Gresini: Warum Ducati gegen Aprilia den Vorzug bekam

Von Günther Wiesinger
Enea Bastianini, Nadia Padovani, Fabio Di Giannantonio

Enea Bastianini, Nadia Padovani, Fabio Di Giannantonio

Das Team Gresini gab Aprilia einen Korb und vereinbarte einen Deal mit Ducati als viertes Team. Da Hauptsponsor FlexBox absprang, muss die Gresini-Truppe mit dem Geld haushalten. Das Budget liegt bei 8 bis 10 Mio. Euro.

Eigentlich hat sich Aprilia Racing vor einem Jahr noch große Hoffnungen auf einen neuen MotoGP-Deal mit Gresini Racing gemacht, allerdings als Kundenteam und nicht als Partner mit einem Joint Venture (von 2015 bis Ende 2021) für die beiden MotoGP-Plätze, die Fausto Gresini gehörten, der am 23. Februar 2021 an Covid-19 starb. Doch der 125-ccm-Weltmeister von 1985 und 1987 (auf Garelli) hatte insgeheim schon 2020 beschlossen, dass er sich für die Jahre nach 2021 mit Ducati verbünden werde.

Denn mit Aprilia hatte er sich auseinandergelebt, die Verantwortlichen des Werks aus Noale hatten sein Fachwissen nie ausreichend ausgeschöpft, sondern ihn praktisch zum Logistik-Dienstleister degradiert, der ein paar Techniker besteuerte, sich um die Hospitality und andere Nebenschauplätze kümmerte. Auch die Expertise des charismatischen Ex-Weltmeisters war bei der Fahrerwahl nicht gefragt; diese Verhandlungen führten die Aprilia-Manager weitgehend alleine.

Dabei hat Gresini Racing drei WM-Titel (mit Katoh, Elias und Martin) sowie 2019 den MotoE-Weltcup mit Matteo Ferrari gewonnen. Was noch viel wertvoller wiegt: Fausto hat in der MotoGP-WM 2003 und 2005 mit Sete Gibernau und Marco Melandri dreimal in Serie den zweiten WM-Rang hinter dem unschlagbaren Rossi erobert und dabei zweimal sogar das Repsol-Honda-Werksteam gedemütigt.

Übrigens: Fausto mühte sich bei seinem Debüt als Teambesitzer 1997 nicht in den kleinen Klassen an, sondern begann lieber mit einem «low budget» in der 500er-WM und der neuen Honda NSR500-V2 mit Alex Barros.

Das Vermächtnis von Fausto

Gresinis Witwe Nadia Padovani und Commercial Director Carlo Merlini kannten natürlich die Gemütslage von Teambesitzer Fausto Gresini, entschieden sich für Ducati und führten sein Vermächtnis nach dem Tod weiter.

Ob diese Entscheidung sinnvoll war, wird die Zukunft zeigen. Jedenfalls ist Gresini bei Ducati Team Nr. 4 hinter Lenovo, Pramac und Mooney VR46. Bei Aprilia wäre Gresini die Nummer 2 gewesen.
Aber auch Enea Bastianini, Moto2-Weltmeister 2020, hatte frühzeitig deponiert, dass er keine Aprilia RS-GP fahren will.

Bis Ende August 2021 schien Gresini Racing auch finanziell erstklassig aufgestellt zu sein, denn der Container- und Self-Storage Hersteller FlexBox (auch bei Ducati Corse und bei Pons in der Moto2 engagiert) hatte als Hauptsponsor zugesagt, Im September wurde zu Zusage heimlich zurückgezogen.

Im Paddock hält sich die Erzählung, Moto2-Teambesitzer Sito Pons habe FlexBox-CEO Hendrik Nielsen das Engagement bei Gresini schlecht und ihm diese Investition ausgeredet.

Jetzt weist Gresini mit der Aufschrift «THE NEXT» auf den MotoGP-Bikes auf den fehlenden Hauptsponsor hin und behilft sich mit Co-Sponsoren wie Antongin, Unibat, Oli, Federal Oil, Aspira und Kapriol.

Bei der Dorna wird erwartet, dass Gresini wegen der gebrauchten Ducati-GP21-Bikes für Bastianini und Di Giannantonio mit einem MotoGP-Budget von 8 bis 10 Millionen Euro (je nach Höhe der Fahrergagen) durch die Saison kommt. Rund 6 Millionen wird die Dorna besteiern, wie bei allen Kundenteams, den die maximale Anzahl der Grands Prix wurde von 20 auf 22 erhöht und somit vermehrten sich auch die Zuschüsse.

Gresini muss aber nur überschaubare Investments tätigen. Denn zumindest die physische Struktur im Fahrerlager sei großteils bereits vorhanden, erklärte Carlo Merlini, der Faustos Familie in der Umsetzung des ehrgeizigen Projekts als langjähriger Kaufmännischer Direktor mit Rat und Tat zur Seite steht und in den Verhandlungen die Fäden zog.

«Es gibt keine große Veränderung, weil das gesamte Set-up im Paddock Gresini gehört. Selbst die Startplätze, die das Aprilia-Gresini-Projekt in den vergangenen sieben Jahren verwendete, gehörten uns. Die Truck-Auflieger sind von Gresini, die Hospitality genauso. Das gesamte Equipment, die Frachtkisten, das gehörte alles schon Gresini. Und wir hatten sogar die Zeit, zwei neue Auflieger für das kommende Jahr zu organisieren. Beim ersten europäischen Grand Prix 2022 in Portimão werdet ihr zwei brandneue Doppeldecker-Trailer sehen», verriet Merlini gegenüber SPEEDWEEK.com. «Ich möchte auch daran erinnern, dass wir vor unserer Aprilia-Ära von 1997 bis 2014 ein Honda-Satellitenteam geführt haben. Wir sind jetzt sozusagen wieder das, was wir vor unserer Zeit mit Aprilia waren», betonte der Italiener.

Eines ist klar: Padovani, Merlini, ihre Söhne Luca und Lorenzo sowie der neue Sportdirektor Michele Masini rechnen natürlich mit respektablen Erfolgen von Bastianini und Rookie Di Giannantonio.
Und dann wird vielleicht eines Tages ein neuer Hauptsponsor auf den hellblauen Desmosedici-Bikes prangen.

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