Jarvis: Warum der Rossi-Rücktritt noch warten soll

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Lin Jarvis im Gespräch mit Valentino Rossi

Lin Jarvis im Gespräch mit Valentino Rossi

Hängt MotoGP-Superstar Valentino Rossi (41) nach 2020 noch eine 26. Saison in der Motorrad-WM an? Wie Yamaha-Renndirektor Lin Jarvis die Situation des neunfachen Weltmeisters einschätzt.

Valentino Rossi wollte in dieser Saison bis Ende Juni entscheiden, ob er 2021 noch eine MotoGP-Saison anhängt oder nicht. Da er diese Frage im Winter offen ließ, hat Yamaha Motor Racing den Vertrag von Maverick Viñales verlängert und außerdem Fabio Quartararo für 2021 als dessen Teamkollegen engagiert. Rossi wurde aber ein Werksvertrag im Petronas-Yamaha-Kundenteam für das kommende Jahr in Aussicht gestellt. Er würde dort identisches Material wie das Monster-Yamaha-Werksteam erhalten.

Doch die Situation hat sich durch die Coronaviruskrise nachhaltig verändert. Lin Jarvis, Managing Director von Yamaha Motor Racing, kann jetzt nicht sechs bis acht Rennen abwarten, bis sich der 41-jährige Superstar entscheidet. Jarvis arbeitet seit 2004 (mit zwei Jahren Unterbrechung in Rossis Ducati-Jahren 2011 und 2012) mit dem neunfachen Weltmeister zusammen. Trotzdem kann der im italienischen Piemont lebende Engländer nicht abschätzen, wie sich Rossi entscheiden wird.

Valentino Rossi könnte jetzt in der Zwangspause seine Batterien aufladen und 2021 mit frischer Energie in seine womöglich letzte Saison starten.

«2020 wäre für Valentino ein wichtiges Jahr geworden», weiß Jarvis. «Er wollte überlegen, ob er weiterfahren soll oder nicht. Wir waren übereingekommen, dass er uns seine Entscheidung bis Ende Juni mitteilt. Aber er hätte sich eventuell schon früher entscheiden können, zum Beispiel nach fünf oder sechs Rennen. Ich dachte, vielleicht teilt er uns bereits nach dem Mugello-GP mit, ob wir weiter mit ihm rechnen dürfen.»

«Da die Fahrer für unser Factory Team für 2021 schon feststehen, gab es klarerweise nur einen Platz für Valentino, der in Frage kam, das war im Petronas-Team», hält Jarvis fest. «Aber das muss dann noch im Detail mit dem Team und deren Sponsoren besprochen werden, denn es geht auch um die Zusammenstellung der Technik-Crew. Doch dieser Original-Plan hat sich inzwischen völlig in Luft aufgelöst. Wenn Valentino also jetzt darauf beharrt, fünf oder sechs Rennen zu bestreiten, bevor er eine Entscheidung über die Fortsetzung seiner Laufbahn trifft, dann wäre das für uns viel zu spät. Deshalb wird Valentino seine Entscheidung treffen, ob er weitermacht oder nicht, ohne ein Rennen bestritten zu haben.»

«Ich kann diese Entscheidung nicht vorwegnehmen. Ich kann nur meine persönlichen Gedanken dazu äußern», sagte Jarvis im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com. «Ich hoffe, dass er sich zum Weiterfahren entschließt. Denn ich glaube, dieses Jahr mit dem Covid-19-Problem wäre nicht der richtige Zeitpunkt für das Ende einer so legendären Sportlerlaufbahn. Denn im Worst-Case-Szenario erleben wir in diesem Jahr kein einziges Rennen. Wie tragisch wäre das, wenn die letzte Wettbewerbsaison eines so ikonenhaften Sportmanns einfach ausfallen würde? Ich glaube, dass sich Valentino ähnlich fühlt und deshalb den Wunsch äußern wird, noch ein Jahr weiterzufahren. Aber die Entscheidung liegt bei ihm. ‚It’s his call‘. Denn es ist sein Leben.»

Bleibt die Entscheidungsfrist für Rossi per Ende Juni aufrecht? Oder zeigt sich Lin Jarvis gegenüber dem 115-fachen GP-Sieger beim Zeitplan angesichts der ungewöhnlichen Umstände kompromissbereit?

Jarvis: «Weder Valentino noch wir können die ersten Rennen abwarten und nachher entscheiden. Es gibt keine vetragliche Deadline. Wir haben uns im Winter mündlich auf Ende Juni verständigt. Aber ich vermute, das Timing wird sich nicht stark ändern. Außerdem hat Valentino inzwischen viel Zeit, um über sein Leben und seine Zukunft nachzudenken.»

Rossi selbst bestätigte zuletzt bei «BT Sport», dass die Entscheidung «sehr bald» fallen werde, und er dachte laut darüber nach, dass ihm das Aufhören ohne Fans vielleicht sogar leichter fallen könnte. Gleichzeitig betonte er aber auch: «Der Tag, an dem ich aufhöre, wird ein sehr, sehr trauriger für mich werden.»

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