Crutchlow im Pech: Dr. Mir hielt es für einen Scherz

Von Nora Lantschner
MotoGP
Licht am Ende des Tunnels für Cal Crutchlow?

Licht am Ende des Tunnels für Cal Crutchlow?

Cal Crutchlow schildert vor dem Catalunya-GP seine unglaubliche Verletzungsmisere und spricht offen über sein Ziel für die MotoGP-Saison 2021: Den zweiten Platz im Aprilia-Werksteam.

«Ich glaube, ich kann fahren», erklärte Cal Crutchlow am Donnerstag vor dem Catalunya-GP. Dabei hatte er sich nach dem Kahnbein-Bruch zum MotoGP-Auftakt und den schweren Nachwirkungen seiner Armpump-OP gestern im Fahrerlager von Montmeló zu allem Überfluss auch noch eine Bänderverletzung am linken Sprunggelenk zugezogen.

Tatsächlich bekam der LCR-Fahrer auch das grüne Licht der Rennärzte, um sich am Freitag auf seine Honda zu schwingen, nachdem er in Misano beide Rennen verpasst hatte.

«Ich bin hier im Paddock gestern vor den versammelten HRC-Technikern hingefallen», kam der 34-jährige Familienvater angesichts der unglaublichen Pechsträhne selbst ins Schmunzeln. «Ich habe am Montag einen PCR-Test gemacht, aber zwei Tage später hatte ich immer noch kein Ergebnis. Also musste ich hier einen weiteren Covid-19-Test machen lassen. Ich ging also zum Test und als ich dann aus dem Office kam, drückte ich gegen die Tür, die null Widerstand leistete. Ich bin also gestolpert und hingefallen, weil die Stufe richtig hoch war. Ich hörte ein Knacken und wusste: Das ist entweder ein Knochen oder sonst etwas. Nach einer Minute bin ich aufgestanden und fing an zu gehen, aber die Bänder waren arg in Mitleidenschaft gezogen.»

«Ich bin dann wieder zum Auto, weil ich nicht an der Strecke sein durfte, und habe Dr. Mir angerufen. Der fing nur an zu lachen: ‚Du machst einen Scherz!‘ Ich hatte ja schon ein gebrochenes Kahnbein und zwei Operationen am Arm. Ich kam gerade erst von ihm, weil ich den Arm checken ließ – und jetzt komme ich mit einem angeschlagenen Knöchel zurück. Wie ihr euch vorstellen könnte, hielten sie mich für wahnsinnig», erzählte Crutchlow. «Aber ich sah auf meinen Knöchel hinunter und an der Seite war er so groß wie ein Golfball, also musste ich wieder hin. Sie haben dann mit der Nadel das Blut herausgezogen, aber es ging nicht ganz weg.»

Mit Hilfe seines Assistenten Dakota Mamola kurierte sich der Brite aber weiter aus: «Ich habe die Nacht mit einem Eis-Pack auf dem Knöchel verbracht. Ich weiß, was ich zu tun haben, weil ich es schon zwei Monate lang getan habe – damals an meinem anderen Knöchel. Jetzt ist der Knöchel zwar immer noch geschwollen und komplett schwarz, aber nicht einmal mehr ein Viertel von der Größe, die er gestern noch hatte. Ich kann zwar nicht richtig gehen, aber ich kann fahren und ich fühle mich viel besser. Das haben wir mit meiner Krankenschwester Dako gut hinbekommen.»

Ein Taping und ein paar geborgte Stiefel sollen am Freitag den Rest erledigen. «Denn meine sind nicht groß genug», ergänzte Cal trocken. «Mal schauen, was auf der Seite vom Stiefel stehen wird: Die 42 von Rins oder die 20 von Fabio. Die von Taka passen wohl nicht so gut, vielleicht Peccos. Wer auch immer es wird, er wird mir eine Gebühr zahlen müssen, weil ich Werbung für sein Logo mache.»

Besuch beim plastischen Chirurgen

Wie steht es eigentlich um den rechten Arm von Crutchlow? «Wie ihr wisst, habe ich Misano verlassen, weil sich die Wunde am Arm einfach nicht schloss. Ich wollte nicht fahren, die Ärzte wollten nicht, dass ich fahre – mit dem offenen Arm, der immer dicker und dicker wurde. Lucio [Cecchinello] war der Einzige, der wollte, dass ich fahre. Die Wahrheit ist aber, dass es nicht sein Arm ist und auch nicht wirklich seine Entscheidung. Es war die Entscheidung der Ärzte und von mir. Ich brauchte Zeit, denn es war offensichtlich, dass der Arm nicht verheilte.»

Trotz hyperbarer Sauerstofftherapie habe sich die Situation zu Hause aber nicht gebessert, erzählte Cal. Ganz im Gegenteil: «Die Wunde hat sich sogar noch weiter geöffnet, schließlich waren es zwei Löcher und dazwischen war nur noch ein bisschen Haut, die aber auch aufgerissen wäre… Ich ging also zum Orthopäden, der mich an einen plastischen Chirurgen verwies. Der hat das am vergangenen Freitag dann von innen zugenäht. Und ganz ehrlich: Der Arm ist unglaublich, die Wunde ist zu und sauber. Er hat einen fantastischen Job gemacht. Ich hatte aber noch die Flüssigkeit im Arm, und die wurde gestern bei Dr. Mir entfernt.»

Bleibt die Frage, ob der Arm auch unter der Belastung eines MotoGP-Bikes keine Sorgen mehr bereitet: «Ich habe keine Ahnung, wie es sein wird, wenn ich wieder Motorrad fahre. Aber wenigstens funktioniert mein Arm noch – und es kam zu keiner Entzündung, was das Wichtigste war.»

Aprilia-Werksplatz als Wunschziel

Dass sein Körper ihm angesichts der Verletzungsmisere etwas mitteilen möchte, hält der Brite für Schwachsinn: «Ich glaube nicht an so einen Scheiß. Ich glaube an harte Arbeit und Hingabe. Wenn ich gefragt werde: ‚Versucht dein Körper dir vielleicht zu sagen, dass du aufhören sollst?‘ Dann sehe ich es nicht so. Ich sehe, dass du das zurückbekommst, was du hineinsteckst. Im Moment war das Glück vielleicht nicht auf meiner Seite, aber hoffentlich dreht sich das bald wieder um und ich kann schnell sein. Es kommt so, wie es kommt. Wenn ich konkurrenzfähig sein kann, dann werde ich es tun. Wenn ich den Job bekomme, den ich für nächstes Jahr will, dann habe ich den. Und wenn nicht, dann eben nicht. Das ist das Leben.»

Welchen Job will Crutchlow denn? «Für Aprilia zu fahren, das habe ich schon zu Beginn des Jahres gesagt. Ich glaube, dass der Job zu mir passen würde. Und ich glaube, dass es auch für sie passen würde. Ich glaube, es wäre eine gute Rolle, wo ich konkurrenzfähig sein könnte – und ganz anders zu dem, was ich jetzt mache. Ein neuer Start. Und wann immer ich zu einem neuen Team komme, läuft es wirklich gut.»

Das Problem: «Sie warten auf Andrea Iannone und den Ausgang des Berufungsverfahrens. Das muss man respektieren, es ist ihre Entscheidung. Aber ich würde es gerne tun und ich glaube, dass das Motorrad großes Potenzial hat. Und es wäre gut, das Bike zu entwickeln und das Team, die Fahrer und den Hersteller schneller zu machen.»

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