Hat Valentino Rossi nach dem Rücktritt noch Träume?

Von Günther Wiesinger
Valentino Rossi

Valentino Rossi

«Ich habe schon 2012 gezweifelt, ob ich weiterfahren soll», verrät Valentino Rossi. Er spricht offen über seinen verwirklichten Traum und seine Feindschaften – und hebt jene mit Max Biaggi hervor.

Valentino Rossi hat nach 432 Grands Prix einen Schlussstrich unter seine beispiellose Karriere als Motorradrennfahrer gezogen. Und wenn man zurückblickt, so haben sich die Diskussionen über den Rückzug über fast zehn Jahre hingezogen. Denn der 42-jährige Italiener sagte fast jedes Jahr, dass er nur weitermacht, wenn er weiter um Siege und Podestplätze fighten kann und ihm der Sport weiter Freude macht.

Jetzt ist diese endlose Geschichte vorbei. Rossi wird Vater, er wird nächstes Jahr Autorennen fahren, irgendeine GT3-Sportwagen-Rennserie. Aber er bereut nichts. «Ich möchte nichts ändern. Dabei war ich mehrmals oft nahe am Karriere-Ende, ich denke zum Beispiel an die zwei Ducati-Jahre 2011 und 2012. Ich habe damals ernsthaft bezweifelt, ob ich genug Speed und genug Kraft haben würde, um einen Neustart zu machen und danach wieder um Rennsiege und WM-Titel zu fighten. Aber dann bin ich von diesem Moment weg noch einmal zehn Jahre lang Rennen gefahren. Wenn ich auf diese zehn Jahre zurückblicke, ist es insgesamt eine gute Story geworden.»

Hat Valentino Rossi jetzt für die kommenden Jahre noch einen Traum? «Ich möchte ein gutes Leben haben und Freude erleben. Ich werde nächstes Jahr erstmals Vater... Ich werde weiter auf der Rennstrecke sein, künftig auf vier Rädern. Dazu werde ich manchmal meine Schützlinge bei den Motorradrennen besuchen und mich um meine GP-Teams kümmern. Aber einen speziellen Traum verfolge ich nicht. Mein Traum war, MotoGP-Weltmeister zu werden. Das habe ich geschafft. Also bin ich mit mir im Reinen.»

«The Doctor»  hat in seiner Karriere viele Erzivalen verbissen bekämpft, von Biaggi über Gibernau bis zu Stoner, Lorenzo und Marc Márquez.

Gab es bei diesen Rivalitäten Vorkommnisse, die er heute bereut?
«Äähh, die Rivalitäten sind in allen Sportarten, auch in der MotoGP, Dinge, die man nicht gerne hat. Aber sie sind eine fantastische Hilfe, wenn es um die Motivation geht und darum, das Maximum aus sich heraus zu kitzeln. Man kann dadurch seine persönlichen Limits überschreiten und so in seinem Innersten noch Reserven finden und anzapfen, die bis dahin verborgen waren.»

Rossi weiter: «Ich habe während meiner Karriere großartige Rivalitäten genossen, besonders im ersten Teil meiner Laufbahn, weil ich in dieser Phase die meisten Kämpfe gewonnen habe. Im zweiten Teil meiner Karriere habe ich den Großteil der Wettbewerbe verloren. Aber ich habe trotzdem Freude an diesem Wettstreit gehabt.»

Die Gegnerschaft mit Max Biaggi, der die 500-ccm-Weltmeisterschaft nie gewann, aber viermal 250-ccm-Weltmeister und zweimal Superbike-Weltmeister war, hat Rossi am meisten gefordert und angespornt, verrät er.

«Ja, die Rivalität mit Biaggi muss ich hervorheben. Wir waren zwei Italiener, wir hatten beide in Italien große Gefolgschaften hinter uns. Dann kamen Stoner und Lorenzo, am Ende Márquez. In den letzten Jahren sind viele neue Gegner hinzu gestossen, ich habe diesen Wettstreit immer genossen. Diese ganzen Wettkämpfe werde ich als etwas ganz Besonderes in Erinnerung behalten.»

Die Bilanz von Valentino Rossi in der Motorrad-WM:

1996: WM-9. auf Aprilia 125, 111 Punkte, ein GP-Sieg
1997: WM-1. auf Aprilia 125, 321 Punkte, elf Siege
1998: WM-2. auf Aprilia 250, 201 Punkte, fünf Siege
1999: WM-1. auf Aprilia 250, 309 Punkte, neun Siege
2000: WM-2. auf Honda 500, 209 Punkte, zwei Siege
2001: WM-1. auf Honda 500, 325 Punkte, elf Siege
2002: WM-1. auf Honda 990, 355 Punkte, elf Siege
2003: WM-1. auf Honda 990, 357 Punkte, neun Siege
2004: WM-1. auf Yamaha 990, 304 Punkte, neun Siege
2005: WM-1. auf Yamaha 990, 367 Punkte, elf Siege
2006: WM-2. auf Yamaha 990, 247 Punkte, fünf Siege
2007: WM-3. auf Yamaha 800, 241 Punkte, vier Siege
2008: WM-1. auf Yamaha 800, 373 Punkte, neun Siege
2009: WM-1. auf Yamaha 800, 306 Punkte, sechs Siege
2010: WM-3. auf Yamaha 800, 233 Punkte, zwei Siege
2011: WM-7. auf Ducati 800, 139 Punkte, kein Sieg
2012: WM-6. auf Ducati 1000, 163 Punkte, kein Sieg
2013: WM-4. auf Yamaha 1000, 237 Punkte, ein Sieg
2014: WM-2. auf Yamaha 1000, 295 Punkte, zwei Siege
2015: WM-2. auf Yamaha 1000, 325 Punkte, vier Siege
2016: WM-2. auf Yamaha 1000, 249 Punkte, zwei Siege
2017: WM-5. auf Yamaha 1000, 208 Punkte, ein Sieg
2018: WM-3. auf Yamaha 1000, 198 Punkte, kein Sieg
2019: WM-7. auf Yamaha 1000, 174 Punkte, kein Sieg
2020: WM-15. auf Yamaha 1000, 66 Punkte, kein Sieg
2021: WM-18. auf Yamaha 1000, 44 Punkte, kein Sieg

 

Diesen Artikel teilen auf...

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Beste Formel 1 aller Zeiten? Zahlen sprechen dagegen

Mathias Brunner
​Die Formel 1 boomt, besonders in den USA. Die neue Flügelauto-Generation sollte mehr Überholmanöver denn je und packenden Sport liefern. Ein Blick in die Statistik enthüllt jedoch Erstaunliches.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Do.. 09.02., 01:45, Hamburg 1
    car port
  • Do.. 09.02., 03:45, Hamburg 1
    car port
  • Do.. 09.02., 04:35, Motorvision TV
    High Octane
  • Do.. 09.02., 05:15, Hamburg 1
    car port
  • Do.. 09.02., 06:00, Motorvision TV
    400 Thunder Australian Drag Racing Series 2020
  • Do.. 09.02., 07:50, Motorvision TV
    NASCAR Cup Series 2022
  • Do.. 09.02., 09:30, Sky Discovery Channel
    Wird schon schiefgehen!
  • Do.. 09.02., 09:35, Motorvision TV
    Top Speed Classic
  • Do.. 09.02., 10:05, Motorvision TV
    Classic
  • Do.. 09.02., 10:15, Hamburg 1
    car port
» zum TV-Programm
3