kontakt mit einer Person von dieser Reisegruppe. Und ging es so weiter.

Viele der kanadischen Fälle sind durch Rückkehrer aus China, Iran und Europa importiert worden. Die Grenzen wurden erst verspätet geschlossen.

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Mehr als 120.000 COVID-19-Tests sind in Kanada durchgeführt worden, mit fast 2500 positiven Ergebnissen nach heutigem Stand. Kanada hat 38 Millionen Einwohner, die wiederum sehr stark in den vier größten Metropolen wie Toronto (6 Millionen), Montreal (4.2 Millionen), Vancouver (2.5 Millionen) und Calgary (1,6 Millionen) konzentriert sind.

Toronto allein ist für 25 Prozent des kanadischen Bruttoinlandproduktes verantwortlich. Dass der Ölpreis stark gefallen ist, wäre allein schon Grund genug, um Kanada als fünftgrößten Ölproduzenten der Welt in eine Krise zu stürzen. Die Auswirkungen des COVID-19-Virus und des gleichzeitig gesunkenen Ölpreises werfen Kanada in eine tiefe und anhaltende Krise.

Die Kanadier, anders als die Einwohner beim großen Nachbarn im Süden, nahmen die COVID-19-Bedrohung sehr ernst. Sicher haben die Bilder aus Italien, Soanien, Frankreich und auch Deutschland, die hiesigen Politiker in Angst und Schrecken versetzt. Als dann auch noch die Ehefrau des populären kanadischen Premierinisters Justin Trudeau positiv auf den Coronavirus getestet wurde, war die Wachsamkeit der kanadischen Bevölkerung endgültig geweckt.

Die größte Motorsport-Veranstaltung in Kanada ist das Formel-1-Rennen in Montreal im Juni. Im Moment gehen manche Optimisten noch davon aus, dass die Formel-1-Saison im Juni begonnen werden kann. Das ist aber aus meiner Sicht noch fraglich.

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Ich habe mir im Gegensatz zu den Vorjahren bisher kein Ticket für den F1-GP gekauft,

Es ist nämlich vorstellbar, dass die COVID-19-Pandemie hier in Nordamerika gerade erst volle Segel bekommt, wenn man in Europa möglicherweise den Zenit bereits überschritten hat.

Wenn das so wäre, würde ich mir keine Karten für das Rennen im Juni (wie jedes Jahr üblich) kaufen. Eine Absage dieses Mega-Events wäre ein großer Verlust für die Stadt Montreal und die Provinz Quebec.

Die Provinzen – wie auch die Bundesländer in Deutschland – haben viel Kontrolle und sind für das Gesundheitswesen verantwortlich. Darum wurde dort auch der Notstand ausgerufen, wodurch das öffentliche Leben sehr stark beeinträchtigt wird. Nur noch lebenswichtige Gewerbebetriebe dürfen jetzt weiter offen bleiben. Die Einwohner werden dringend gebeten, sich daheim zu isolieren. Es gibt keine totalen Ausgangssperren, jedenfalls bisher nicht.

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Die Kanadische Superbike-Saison soll am 21. Mai in Ontario beginnen. In diesem Jahr soll zum ersten Mal auch eine kleine 300-ccm-Rennserie für Profis und Amateur-Piloten stattfinden.

Im Moment gibt es noch grünes Licht, aber die namhaften Sponsoren werden sicher in der momentanen Konjunktur Probleme haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Man wird gewiss Abstriche machen müssen. Ich kann mir auch eine komplette Streichung der sechs Rennen vorstellen.

Der wirtschaftlichen Auswirkungen des Viruses werden uns sicherlich für einige Jahre noch im Nacken liegen.

Das INDYCAR-Rennen in Toronto ist für den 18. Juli anberaumt und vom Datum her weit genug entfernt, um stattfinden zu können, wenn die Kurve der Infizierten bis dahin deutlich abflacht. Ob es ordentlich finanziert werden kann, ist fraglich. Aber vielleicht kann der Event mit öffentlichen Mitteln gerettet werden, um den Fortbestand dieser für das Publikum und den Tourismus wertvollen Veranstaltungen gewährleisten zu können.

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Ich bin aber im Moment der Meinung, dass sich der Motorsportfan in Kanada darauf einstellen sollte, das es bis zum späten Sommer hierzulande keine Rennsportveranstaltungen geben wird.

Wir liegen einfach zu weit hinter der europäischen Infektionskurve, und unser Nachbar im Süden nimmt die Situation einfach nicht ernst genug, zumindest in der Hauptstadt Washington, DC.

Ich selbst wollte in diesem Jahr acht MotoGP-Events auf der ganzen Welt besuchen, auch im Auftrag von SPEEDWEEK.com. Auf meiner Liste standen die Grand Prix in Austin (wie jedes Jahr), Termas de Río Hondo, Le Mans, auf dem Sachsenring (wie 2018), Brünn, Spielberg, Aragón, und Valencia.

Jedenfalls war die Vorfreude auf das erste Rennen in Austin/Texas (5. April) bei mir vor zwei, drei Wochen noch grösser als je bevor.

Aber dieser Event ist längst auf November verschoben worden.

Wie so viele Menschen in der Motorsport-Szene bin ich gespannt, wann die Saison wirklich losgehen wird.

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