Bradl zu Marc Márquez: «Podest wäre keine Sensation»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl am Startplatz in Doha

Stefan Bradl am Startplatz in Doha

«Marc Márquez wird in Portimão nicht im Mittelfeld rumfahren. Da bin ich mir sicher», sagt Stefan Bradl zur Rückkehr des Honda-Superstars.

Stefan Bradl flog heute Mittag von München nach Sevilla, da er von Montag bis Mittwoch auf den Circuito de Jerez testen wird, wo er am 2. Mai mit einer Wildcard für das HRC Test Team wieder um WM-Punkte kämpfen wird. Der Honda-Testfahrer hat bei den letzten acht Rennen als Márquez-Ersatzfahrer sieben Mal gepunktet und sich viel Respekt verschafft. Jetzt kehrt der 31-jährige in seine Rolle als Test- und Ersatzfahrer zurück. Natürlich wäre der Moto2-Weltmeister von 2011 gern in Portugal gefahren – denn am 22. November 2020 hat er dort mit dem starken siebten Platz überrascht.

Bradl wurde am Flug von seinem Landsmann Gerold «Hugo» Bucher begleitet, der zehn Jahre für Marc Márquez als Data-Recording-Ingenieur gearbeitet hat und jetzt das von Klaus Nöhles geleitete Testteam verstärkt.

Stefan Bradl beantwortete die Fragen von SPEEDWEEK.com am Aeropuerto do Sevilla, während er auf sein Gepäck wartete.

Stefan, warst du überrascht, als HRC und Repsol-Honda heute das Comeback von Marc Márquez für das Portimão-Wochenende bestätigt haben?

Nein, denn ich habe es schon vorher gewusst. Alberto Puig hat mich schon ein bisschen früher informiert.

Hat dich der Zeitpunkt der Rückkehr überrascht? Die Berg- und Tal-Strecke von Portimão ist ja nicht gerade das leichteste Pflaster für eine Rückkehr nach neun Monaten und drei Oberarm-Operationen. Die Strecke in der Algarve mit den blinden Kurven ist körperlich sehr anspruchsvoll, oder?

Ich habe damit gerechnet, dass Marc in Portugal zurückkommt, weil ja seine Rückkehr schon in Katar fast geklappt hätte. Es spielt meiner Meinung nach keine Rolle, auf welcher Strecke er zurückkommt.

In Katar ist es für Honda auch nicht einfach gewesen.

Portimão ist zwar eine anspruchsvolle Rennstrecke. Aber in Jerez zwei Wochen später wäre seine Aufgabe auch nicht viel einfacher. Auch dort hast du null Zeit zum Ausruhen. Die Strecken, die jetzt in Europa auf dem Programm stehen, sind alle nicht einfach. Auch Le Mans nicht. Mit der MotoGP gibt es keine Strecke, die keine extremen Anforderungen stellt.

Daher würde ich sagen: Je früher Marc zurückkommt, desto besser.

Wenn er in der Weltmeisterschaft noch ein Wörtchen mitreden soll, hat er nach zwei Rennen bessere Chancen als nach drei, auch wenn die Chancen sehr gering sind.

Crew-Chief Santi Hernandez geht davon aus, dass Márquez im Titelkampf eine Rolle spielen wird.

Ob es für den Titelgewinn reicht, weiß ich nicht. Keine Ahnung, ob ich Marc das jetzt zutrauen kann. Aber er wird nicht hinterher fahren. Er wird auch nicht im Mittelfeld rumfahren. Da bin ich mir sicher.

Ohne Teamleader Marc Márquez herrschte bei HRC ständig Ungewissheit. Keiner konnte einschätzen, was die Leistungen der vier GP-Piloten wert waren. Denn die Messlatte bei HRC war seit 2013 immer Márquez. Es geisterte immer das Gespenst Márquez durch die Köpfe und die Frage: Welche Ergebnisse würde der große Meister aus der Honda quetschen?

Ja, das werden wir in Portimão und bei den nächsten Rennen sehen. Da warten wir ja schon Monate darauf. Aber nicht nur HRC ist auf diese Referenz gespannt, sondern das gesamte MotoGP-Feld.

Alle warten darauf, dass der beste Fahrer der vergangenen Jahre fit wird und auf die Rennstrecke zurückkehrt.

Für uns bei Honda ist es natürlich besonders wichtig, dass wir die Einschätzung haben, wo wir gerade stehen.

Wir sind neugierig, wie Marc mit dem Motorrad zurechtkommt, welche Probleme er damit hat und welche Aussagen er dazu macht.

Ich fahre am Donnerstag mit dem Auto von Jerez nach Portimão und werde in der HRC-Box genau hinhören, um seine Eindrücke aus erster Hand zu erfahren.

Wenn Marc Márquez nach neun Monaten zurückkommt, womöglich mit einer Sollbruchstelle im rechten Oberarm und einer nicht optimal konkurrenzfähigen Honda, kann er trotzdem so auftrumpfen wie in seinen besten Tagen?

Ein Marc Márquez kommt nicht unvorbereitet zurück. Glaub’ mir das. Er ist ein Profi durch und durch.

Klar, das ist eine neue Herausforderung für ihn. So eine hat er noch nie gehabt.

Aber ich bin überzeugt, dass sich Marc in den letzten Monaten sehr viele Gedanken darüber gemacht hat, wann und wie er zurückkommt.

Das wird sehr detailliert geplant. Ich bin sicher, dass er aus den Fehlern, die er gemacht hat, gelernt hat.

Ich schätze Marc stark ein. Dass er das erste Rennen gewinnt oder auf dem Podium beendet, damit muss man nicht unbedingt rechnen.

Aber das ist ja völlig irrelevant. Hauptsache ist, dass er wieder fit und konkurrenzfähig ist und allmählich wieder in Schwung kommt. Bei den folgenden Rennen nach Portugal kann er sich wieder konkrete Ziele setzen.

Aber wenn Marc jetzt am Wochenende in Portimão auf dem Podest stünde, würde es mich nicht wundern. Das wäre für mich keine Sensation.

Ergebnisse MotoGP-Rennen Katar, 4. April 2021:

1. Fabio Quartararo, Yamaha, 42:23,997 min
2. Johann Zarco, Ducati, +1,457 sec
3. Jorge Martin, Ducati, +1,500
4. Alex Rins, Suzuki, +2,088
5. Maverick Viñales, Yamaha, +2,110
6. Pecco Bagnaia, Ducati, +2,642
7. Joan Mir, Suzuki, +4,868
8. Brad Binder, KTM, +4,979
9. Jack Miller, Ducati, +5,365
10. Aleix Espargaró, Aprilia, +5,382
11. Enea Bastianini, Ducati, +5,550
12. Franco Morbidelli, Yamaha, +5,787
13. Pol Espargaró, Honda, +6,063
14. Stefan Bradl, Honda, +6,453
15. Miguel Oliveira, KTM, +8,928
16. Valentino Rossi, Yamaha, +14,246
17. Takaaki Nakagami, Honda, +16,241
18. Luca Marini, Ducati, +16,472
19. Danilo Petrucci, KTM, +16,779
20. Lorenzo Savadori, Aprilia, +38,775
– Alex Márquez, Honda, 10 Runden zurück
– Iker Lecuona, KTM, 10 Runden zurück

Stand Fahrer-WM nach 2 von 19 Rennen:

1. Zarco, 40 Punkte. 2. Quartararo 36. 3. Viñales 36. 4. Bagnaia 26. 5. Rins 23. 6. Mir 22. 7. Martin 17. 8. Aleix Espargaró 15. 9. Miller 14. 10. Pol Espargaró 11. 11. Bastianini 11. 12. Binder 10. 13. Bradl 7. 14. Rossi 4. 15. Morbidelli 4. 16. Oliveira 4. 17. Marini 0. 18. Lecuona 0. 19. Nakagami 0. 20. Savadori 0. 21. Petrucci 0.

Stand Marken-WM:

1. Yamaha, 50 Punkte. 2. Ducati 40. 3. Suzuki 26. 4. Aprilia 15. 5. KTM 11. 6. Honda 11.

Stand Team-WM:

1. Monster Energy Yamaha, 72 Punkte. 2. Pramac Ducati 57. 3. Suzuki Ecstar 45. 4. Ducati Lenovo 40. 5. Repsol Honda 18. 6. Aprilia Gresini 15. 7. Red Bull KTM 14. 8. Esponsorama Ducati 11. 9. Petronas Yamaha SRT 8.

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