Andrea Dovizioso und Ducati: Spiel auf Zeit?

Von Mario Furli
MotoGP
Wie geht es zwischen Ducati und Andrea Dovizioso weiter?

Wie geht es zwischen Ducati und Andrea Dovizioso weiter?

«Ducati will lieber abwarten», meint Dovizioso-Manager Simone Battistella zu den zähen Vertragsverhandlungen. Im Gegenzug könne aber auch der dreifache MotoGP-Vizeweltmeister ein Jahr Pause einlegen.

Ein MotoGP-Werksteam nach dem anderen legte in den vergangenen Monaten und Wochen die Karten für 2021 auf den Tisch. Nur Aprilia wartet noch das Urteil des TAS im Dopingfall Andrea Iannone ab, ehe der zweite Stammfahrer neben Aleix Espargaró verpflichtet wird – und bei Ducati erweist sich nach der Beförderung von Jack Miller ausgerechnet die Vertragsverlängerung mit dem MotoGP-Vizeweltmeister der vergangenen drei Jahre, Andrea Dovizioso, als zähe Angelegenheit. Nachdem die durch die Coronakrise nötig gewordenen Nachverhandlungen für 2020 abgeschlossen worden, ist ein Durchbruch für 2021 noch nicht in Sicht.

«Ducati will lieber ein paar Rennen abwarten, bevor sie die Verhandlungen mit Dovizioso beginnen, also werden wir wahrscheinlich bis nach Österreich warten müssen», bestätigte Simone Battistella, der Manager des 34-jährigen Italieners, im spanischen MotoGP-Podcast «Cambia el mapa».

Battistella und Dovizioso hätten sich gesprächsbereit gezeigt, aber: «Die Entscheidung liegt bei Ducati, für Andrea ist es gut zu warten, das ist kein Problem.» Der Manager ergänzte mit Blick auf den straffen Terminkalender der MotoGP-WM 2020 aber auch: «Ich hoffe, dadurch gibt es keine Anspannung, wenn wir auf die Strecke müssen, weil es eine WM-Saison ist, in der wir alle die maximale Performance abrufen müssen.» Vor allem der August sei mit den drei Grand Prix in Folge im Titelkampf besonders wichtig. «Für Ducati und Dovizioso sind die Rennen in Brünn und Österreich entscheidend», betonte er.

Dabei sei die Unterschrift nicht nur eine Frage des Geldes, behauptet Battistella: «Es ist klar, dass es aus finanzieller Sicht ein Übereinkommen geben muss, aber man muss auch sicherstellen, dass beide dasselbe wollen, das ist wichtig. Wenn es irgendwelche Zweifel gibt, dann lässt man es besser bleiben.»

Was also will der dreifache MotoGP-Vizeweltmeister, der 13 seiner 14 MotoGP-Siege auf Ducati feierte? «Der Fahrer will immer ein besseres Motorrad, um zu gewinnen, eine konstante Evolution aller Aspekte. Der Fahrer will immer mehr», schickte sein Manager voraus. «Natürlich will Andrea, dass das Motorrad besser funktioniert, vor allem in gewissen Situationen, wo die Eigenschaften der Strecke und des Motorrads nicht zusammenpassen. Ich glaube, das ist normal und das wird immer passieren, aber ich bin auch der Meinung, dass der Fahrer seine Interpretation des Motorrads verbessern sollte. Das ist eine kleine Kritik an Andrea und den anderen Fahrern.» Denn das Problem sei nie nur das Bike: «Mit Andrea habe ich gesehen, wie sehr ein Fahrer die Performance eines Motorrads verbessern kann.»

Battistella: «Die Kombination Márquez und Honda hat es geschafft, eine Harmonie mit dem Fahrer zu schaffen, die es so bei keinem anderen gibt. Ich weiß nicht, ob es allein der Verdienst von Márquez ist oder wie sehr Honda dazu in der Lage war, den Fahrer zu verstehen. Ich weiß nicht, wer von beiden den besten Job gemacht hat, aber diese Kombination hat den anderen eine neue Herangehensweise gezeigt: Das Motorrad muss die Eigenschaften des Fahrers unterstützen und der Fahrer muss dazu in der Lage sein, das Motorrad auf die beste Art und Weise zu interpretieren. Das sollten auch die anderen anstreben. Das Konzept des Herstellers, der sein Motorrad zum besten von allen machen will, oder des Fahrers, der schneller als alle andern ist, das gibt es nicht mehr. Diese Ansichten sind zu einfach.»

«Dovizioso will ein interessantes Programm und die richtigen Bedingungen, um arbeiten zu können», fuhr Battistella mit Blick auf seinen Schützling fort. «Falls das nicht der Fall ist, wird er das Angebot nicht akzeptieren. Wenn er kein interessantes Angebot erhält, wird er warten, bis eines kommt.»

Bedeutet dies, dass «Dovi» am Ende auch ohne einen Platz im MotoGP-Feld 2021 dastehen kann? «Das kann sein», bestätigte Battistella, der aber auch umgehend klarstellte: «Andrea denkt nicht über einen Rücktritt nach. Er fühlt sich stark und gut. Abgesehen vom Motocross-Unfall ist er in Bestform, körperlich und mental. Aber es stimmt, wenn du kein interessantes Projekt hast, dann hast du auch kein Interesse daran, teilzunehmen. Also wird er warten, bis ein interessantes Projekt kommt.»

Notfalls auch ein Jahr, ließ der Italiener zwischen den Zeilen durchklingen. Allerdings sind etwa die Werksteams von Yamaha, Suzuki und voraussichtlich auch Honda (der Vertrag mit Pol Espargaró wurde noch nicht offiziell bestätigt) bis einschließlich 2022 besetzt.

Die MotoGP-Karriere von Andrea Dovizioso

2008: WM-5. auf SCOT-Honda, 174 Punkte
2009: WM-6. auf Repsol-Honda, 160 Punkte, 1 GP-Sieg
2010: WM-5. auf Repsol-Honda, 206 Punkte
2011: WM-3. auf Repsol-Honda, 228 Punkte
2012: WM-4. auf Tech3-Yamaha, 218 Punkte
2013: WM-8. auf Ducati, 140 Punkte
2014: WM-5. auf Ducati, 187 Punkte
2015: WM-7. auf Ducati, 162 Punkte
2016: WM-5. auf Ducati, 171 Punkte, 1 GP-Sieg
2017: WM-2. auf Ducati, 261 Punkte, 6 GP-Siege
2018: WM-2. auf Ducati, 245 Punkte, 4 GP-Siege
2019: WM-2. auf Ducati, 269 Punkte, 2 GP-Siege

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