MotoGP: Das hatte Ducati anders geplant

Jack Miller: Viel Lob und Respekt für Bastianini

Von Günther Wiesinger
Jack Miller macht kein Geheimnis daraus, dass ihn in den letzten Runden in Texas die Kräfte verliessen. Sieger Enea Bastianini offenbarte eine bessere Rennstrategie.

Jack Miller bescherte dem italienischen Ducati-Lenovo-Werksteam auf dem 5,5 km langen Circuit of The Americas» (COTA) den ersten Podestplatz in dieser Saison, er rückte in der Fahrer-WM vom elften auf den siebten Platz nach vorne. Sein Teamkollegen Bagnaia liegt in der WM an 13. Position, er hat bisher acht Punkte weniger eingesammelt als der 27-jährige Australier.

Doch Vizeweltmeister Bagnaia, der 2021 vier der letzten sechs Rennen gewonnen und im Saisonfinish fünf Pole-Positions in Serie erzielt hat, hat bereits einen neuen Ducati-Werksvertrag bis Ende 2024 unterschrieben, Miller noch nicht. Und es ist kein Geheimnis, dass ihm WM-Leader Enea Bastianini und Pole-Sitter Jorge Martin seinen Platz streitig machen werden.

«In der Weltmeisterschaft ist noch gar nichts entschieden, sie dauert so lange, wir haben noch 17 Grand Prix vor uns», gab JackAss zu bedenken, der in der MotoGP schon 16 Podestplätze eingeheimst hat. «Es kann noch so viel passieren… Wir reden ja von der MotoGP-WM 2022. Bisher sind zwölf Podestplätze vergeben worden, und ich war der zehnte unterschiedliche Fahrer, der in dieser Saison in die Top-3 gekommen ist. Das sagt alles. Diese Meisterschaft ist völlig offen. Die wahre Meisterschaft beginnt erst nach unserer Rückkehr nach Europa.»

«Insgesamt bin ich wirklich happy mit dem Ergebnis hier in Texas sehr zufrieden. Ich war bei diesem WM-Lauf schon 2019 als Dritter auf dem Podest», blickte der Ducati-Star zurück. «Das war ein solides Rennen, ich habe gepusht und mich heftig gewehrt. Ich habe meine Zeit in Texas genossen.»

Aber was macht der 24-jährige Enea Bastianini anders mit der Ducati als Martin, Bagnaia, Miller, Zarco & Co,? Er hat ja schon 2021 als Rookie bei den letzten sechs Rennen gegenüber seinen Startplätzen nicht weniger als 49 Positionen wettgemacht!

«Wenn ich wüsste, was Enea besser macht, würde ich ihn nachahmen», hielt Jack fest. «Er fährt sehr gut. Wenn er mich überholt, sticht mir seiner aussergewöhnlicher Fahrstil ins Auge. Er sitzt sehr zentral auf dem Motorrad, sein Kopf ist weit Richtung Kurveninnenseite abgewinkelt. Sein Bike bewegt sich unter ihm, das siehst du, aber es funktioniert für ihn, er bleibt dabei richtig fokussiert und ruhig. Und natürlich ist er ein Mann im Taschenformat, ein ‘pocket man’, ein kleiner Kerl. Deshalb ist er auf den Geraden sehr schnell; das lässt sich nicht bestreiten. Das geringe Gewicht kommt ihm bei den schnellen Richtungswechseln entgegen. Wenn du jedes Mal 10 kg mehr aufrichten und umwerfen musst, ist das körperlich anstrengend.»

Bastianini räumte ein, dass er sich in den ersten Rennrunden auf Platz 3 hinter Miller und Martin zurückgehalten habe, weil er wusste, diese Piste stelle körperlich sehr hohe Ansprüche. Ist die GP21 aus dem Vorjahr womöglich auch leichter zu handhaben als die neue GP22?

Miller: «Die 2022-Ducati ist vielleicht von der Aerodynamik her besser. Aber dieser Vorteil kommt eher im letzten Sektor zur Geltung. Der erste Sektor ist dafür am anstrengendsten. Ich habe am Schluss das Gefühl, meine Füße hängen nur noch kraftlos runter. Meine Knöchel war steif, ich musste mich bei jedem Schaltvorgang anstrengen. Trotzdem habe ich den ersten Sektor im Rennen meistens gut im Griff gehabt, vor allem wenn man den starken Wind berücksichtigt. Aber durch den Wind bin ich manchmal recht gut durch den ersten Sektor gekommen, beim nächsten Mal hat mich eine Windböe erwischt, die mich in Kurve 4 fast vom Motorrad geblasen hat. Dort lag nach dem Moto2-Rennen auch eine Ölspur, die du dann überqueren musstest. Man musste an dieser Stelle das ganze Rennen lang den Atem anhalten, wenn man diese Ölspur überfahren hat. Aber in Texas musst du den Atem auch dauernd anhalten, wenn ein Öl auf der Strecke liegt.»

MotoGP-Ergebnis, Austin (10. April):

1. Bastianini, Ducati, 20 Rdn in 41:23,111 min (159,8 km/h)
2. Rins, Suzuki, + 2,058 sec
3. Miller, Ducati, + 2,312
4. Mir, Suzuki, + 3,975
5. Bagnaia, Ducati, + 6,045
6. Marc Márquez, Honda, + 6,617
7. Quartararo, Yamaha, + 6,760
8. Martin, Ducati, + 8,441
9. Zarco, Ducati, + 12,375
10. Viñales, Aprilia, + 12,642
11. Aleix Espargaró, Aprilia, + 12,947
12. Brad Binder, KTM, + 13,376
13. Pol Espargaró, Honda, + 17,961
14. Nakagami, Honda, + 18,770
15. Dovizioso, Yamaha, + 29,319
16. Morbidelli*, Yamaha, + 29,129
17. Marini, Ducati, + 29,630
18. Oliveira, KTM, + 32,002
19. Fernández, KTM, + 37,062
20. Gardner, KTM, + 42,442
21. Di Giannantonio, Ducati, + 42,887
22. Darryn Binder, Yamaha, + 1:42,171 min
– Alex Márquez, Honda
– Bezzecchi, Ducati

*= 1 Platz zurück («track limits» in der letzten Runde)

WM-Stand nach 4 von 21 Grand Prix:

1. Bastianini 61 Punkte. 2. Rins 56. 3. Aleix Espargaró 50. 4. Mir 46. 5. Quartararo 44. 6. Brad Binder 42. 7. Miller 31. 8. Zarco 31. 9. Oliveira 28. 10. Martin 28. 11. Pol Espargaró 23. 12. Bagnaia 23. 13. Marc Márquez 21. 14. Viñales 19. 15. Morbidelli 14. 16. Nakagami 12. 17. Marini 10. 18. Bezzecchi 7. 19. Darryn Binder 6. 20. Alex Márquez 4. 21. Dovizioso 3. 22. Gardner 1.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 86 Punkte. 2. KTM 59. 3. Suzuki 57. 4. Aprilia 51. 5. Yamaha 44. 6. Honda 34.

Team-WM:

1. Suzuki Ecstar 102 Punkte. 2. Red Bull KTM Factory 70. 3. Aprilia Racing 69. 4. Gresini Racing MotoGP 61. 5. Pramac Racing 59. 6. Monster Energy Yamaha 58. 7. Ducati Lenovo 54. 8. Repsol Honda 44. 9. Mooney VR46 Racing 17. 10. LCR Honda 16. 11. WithU Yamaha RNF 9. 12. Tech3 KTM Factory 1.

 


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