Formel 1: Ein selten kurioser Unfall

Andrea Dovizioso: Geht er zu Honda, Yamaha oder KTM?

Von Günther Wiesinger
Andrea Dovizioso

Andrea Dovizioso

Andrea Dovizioso kann sich einen Wechsel zu Aprilia nicht vorstellen. Also muss er sich mit einer Testfahrer-Rolle anfreunden. Er rechnet sich Chancen bei drei Werken aus.

Andrea Dovizioso hat zwei triste GP-Events hinter sich. Beim Aragón-GP schaffte er den 13. Startplatz – nach einem Zerwürfnis mit seinem Teamkollegen Danilo Petrucci, der sich dank Dovis Wundschatten ins Q2 beförderte, Dovizioso gelang der Aufstieg nicht. Am Samstag beim «Gran Premio Liqui Moly de Teruel» blieb der dreifache MotoGP-Vizeweltmeister sogar auf dem 17. Startplatz stecken, er verlor 0,865 sec auf Pole-Setter Fabio Quartararo und kassierte mit Platz 13 im Rennen magere drei Punkte ein. In den letzten sieben Rennen seit dem Sieg in Spielberg-1 hat der 15-fache MotoGP-Sieger nur 53 WM-Punkte kassiert. Das entspricht einem Schnitt von 7,5 Punkten pro WM-Lauf – also etwa Platz 9. In der WM-Tabelle liegt der Vizeweltmeister jetzt bereits aussichtslose 28 Punkte hinter Leader Joan Mir.

Aber nicht nur die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der Ducati GP20 macht dem aus Forli stammenden 34-jährigen Haudegen zu schaffen. Auch die ungewisse Zukunft bringt den Ducati-Werksfahrer ins Grübeln. Ducati hat Dovi bekanntlich so lang brüskiert und mit der Vertragsverlängerung hingehalten, bis es dem 125-ccm-Weltmeister von 2004 zu blöd wurde – und er enttäuscht am 15. August in Spielberg die Trennung per Saisonende bestätigte.

Zu diesem Zeitpunkt waren alle Türen bei den anderen Werksteams zugefallen, mit Ausnahme von Aprilia, wo aber Rennchef Massimo Rivola kundtat, dass man Crutchlow oder Dovizioso nur nehmen werde, wenn Andrea Iannone tätsächlich bis Juni 2021 gesperrt bleibt.

Nach ersten Kontakten zwischen Dovizioso-Manager Simone Battistella stellte sich heraus, dass die Gagenvorstellung von Dovi die Budgets von Aprilia Racing übersteigen. Doch später bekräftigte Rivola sein Interesse an Dovizioso.

Inzwischen steht fest: Aprilia wird auch für 2021 kein ausreichendes Budget, keinen zahlungskräftigen Hauptsponsor und keine zusätzliche Manpower haben. Die Technik-Abteilung hat unter dem umstrittenen Technical Director Romano Albesiano einen beispiellosen Aderlass erlebt. Die meisten Spezialisten sind dem Rennstall aus Noale abhanden gekommen, vor der Saison 2019 ist auch Aprilia-Engine-Designer Ing. Mario Manganelli davon gelaufen.
Deshalb wird sich Dovizioso – wie erwartet – das Abenteuer Aprilia nicht antun.

Er will aber in der MotoGP bleiben und verhandelt deshalb seit Monaten mit allen Werken außer Aprilia und Ducati wegen eines Vertrags als Testfahrer, Ersatzfahrer und Rennfahrer mit drei Wildcard-Einsätzen pro Saison.

Die Verhandlungen mit Suzuki wurden abgebrochen; die Japaner machen mit dem 38-jährigen Sylvain Guintoli weiter.

Auch mit Yamaha verlaufen die Diskussionen zäh, obwohl sich Valentino Rossi für seinen Kumpel Dovi stark macht. Aber Yamaha könnte weiter auf das japanische Testteam setzen. Bisher wurde die Infrastruktur für das europäische Testteam selbst für Jorge Lorenzo nicht wirklich auf das Level von Honda, Ducati oder KTM gebracht.

«Wir haben Möglichkeiten bei Yamaha, Honda und KTM», versichert Simone Battistella im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.
Der Italiener hat vor einer Woche mit KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer ein Gespräch geführt.

Aber bei KTM hält sich das Interesse an Dovi in Grenzen, nachdem Dani Pedrosa seinen Vertrag verlängert hat. «Unser Fahrer-line-up für die kommende Saison steht», betont Race Manager Mike Leitner. «Das Testteam wird mit Dani Pedrosa und Mika Kallio unverändert bleiben.»

Die Honda Racing Corporation könnte die Gagenforderungen von Dovizioso am ehesten erfüllen. Aber Stefan Bradl, seit drei Jahren MotoGP-Testfahrer bei Honda, rechnet mit einer Vertragsverlängerung. «Ich habe in den letzten Wochen positive Signale von HRC empfangen», stellte der Teruel-GP-Zwölfte fest, der gestern nur 0,7 Sekunden auf den besten Honda-Fahrer (Cal Crutchlow) verloren hat.

Außerdem hat HRC in der Vergangenheit auch schon zwei oder drei MotoGP-Testfahrer und Ersatzfahrer gleichzeitg beschäftigt – zum Beispiel Casey Stoner, Hiroshi Aoyama oder Takumi Takahashi.

Dovi könnte nach acht Ducati-Jahren auf jeden Fall viel Technik-Know-how zu Honda mitbringen.

Ergebnisse MotoGP Teruel-GP, 25.10.

1. Franco Morbidelli, Yamaha, 23 Runden in 41:47,652 min
2. Alex Rins, Suzuki, +2,205 sec
3. Joan Mir, Suzuki, +5,376
4. Pol Espargaró, KTM, +10,299
5. Johann Zarco, Ducati, +12,915
6. Miguel Oliveira, KTM, +12,953
7. Maverick Viñales, Yamaha, +14,262
8. Fabio Quartararo, Yamaha, +14,720
9. Iker Lecuona, KTM, +17,177
10. Danilo Petrucci, Ducati, +19,519
11. Cal Crutchlow, Honda, +19,708
12. Stefan Bradl, Honda, +20,591
13. Andrea Dovizioso, Ducati, +22,222
14. Tito Rabat, Ducati, +26,496
15. Bradley Smith, Aprilia, +31,816
– Aleix Espargaró, Aprilia
– Alex Márquez, Honda
– Pecco Bagnaia, Ducati
– Takaaki Nakagami, Honda
– Brad Binder, KTM
– Jack Miller, Ducati

Stand Fahrer-WM nach 11 von 14 Rennen:

1. Mir, 137 Punkte. 2. Quartararo 123. 3. Viñales 118. 4. Morbidelli 112. 5. Dovizioso 109. 6. Rins 105. 7. Nakagami 92. 8. Pol Espargaró 90. 9. Miller 82. 10. Oliveira 79. 11. Petrucci 71. 12. Binder 67. 13. Alex Márquez 67. 14. Zarco 64. 15. Rossi 58. 16. Bagnaia 42. 17. Lecuona 27. 18. Aleix Espargaró 27. 19. Crutchlow 26. 20. Bradl 12. 21. Smith 12. 22. Rabat 10. 23. Pirro 4.

Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha, 208 Punkte. 2. Ducati 171. 3. Suzuki 163. 4. KTM 143. 5. Honda 117. 6. Aprilia 36.

Team-WM:

1. Team Suzuki Ecstar, 242 Punkte. 2. Petronas Yamaha SRT 235. 3. Ducati Team 180. 4. Monster Energy Yamaha MotoGP 176. 5. Red Bull KTM Factory Racing 157. 6. Pramac Racing 128. 7. LCR Honda 118. 8. Red Bull KTM Tech3, 106. 9. Repsol Honda Team 79. 10. Esponsorama Racing 74. 11. Aprilia Racing Team Gresini 39.

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