Raúl Fernández: KTM-Vertrag noch nicht ganz fixiert

Von Günther Wiesinger
Überflieger Raúl Fernández hat 2021 schon sieben Moto2-Rennen gewonnen. Nächstes Jahr soll er bei KTM-Tech3 die Moto2-WM fahren. Aber es wird noch über Vertragsdetails diskutiert.

Raúl Fernandez hat durch seinen siebten Saisonsieg auf dem Circuit of the Americas (COTA) seinen Rückstand auf den dort im Rennen gestürzten WM-Leader Remy Gardner von 34 Punkte auf neun Punkte verkürzt. Er hat am 22. September in Misano bereits die KTM RC16 getestet und soll laut Plan die MotoGP-WM 2022 bei KTM Tech3 Factory Racing als Teamkollege von Moo2-WM-Leader Remy Gardner bestreiten.

Doch jetzt wurden in Italien wieder Gerüchte kolportiert, der 20-jährige Moto2-Rookie werde seinen KTM-Vertrag brechen und für das neue Yamaha-RNF-Kundenteam von Razlan Razali fahren. Der jetzige Petronas-Yamaha-Petronas-Teamprinzipal hat das Team als Eigentümer übernommen und dazu die Firma RNF gegründet. Diese Initialen stehen für die Vornamen seiner drei Kinder Razali, Nadia und Farouk.

Dort ist zwar Darryn Binder für 2022 als zweiter Fahrer neben Andrea Dovizioso vorgesehen, aber offiziell bestätigt ist diese Fahrerpaarung bisher nicht.

Doch in Österreich gehen alle Beteiligten davon aus, dass Raúl Fernández seinen Aufstieg in die MotoGP-WM mit KTM vollführen wird. Firmenchef Stefan Pierer hat gegenüber SPEEDWEEK.com bereits angekündigt, dass das Tech3-Team personell weiter verstärkt und von technischen Support her auf das Niveau des Red Bull-Werksteams gebracht werden soll. «Die Motorräder sind ja technisch jetzt schon identisch», erklärte Pierer.

Mit Esteban Garcia wurde dazu ein neuer Technical Coordinator bei Tech3 installiert, der als Crew-Chief mit Maverick Viñales 2013 für KTM die Moto3-WM gewann, dann bei KTM als Crew-Chief für Mika Kallio im Testteam fungierte, ehe er 2018 Stammfahrer Bradley Smith betreute. 2019 sollte er Crew-Chief von KTM-Werkspilot Johann Zarco werden, doch Viñales lockte ihn zu Yamaha ins Werksteam, von wo er jetzt zu KTM zurückgekehrt ist.

«Esteban passt perfekt zu uns, und da auch Remy Gardner perfekt Spanisch spricht, gibt es bereits eine ausgezeichnete Gesprächsbasis mit Raúl und Remy», sagte KTM-Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal beim MotoGP-Test der beiden Aufsteiger.

Raúl Fernández: Angebot von Yamaha

Raúl Fernández hat im Juni einen MotoGP-Vorvertrag bei KTM unterschrieben. Schon zuvor hatte KTM die Option auf ihn für 2022 eingelöst. Tatsache ist aber auch, dass der siebenfache Saisonsieger Fernández zu Saisonmitte ein lukratives Angebot von Yamaha für die MotoGP-WM bekommen hat. Die Japaner wollten ihn für 500.000 aus dem KTM-Vertrag herauskaufen, ihm ungefähr denselben Betrag als Gage für 2022 bezahlen und ihn ins Petronas-Yamaha-Team transferieren.

«Wir haben auch Angebote von anderen Marken bekommen», verriet Fernández-Manager Jordi Arilla, der aus der Motocross-Szene kommt.

Er hatte sich vor dem Steiermark-GP in Knittelfeld im Ristorante-Pizzeria dal Marinaio mit Petronas-Yamaha-Teamprinzipal Razlan Razali zum Abendessen getroffen. 

Bisher hat Raúl Fernández noch keinen Vertragsbruch begangen. Und er betonte beim Misano-GP im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com: «Ich habe sozusagen meine komplette Karriere mit KTM bestritten… Nur 2017 bin ich eine andere Marke gefahren. 2016 bin ich Dritter im Red Bull-Rookies-Cup geworden und auf KTM Dritter in der Moto3-Junioren-WM. Die Saison 2017 mit dem Aspar-Team auf einer Mahindra in der Junioren-WM war ein Desaster, ich bin nur auf dem 27. WM-Rang gelandet. Aber 2018 habe ich diese Nachwuchs-WM auf KTM gewonnen.»

«Beim Misano-Test konnte ich auch meinen künftigen Teamchef Hervé Poncharal besser kennenlernen», schilderte der spanische Ausnahmekönner mit Superstar-Ambitionen. «In der Vergangenheit habe ich mich nie viel mit Hervé unterhalten. Aber in Misano haben wir fast jeden Tag miteinander geredet. Wow, er ist ein netter Mann. Ich bin sehr glücklich, mit ihm zusammenarbeiten zu können. Ich bleibe jetzt in Kontakt mit dem Tech3-Team, denn nach dieser Saison werde ich dorthin übersiedeln.»

Im November findet bekanntlich für die MotoGP-Klasse noch ein Zwei-Tage-Test in Jerez statt. «Mir gefällt die familiäre Atmosphäre bei Tech3», stellte der vielversprechende Moto2-Titelanwärter in Misano fest.

Raúl hat fünf der letzten sieben Moto2-Grand Prix gewonnen und ist jetzt überzeugt, dass er noch Weltmeister werden kann. «Ich möchte die Entscheidung zumindest bis zum letzten Rennen in Valencia hauszögern», erklärte er.

Tatsache ist aber auch: Das Management von Raúl Fernández, der bereits als neuer Marc Márquez gehandelt wird, verhandelt mit KTM immer noch die detaillierten Bedingungen des neuen Vertrags.
Dabei geht es nicht nur ums Geld, sondern der neunfache GP-Sieger wünscht sich auch, dass KTM seinen Bruder Adrián in einem Moto3-WM-Team unterbringt – wie es früher bei Brad Binders Bruder Darryn vorgekommen ist.

Adrián hat in diesem Jahr im Sterilgarda Max Racing Team auf der Factory-Husqvarna bisher 20 Punkte gesammelt. Bestes Ergebnis: Platz 6 im Regen von Le Mans.

«Wenn ich gemeinsam mit Adrián auf den Minibikes auf dem ‚DR7 Circuit‘ in Tarancón trainiere, ist er immer schneller als ich», versicherte Raúl Fernández gegenüber SPEEDWEEK.com.

Moto2-Ergebnis, Austin (3. Oktober)

1. Raúl Fernandez, Kalex
2. Fabio Di Giannantonio, Kalex, + 1,734 sec
3. Marco Bezzecchi, Kalex, + 3,100
4. Augusto Fernandez, Kalex, + 4,061
5. Cameron Beaubier, Kalex, + 5,381
6. Tony Arbolino, Kalex, + 7,577
7. Ai Ogura, Kalex, + 11,087
8. Xavi Vierge, Kalex, + 14,949
9. Marcos Ramirez, Kalex, + 16,051
10. Jake Dixon, Kalex, + 18,278
11. Aron Canet, Boscoscuro, + 20,679
12. Jorge Navarro, Boscoscuro, + 22,738
13. Simone Corsi, MV Agusta, 22,913
14. Somkiat Chantra, Kalex, + 23,247
15. Bo Bendsneyder, Kalex, 23,347 *
* Strafversetzung wegen Missachtung der Track Limits

Ferner:
Ausgeschieden: Thomas Lüthi (Sturz), Marcel Schrötter (Elektronik)

WM-Wertung nach 15 von 18 Rennen

1. Remy Gardner 271 Punkte. 2. Raúl Fernandez 262. 3. Marco Bezzecchi 206. 4. Sam Lowes 140. 5. Augusto Fernandez 131. 6. Fabio Di Giannantonio 128. 7. Aron Canet 124. 8. Ai Ogura 113. 9. Marcel Schrötter 84. 10. Xavi Vierge 83. 11. Jorge Navarro 78. 12. Joe Roberts 59. 13. Celestino Vietti 53. 14. Tony Arbolino 51. 15. Bo Bendsneyder 41. 16. Cameron Beaubier 39. 17. Somkiat Chantra 37. 18. Marcos Ramirez 29. 19. Jake Dixon 27. 20. Albert Arenas 23. 21. Thomas Lüthi 21.

Stand Marken-WM:

1. Kalex, 375 Punkte (Marken-Weltmeister 2021). 2. Boscoscuro 159. 3. MV Agusta 19. 4. NTS 10.

Stand Team-WM:

1. Red Bull KTM Ajo, 533 Punkte (Team-Weltmeister 2021). 2. Elf Marc VDS Racing Team 271. 3. Sky Racing Team VR46, 259. 4. Idemitsu Honda Team Asia 150. 5. Inde Aspar Team 147. 6. Federal Oil Gresini 140. 7. Liqui Moly Intact GP 135. 8. Petronas Sprinta Racing 110. 9. +Ego Speed Up 91. 10. Italtrans Racing Team 69. 11. American Racing 68. 12. Pertamina Mandalika SAG Team 62. 13. 13. Flexbox HP40, 36. 14. MV Agusta Forward Racing 19. 15. NTS RW Racing GP 10.

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