Übersee-GP: Trostloser Flugverkehr in Corona-Zeiten

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Das Fliegen wird in absehbarer Zeit nicht übertrieben viel Spaß machen

Das Fliegen wird in absehbarer Zeit nicht übertrieben viel Spaß machen

Vielleicht findet in der Saison 2020 kein Übersee-GP statt. Wenn man sich die neuen Zustände in den Passagierflugzeugen vor Augen hält, wird das kaum jemand bedauern.

«Wir müssen uns jetzt Gedanken über Einsparungen machen, damit wir im Herbst die ganze Reihe der Übersee-GP noch finanzieren können, obwohl wir 2020 insgesamt weniger Geld als üblich zur Verfügung haben werden», erklärte KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer Mitte März gegenüber SPEEDWEEK.com. Seine Besorgnis war verständlich: Denn die Übersee-GP von Thailand, USA und Argentinien waren damals schon vom März und April in den Oktober und November verlegt worden. Es musste also mit sieben Übersee-Events in zehn Wochen gerechnet werden.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass 2020 vielleicht gar kein Übersee-MotoGP-Event stattfinden wird, im besten Fall noch in Thailand und Malaysia, wie von den Funktionären und Teams zu hören ist.

Und da wir täglich in den Nachrichten sehen und hören, wie weltweit eine Fluglinie nach der andern Pleite macht, Tausende Mitarbeiter entlässt, die ganze Flotte gegroundet und Kurzarbeit beantragt hat und dazu um Staatshilfen ansucht, haben die 42 GP-Teams weitere Gründe, bei einem Nichtzustandekommen von Übersee-Rennen nicht beleidigt zu sein.

Der Flugverkehr wird sich sowieso in Zukunft ganz anders gestalten als bisher. Die Luftfahrt-Industrie kämpft wegen der Krise um ihre Existenz; der ganze Tourismussektor wird wegen der Covid-19-Seuche weltweit bis zu 400 Milliarden Euro an Umsatzeinbussen hinnehmen müssen. Allein die Lufthansa hat 10 Milliarden Staatsbeihilfe angesucht. Ihre Töchter SWISS (sie beansprucht 1,275 Milliarden Franken und will trotzdem bis zu 1900 der 9500 Arbeitsstellen streichen) und AUA haben in der Schweiz und in Österreich ebenfalls Begehrlichkeiten angemeldet.

Inzwischen berichten Passagiere und Airline-Manager, wie sich die Luftfahrten auf die neue Situation durch die Covid-19-Seuche einstellt. Die Passagiere müssen verpflichtend Atemschutzmasken und teilweise Einweg-Handschuhe tragen. In Asien, wo mehr geflogen wir als in Europa, wird die Körpertemperatur auf manchen Flughäfen bei jedem Passagier mit einer Wärmebildkamera dreimal gemessen. Vor dem Check-in, in der Abflughalle und vor dem Einsteigen am Gate. Wer Fieber hat, dem wird das Boarding untersagt.

Manche Airlines wie Emirates zwingen die Passagiere sogar zu Bluttests, die binnen fünf Minuten ausgewertet werden.

In der Economy werden teilweise neue Dreiersitzreihen getestet, bei denen der mittlere Sitz zwecks «Social Distancing» gegen die Fahrtrichtung befestigt wird, um eine Tröpfcheninfektion zu verhindern, auch mit Plexiglasscheiben zwischen den Sitzen wird experimentiert. Es soll eine maximale Isolation zwischen nebeneinander sitzenden Passagieren erzielt werden. Deshalb wird auch eine größere Distanz von einer Sitzreihe zur nächsten überlegt, es müssten aber alle Flugzeuge aufwändig umgebaut werden. Die deutschen Airlines Lufthansa und Eurowings blockieren seit 27. März alle Mittelplätze von Dreierreihen, damit die Passagiere keine direkten Sitznachbarn haben.

Das bedeutet: Die Ticketpreise werden steigen, trotz niedriger Kerosinpreise, weil die Flugzeuge nicht mehr bis zum letzten Platz gefüllt werden können.

Ein Airbus A320 von American Airlines (Economy, Kurzstrecke) hat zum Beispiel in der Hauptkabine 120 Standardsitze, die Beinfreiheit beträgt 76 Zentimeter, der Abstand zwischen zwei Armlehnen 42 bis 45 Zentimeter. Die Fluggesellschaften werden in Zukunft dazu genötigt sein, ihre Maschinen im Sinne des Infektionsschutzes umzubauen und Sitzplätze oder Sitzreihen einzusparen.

Aus Hygienegründen werden momentan meist keine Zeitungen und Magazine mehr verteilt. Das Essen wird vielfach in abgepackten Boxen wie beim Take Away verabreicht, die Flight Attendants (teilweise tragen sie Einwegschutzkittel und Plastikvisiere) versuchen, die Abstandsregeln einzuhalten. Die meisten Airlines erlauben auch das Mitführen von Handgepäck nicht mehr. Aus Gründen der Hygiene.

Aus Wien ist zwar zum Beispiel die ungarische Billigfluglinie WizzAir am Freitag wieder Richtung Lissabon und Dortmund gestartet. Auch WizzAir lässt momentan den Mittelsitz frei, dadurch fällt ein Drittel der 180 Plätze in einem Airbus A320 weg. EasyJet plant eine ähnliche Maßnahme.

Die Airline-Experten rechnen damit, dass die Passagierzahlen und Flugbewegungen erst 2023 wieder auf den Stand vor der Coronakrise zurückkehren werden. Bis zum Jahresende wird die Anzahl der Flüge im Vergleich zum Januar oder Februar 2020 höchstens auf 50 Prozent hochgefahren.

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