Franco Morbidelli: Rennfahrer wie Ritter der Neuzeit

Von Nora Lantschner
Petronas-Yamaha-Star Franco Morbidelli mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für den Sport als Schule fürs Leben – allen voran natürlich das Motorradfahren: «Es gibt dir unglaublich viel Adrenalin.»

Nach der Knie-OP Ende Juni muss sich Franco Morbidelli voraussichtlich bis zum Misano-GP im September gedulden, ehe er sich wieder auf seine Yamaha M1 schwingen wird. So lautet zumindest die Einschätzung seines Petronas-Teamchefs Razlan Razali. «Franky» selbst meldete sich in den vergangenen Wochen dagegen nicht zu Wort.

Sein Ausrüster Dainese veröffentlichte nun aber die erste Episode einer Video-Serie mit dem MotoGP-Vizeweltmeister des Vorjahres: Unter dem Titel «Franky’s Cave» plaudert der Rossi-Musterschüler ausführlich über seine Leidenschaft für den Sport, allen voran seiner Liebe zu den motorisierten Zweirädern. «Die zwei Räder gehören zu mir, eigentlich schon seit ich geboren bin», schwärmte er.

«Wenn ich erklären müsste, wer ich bin, würde ich sagen: Ich bin ein leidenschaftlicher Motorsportler, ich mag alles, was mit Motorsport zu tun hat – und nicht nur das. Ich mag den Sport generell, ich verfolge unterschiedliche Sportarten: Ich mag Fußball sehr und Basketball, NBA und EuroBasket. Aber auch Randsportarten – ich würde jetzt nicht sagen, dass ich ein besonderer Curling-Fan bin, aber manchmal schaue ich es mir an», verriet der 26-Jährige.

«Ich bin ein einfacher Kerl, der in einer großen Stadt wie Rom geboren wurde, aber ziemlich bald in ein sehr kleines Dorf umgezogen ist», verwies der Italiener mit brasilianischen Wurzeln auf den Umzug nach Babbucce in der Gemeinde von Tavullia. «Ich mag die einfachen Dinge: mit Freunden spazieren zu gehen oder Fußball zu spielen, einfach gemeinsam Zeit zu verbringen. Ich bleibe gerne in meiner Ecke, in meiner Komfortzone. Ich bin ein ruhiger Typ, ich suche die Ruhe und die Gelassenheit. Manchmal bin ich aber auch temperamentvoll.»

Mitverantwortlich macht der Moto2-Weltmeister von 2017 dafür seinen Sport: «Meiner Meinung nach definiert der Sport dich als Person. Er lehrt dich viel. Man hört ja immer, der Sport ist eine Schule fürs Leben. Vor allem, wenn du einen Sport ausübst, für den du eine große Leidenschaft hast, definiert er einen Großteil deiner Persönlichkeit und deines Lebens. Aber auch wenn du einen Sport nicht unbedingt so ernsthaft betreibst, wie ich es getan habe und tue, sondern einfach nur aus Leidenschaft, dann formt er dich trotzdem mit derselben Intensität. Wenn du zum Beispiel mit deinen Freunden einmal in der Woche oder einmal im Monat Fußball spielen gehst, drückt er dir auch schon in gewisser Hinsicht einen Stempel auf. Das nimmt man ins Leben mit: Wie du bist, wie du in gewissen Situationen reagierst… Meiner Meinung nach gibt dir der Sport ein Wesen mit, was positiv ist und dich auf die Art von Leben vorbereitet, wie wir heute eben leben – sehr frenetisch, es ist ja schon fast ein Rennen», ergänzte er mit einem breiten Grinsen.

«Der Sport lehrt dich, die Grenzen zu überschreiten, dich herauszufordern, sich von einem Schema zu lösen, das dir vielleicht jemand vorgibt, frei zu sein und zu fühlen, was du willst. Diese und viele andere Dinge lehrt dich der Sport.»

Für den dreifachen MotoGP-Sieger sticht aber natürlich seine Hauptbeschäftigung heraus: «Motorradfahren ist ein Sport, der dir schon an sich unglaublich viel Adrenalin gibt. Es ist nicht unbedingt nötig, auch Rennen zu fahren. Auf ein Motorrad zu steigen, auf den Geraden mit hohem Speed zu fahren und zu versuchen, die Kurven so schnell wie möglich zu nehmen, gibt dir einfach einen Adrenalinkick.»

Vergleichbar sei es vielleicht mit Fallschirmspringen oder Skifahren bei hoher Geschwindigkeit. «Das Motorrad hat aber einen ganz besonderen Reiz, weil es Lärm macht, mechanisch ist, du drauf sitzt… Fast schon so, als wäre man ein Ritter der Neuzeit.»

Die Gefahr mache den Reiz aber nicht aus, hielt Franky entschlossen fest. «Von außen mag das vielleicht ein Element sein, dass den Reiz größer macht, aber für mich nicht. Die Gefahr ist eine der Schattenseiten des Motorsports: Leider ist es gefährlich. In den 1970er- oder 1980er-Jahren, als die Strecken viel gefährlicher waren, die ganze Situation viel härter und die Schutzbekleidung und die Technologie rund um den Fahrer noch viel weniger weit waren – da weiß ich nicht, ob ich ein Rennfahrer geworden wäre. Ich schätze mich glücklich, in diese Ära geboren zu sein, wo die Sicherheitsstandards hoch sind. Denn wenn ich stürze, tut es meist zwar genug weh, dass ich Schmerzen habe, aber auch trotzdem noch wieder aufsteigen will und kann – mit derselben Intensität und Leidenschaft wie vorher, ohne Angst zu haben.»

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