Kevin Schwantz: Er empfiehlt den Red Bull Rookies-Cup

Von Günther Wiesinger
Kevin Schwantz

Kevin Schwantz

Seit zehn Jahren hat kein Amerikaner einen Grand Pix gewonnen. Kevin Schwantz nennt die Gründe, glaubt nicht an Joe Roberts und empfielt den US-Talenten den Red Bull Rookies-Cup.

Nach den drei Titelgewinnen von Kenny Roberts auf Yamaha (1978 bis 1980) dominierten die Amerikaner jahrelang die 500-ccm-Weltmeisterschaft, mit Freddie Spencer, Eddie Lawson, Wayne Rainey und Kevin Schwantz, auch Randy Mamola brachte es zu vier Vizeweltmeisterschaften. John Kocinksi gewann 1990 die 250er-WM und zeigte dann auch in der 500er-WM einige Heldenmtaten, ehe er die Superbike-WM gewann.

Doch die US-amerikanische Erfolgssträhne ist längst abgerissen. In den Jahren 2016 und 2017 kam es zum ersten Mal seit 1975 vor, dass kein US-Fahrer in irgendeiner GP-Klasse als Stammfahrer dabei war.

In der seit 2002 bestehenden MotoGP-Ära der Viertakter mit 990 ccm (bis Ende 2006) und 800 ccm (bis Ende 2011) sowie den neuen 1000-ccm-Bikes hat Amerika nur zwei GP-Sieger präsentiert: Nicky Hayden siegte in Laguna Seca 2005 und 2006 in Assen und Laguna Seca, Ben Spies in Assen 2011.

Dazu triumphierte Nicky Hayden 2006 im Kampf gegen Rossi und gewann auf der Repsol-Honda die MotoGP-Weltmeisterschaft.

Seit dem Sieg von Spies in Assen vor zehn Jahren warten die US-Fans vergeblich auf einen neuen GP-Sieger. Kenny Noyes, Josh Herrin, Joe Roberts und Cameron Beaubier (2021 als Moto2-Rookie dabei) zeigten zwar immer wieder Achtungserfolge, aber für Siege reichte es nie.

Kevin Schwantz, 500-ccm-Weltmeister 1993 auf Suzuki und 25-facher 500-ccm-GP-Sieger, kümmerte sich immer wieder um amerikanische Talente. Aber keiner von ihnen setzte sich im GP-Sport durch. Die von Wayne Rainey gemanagte MotoAmerica-Serie brachte in all den Jahren auch kein neues Super-Talent zum Vorschein. Es reichte wie bei Garrett Gerloff nur für die Superbike-WM oder wie bei Joe Roberts für eine mittelprächtige Moto2-Laufbahn.

«Es sieht so aus, als würde Beaubier von Rennen zu Rennen stärker», erklärte Kevin Schwantz im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Und es sieht so aus, als würde sich Joe Roberts verschlechtern, nach hinten orientieren und bald ebenbürtig mit ihm sein. Ich vermute, dass Cameron vor dem Saisonende stärker ist als Joe. Ich bin gespannt, wie ihre Resultate dann im Oktober beim Heim-GP in Texas ausschauen werden.»

«Wer der nächste GP-Sieger aus Amerika sein wird und wo er herkommt, ist schwer zu sagen», fährt Schwantz fort. «Die US-Superbike-WM wird kaum junge GP-Talente hervorbringen. Aber wir haben ein paar vielversprechende Fahrer, die in die Pre-Moto3-Championhsip umsteigen möchten. Das muss so gehandhabt werden. Wir können uns nicht auf die US-Meisterschaft verlassen. Sie ist nicht genug ausreichend sichtbar, sie steht international nicht im Scheinwerferlicht, sie hat keine überwältigende Anhängerschaft. Deshalb wirst du dort keinen Fahrer herausuchen können, den du nach Europa in die Weltmeisterschaft bringen kannst.»

«Die Talente müssen einen Weg finden, wie sie in jungen Jahren nach Europa kommen und in den spanischen Nachwuchsserien Fuß fassen können», meint der 57-jährige Texaner. «Sie müssen sich in der CEV-Repsol-Meisterschaft durchsetzen und dadurch Aufmerksamkeit erringen. In der CEV fahren sie vor den Teamchefs, die sie in den GP-Sport bringen können. Die Jungs müssen dann in der Moto3- und Moto2-WM beginnen, vielleicht sogar in der MotoE. Aber da bin ich nicht sicher. Wenn mich einer fragt, kriegt er eine klare Antwort: Ich empfehle ihm den Red Bull Rookies-Cup. Das ist die beste Bewährungsprobe, die für junge Talente existiert.»

Denn Kevin weiß: Auch Jake Gagne und Cameron Beaubier kommen aus dieser Nachwuchsserie.

Schwantz: «Man muss sich nur anschauen, wie der letztjährige Rookies-Cup-Sieger Pedro Acosta in diesem Jahr auf Anhieb in der Moto3-WM dominiert. Unglaublich, wie stark er sich durchsetzt. Auch Remy Gardner und sein junger Moto2-Teamkollege Rául Fernandez kommen aus der Red Bull-Academy.» Übrigens: Zarco, Mir, Martin, Di Giannantonio Binder, Oliveira und so weiter haben ebenfalls den Rookies-Cup absolviert.

Cameron Beaubier und der neue MotoAmerica-Star Jake Gagne nahmen 2007 und 2008 am Rookies-Cup teil, als noch mit 125-ccm-Zweitaktern gefahren wurde. Beaubier kam erst mit 28 Jahren und fünf US-Superbike-Titel in die Moto2-Klasse. Die 125er-WM hat er 2009 mit Red Bull-KTM bestritten – und mit drei Punkten als 29. beendet.

Das Fazit von Kevin Schwantz: «Die US-Meisterschaft MotoAmerica bringt nicht jene jungen Fahrer hervor, die wir für die Weltmeisterschaft brauchen.»

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