Óscar Haro (LCR): «Niemand sollte allein sterben»

Von Mario Furli
MotoGP
Óscar Haro ist seit vielen Jahren für das MotoGP-Team LCR Honda im Einsatz

Óscar Haro ist seit vielen Jahren für das MotoGP-Team LCR Honda im Einsatz

LCR-Sportdirektor Óscar Haro verlor seinen Vater, der an einer Coronavirus-Infektion gestorben ist. Der Spanier findet deutliche und emotionale Worte zur traurigen Lage in seiner Heimat.

Mehr als 3400 Menschen sind in Spanien bereits im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, auch Mitglieder des MotoGP-Fahrerlagers haben schon Familienmitglieder verloren. Der langjährige Teamkoordinator und Sportdirektor von LCR Honda, Óscar Haro, beklagt den Verlust seines Vaters, der in der vergangenen Woche an Covid-19 verstorben ist. Seiner Trauer und seiner Wut verlieh er auf den sozialen Netzwerken Ausdruck. Es sind emotionale und teils harte Worte, mit denen der Spanier seine Landsleute aufwecken und zu verantwortungsvollem Handeln aufrufen will.

«Niemand sollte allein sterben», bekräftigte Haro. «Mein Vater hat schon mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten, bis er 65 Jahre alt war. Er hat nie um etwas gebeten. Am vergangenen Mittwoch brauchte er eine Beatmungsgerät, um nicht zu sterben, und wurde ‚abgelehnt‘. Sein Arzt rief mich unter Tränen an und bat mich um Erlaubnis, ihn sterben zu lassen. Das ist das Spanien, in dem wir leben. Die Generation, die dieses Land in der Nachkriegszeit aufgebaut hat und 14 Stunden am Tag gearbeitet hat. Und wir lassen sie sterben. Meine Mutter ist immer noch zu Hause eingesperrt, ich darf sie nicht umarmen, küssen oder trösten. Auch sie wurde positiv getestet und will nicht ins Krankenhaus zurück, weil sie befürchtet, dass sie auch sie sterben lassen werden.»

«Was passiert mit uns? Wer regiert uns?», klagte Haro an und schilderte, wie er seine Eltern in die Notaufnahme bringen musste, weil keine Krankenwagen zur Verfügung standen. «Ich hoffe nur, dass keine Menschen mehr sterben und dass niemand das erleiden muss, was ich erlebt habe, und dass es in all dem ein Vorher und Nachher gibt. Wir haben das beste Land der Welt und wir lassen es sterben. Ich möchte keine Schuldigen finden, wir alle wissen, was wir tun. Ich möchte nur, dass meine Tochter in einem Land aufwächst, das die Werte vermittelt, wie sie jene Menschen, die wir sterben lassen, gelebt haben ... Viel Kraft an alle und verlasst das Haus nicht.»

Seine kleine Tochter sieht der Spanier seit Tagen nicht, aus Angst davor, dass auch sie am Coronavirus erkranken könnte.

Der LCR-Sportdirektor wandte sich noch mit einem deutlichen Aufruf an seine Mitbürger: «Es ist an der Zeit, gemeinsam zu kämpfen und dieses Land wieder flottzumachen. Und wer es versenken will, den laden wir herzlich dazu ein, zu gehen.»

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