Raúl Fernández: Was er vom MotoGP-Debüt erwartet

Von Günther Wiesinger
Der überragende Red Bull-KTM-Moto2-Pilot Rául Fernández (20) debütiert heute wie Remy Gardner in Misano auf der MotoGP-KTM RC16. Im Interview mit SPEEDWEEK.com spricht er über seine Gefühle und Prioritäten.

Raúl Fernandez liegt war in der Moto2-WM vier Rennen vor Schluss nach sechs Saisonsiegen noch 34 Punkte hinter WM-Leader remy Gardner. Aber er hat vier der letzten sechs Grand Prix gewonnen und die Hoffnung noch nicht aufgegeben. «Ich möchte die Entscheidung zumindest bis zum letzten Rennen in Valencia hauszögern», erklärte er im Exklusiv-Interview mit SPEEDEEK.com vor seinem ersten MotoGP-Teste heute in Misano, wo er wie Gardner auf der KTM RC16 debütiert. Fernández weiß auch genau, welcher Moto2-Rookie bisher die meisten GP-Siege im ersten Jahr errungen hat. «Marc Márquez hat es auf sieben gebracht», antwortete der WM-Zweite wie aus der Pistole geschossen.

Der achtfache GP-Sieger hat im Herbst 2020 im Red Bull KTM Ajo-Team seine ersten beiden Moto3-WM-Läufe gewonnen und wurde dann in einer späten Entscheidung schon für 2022 in die Moto2 transferiert, auch wegen seiner Körpergröße. «Ich war bereits 180 Zentimeter groß und 7 kg schwerer als die Moto3-Gegner», erinnert sich Raúl. «Das hat meine Aufgabe in der Moto3 ziemlich mühsam gemacht. Mit meinem Gewicht war es mühselig, gegen die anderen Topfahrer zu fighten. Ich habe Teamchef Aki Ajo deshalb schon beim Misano-GP 2020 gesagt, mit meiner Körpergröße und meinem Gewicht kann ich nicht ein weiteres Jahr in der verflixten Moto3 bleiben. Zuerst hat er sich gesträubt und gesagt, ich muss auch 2021 in der Moto3-Kategorie fahren. Aber ein paar Wochen später hat er dem Wechsel zugestimmt.»

Jetzt hat sich der sensationelle Rookie innerhalb von elf Monaten von der 55 PS starken Moto3-Maschine auf die fast 290 PS starke MotoGP-Rakete befördert.

Aber Raúl Fernandez will heute bei seinem MotoGP-Debüt auf dem Misano World Circuit nichts überstürzen. «Ich komme mit Remy sehr gut aus. Das ändert aber nichts daran, dass ich ihm gern die WM-Führung entreißen möchte. Das ist mein Ziel für die restlichen vier Grand Prix.»

«KTM hat mich bereits beim ersten Spielberg-GP Anfang August informiert, dass ich hier die RC16 testen kann», verriet Raúl Fernandez. «Da waren gute Nachrichten. Aber ich betrachte das nicht als Test. Es ist ein Geschenk von KTM für meine ausgezeichneten Leistungen in der Moto2. KTM hat vor drei Jahren auch Brad Binder deswegen in Brünn mit der MotoGP-Maschine fahren lassen. Aber da das Wetter sehr gut ist, werde ich das Bike wie an einem normalen Testtag fahren. Im Vordergrund steht aber meine Chance auf den Moto2-Titelgewinn. Ich will keine Blödheiten machen und muss auch auf mein operierte rechte Hand Rücksicht nehmen. Sie wird zwar von Tag zu Tag besser, aber sie ist noch nicht in perfektem Zustand.»

Der KTM-Schützling war vor dem Aragón-GP mit dem Rennrad gestürzt und hatte sich wegen eines gebrochenen Mittelhandknochens rechts operieren lassen müssen. «Die Genesung der Hand hat Priorität. Ich muss die Hand für den Grand Prix in Amerika nächste Woche schonen.»

Aber Raúl Fernández hat schon Erfahrung mit starken Bikes, nicht nur mit dem ca. 145 PS starken Dreizylinder-Triumph-Einheitsmotor aus der Moto2. Er hat ein 1000-ccm-Vierzylinder-Superbike eines japanischen Herstellers daheim, dessen Fabrikat ihm nicht über die Lippen kommt. «Aber auch die neuen Moto2-Rennmotoren stellen eine unglaubliche Verbesserung im Vergleich zu den vorherigen 600-ccm-Vierzylindern dar», versichert der Moto2-Rookie of the Year. «Ich glaube, der Schritt von Moto2 zur MotoGP ist kleiner als der Schritt von der Moto3 in die Moto2.»

«Heute am Abend kann er ich erzählen, ich bin erstmals in meinem Leben ein MotoGP-Bike gefahren bin. «Ich will Spaß daran haben. Aber nachher werde ich mein Augenmerk wieder auf den Titelfight gegen Remy richten. Ich werde mich dann auf ein Rennen nach dem anderen konzentrieren. Dann werden wir sehen, was in der WM noch machbar ist», erklärte der 20-jährige Ausnahmekönner, der am Montag gemeinsam mit Remy Gardner mit Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal beim Abendessen war und den gestrigen Dienstag schon in der Tech3-Box verbrachte.  

KTM hat mit Esteban Garcia auch einen neuen Techncical Coordinator als Verbindungsmann zwischen Tech3 und dem Werk angestellt. Er hat mit Maverick Viñales 2013 die Moto3-WM auf KTM gewonnen, war dann bei MIka Kallio im MotoGP-Testteam als Cew-Chief tätig und betreute dann Bradley Smith 2018 bei Red Bull KTM in der WM, ehe ihn Viñales für 2019 zu Yamaha holte und ihn im Frühjahr weder entließ.


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