Hervé Poncharal: «Werden Petrucci glücklich machen»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
«Ich habe ein gutes Gefühl mit Danilo», sagt KTM-Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal über seinen prominenten Neuzugang Petrucci. «Wir werden für ihn alles geben.»

Das Red Bull-Tech3-KTM-MotoGP-Team von Hervé Poncharal trat 2019 mit Miguel Oliveira und Hafiz Syahrin an, 2020 mit Oliveira und Iker Lecuona, und auch 2021 wird wieder ein Fahrer ausgetauscht.  Der zweifache GP-Sieger Miguel Oliveira wird ins Red Bull KTM Factory Team befördert, dafür kommt Danilo Petrucci nach acht Ducati-Jahren neu als Teamkollege von Lecuona zu Tech3-KTM.

«Als sich Pol Espargaró im Lockdown im Frühjahr entschlossen hat, KTM nach vier Jahres mit Saisonende 2020 zu verlassen, war das ein Schock für die Firma», erinnert sich Tech3-Teambesitzer Poncharal im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Es war es Schock für Pit Beirer und Mike Leitner und ein Schock für Stefan Pierer und Hubert Trunkenpolz. Das hat keiner erwartet. Danach wurde in der Gruppe beratschlagt, was man tun sollte. Es wurde überlegt, ob wir einen jungen Fahrer nehmen sollten. Aber zu diesem Zeitpunkt waren jedoch mit Binder und Lecuona schon zwei Rookies unter Vertrag, von denen man nicht genau wusste, wie sie sich bewähren würden. Miguel Oliveira galt auch noch als halber Neuling, weil er 2019 ab Ende August verletzt war. Deshalb sprach einiges dafür, den erfahrenen Pol durch einen anderen erfahrenen Piloten zu ersetzen.»

Damals bot auch der dreifache MotoGP-Vizeweltmeister Andrea Dovizioso seine Dienste an. KTM-Firmenchef Stefan Pierer wollte aber dessen 4-Milllionen-Gage nicht bezahlen. «In Zeiten von Corona müssen auch wir jeden Euro dreimal umdrehen», stellte er fest.

Deshalb bekam Danilo Petrucci den Vorzug, der WM-Sechste von 2019.

«Am Ende hat sich KTM für Danilo Petrucci entschieden», schildert Poncharal. «Zuerst war nicht klar, wie man die beiden MotoGP-Teams von KTM zusammensetzen sollte. Aber dann hat man zu mir gesagt: ‘Wir werden unser Dream Team mit Miguel Oliveira und Brad Binder für 2021 wieder vereinigen.’ So habe ich die Aufgabe bekommen, den 20-jährigen Lecuona und den 30-jährigen Petrucci zu übernehmen. Klar, normalerweise ist es die Aufgabe von Tech3, junge Fahrer für das Werksteam aufzubauen und auszubilden, damit sie ihr Potenzial zeigen können. Das ist uns mit Miguel bereits gelungen. Aber Pit Beirer meinte dann: ‘Wir haben kein Junior-Team mehr. Wir haben vier Werksfahrer, zwei im Factory Team, zwei bei Tech3. Alle haben technisch eine identische Basis.' Und das entspricht der Wahrheit.»

Dazu darf man nicht vergessen, dass ursprünglich Jorge Martin vom Red Bull-Ajo-Moto2-Team 2021 bei Tech3-KTM fahren sollte. Aber der Moto3-Weltmeiszter von 2018 sprang trotz eines Vorvertrags gleichzeitig mit Pol Espargaró ab, weil er die Ducati für das bessere Motorrad hielt und bei Pramac unterschrieb.

«Während des Lockdowns konnte niemand die Schlagkraft der 2020-KTM RC16 einschätzen. Deshalb dachten alle Beteiligten, ein Fahrer wie Danilo, der damals schon einen MotoGP-Sieg errungen hatte und viele Jahre eines der besten Motorräder im Feld gesteuert hat, könnte ein wertvoller Beitrag für unser Projekt sein. Ich habe vollstes Verständnis für die Entscheidung von KTM zugunsten von Danilo. Ich mag ihn sehr, er ist ein sehr sympathischer Kerl. Ich hoffe, dass wir gemeinsam starke Ergebnisse erreichen werden. Gleichzeitig erwarten wir uns von ihm wichtige Informationen für die KTM-Ingenieure, um das Motorrad noch weiter verbessern zu können. Das ist unser Ziel.»

«Wir haben jetzt den jüngsten und den ältesten KTM-MotoGP-Fahrer im Team», rechnet der Tech3-Teambesitzer vor. «Aber wir sind eine Familie. Und das meine ich wiklich so. Wir haben im Frühjahr einen Plan für 2021 gemacht – und den erfüllen wir jetzt. Let’s go!»

Poncharal ist gespannt, was die Saison bringen wird. «Vor dem Saisonstart 2020 habe ich im SPEEDWEEK-Interview gesagt, wenn Miguel manchmal in die Top-Ten kommt, ist das okay. Später haben wir herausgefunden, dass diese Ansage ein bisschen pessimistisch war. In der Realität waren wir stärker. Deshalb wäre es unsinnig, jetzt Prognosen zu Petrucci abzugeben. Wir müssen zuerst sehen, wie er sich auf der KTM fühlt. Danilo ist überrascht, wie stark er bereits von KTM unterstützt wird. Er war bereits mit im Windkanal und ist momentan sehr happy mit seiner neuen Situation.»

Danilo Petrucci bereitet sich bereits seriös auf die kommende Saison vor, obwohl sein erster KTM RC16-Test nach der Abage von Sepang erst von 5. bis 7. März in Doha stattfinden wird. «Ich bin gestern erstmals in diesem Jahr mit meinem Motocross-Bike gefahren», erzählte er SPEEDWEEK.com. «Ich habe ein 350er-Cross-Motorrad und eine 350er Enduro. Dazu habe ich eine neue KTM 450 SX-F bestellt. Dann habe ich Bikes für alle Klassen! Vorläufig besitze ich noch meine 450er Husqvarna. Ab jetzt bekomme die Offroad-Bikes kostenlos. KTM hat leider einen seiner besten zahlenden Kunden verloren…»

Poncharal: «Ich habe ein gutes Gefühl mit Danilo. Ich mag es, wenn ich ein gutes Verhältnis mit meinen Fahrern habe und wir alles teilen können. Wir werden alles geben, was wir können, um ihn happy zu machen. Das ist unser Wille und der Wille von KTM. Wir möchten ihm deutlich zeigen, dass er bei uns sehr willkommen ist und das er bei uns das bestmögliche Technik-Paket von KTM bekommt. Denn ein glücklicher Fahrer ist meistens auch ein schneller Fahrer.»

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