KymiRing ist startklar: MotoGP-Test am 13./14. Juni

Von Günther Wiesinger
Am 10. Juli wird auf dem neuen KymiRing der Finnland-GP stattfinden. Es gibt Kritik am Streckenlayout, das Geld ist knapp, die Teams klagen über die hohen Fährkosten.

Obwohl von manchen Teams in den letzten Wochen immer wieder skeptische Stimmen laut wurden, wird der erste Motorrad-GP von Finnland seit 1982 (damals wurde auf dem gefährlichen Straßenkurs in Imatra gefahren) jetzt am 10. Juli auf dem neuen KymiRing wie geplant stattfinden. Jedenfalls laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Und am 13./14. Juni 2022 wird auf der 4,6 km langen Rennstrecke, die in der Nähe von Iitti gebaut wurde, rund 110 km nordöstlich von Helsinki, sogar ein weitere MotoGP-Test stattfinden, allerdings nur mit den Testfahrern von Honda, Yamaha, Suzuki, KTM, Ducati und Aprilia. In dieser Konstellation wurde auf dem KymiRing bereits im August 2019 getestet, als die Piste noch einer Baustelle gleichkam.

Inzwischen haben auf dem KymiRing bereits einige Veranstaltungen stattgefunden, zum Beispiel Läufe zur Finnischen Superbike-Meisterschaft. Red Bull-KTM-Testfahrer Mika Kallio gehört übrigens zu den heftigsten Kritikern des langweiligen Streckenlayouts.

Das Design der GP-Rennstrecke, die schon im August 2020 den finnischen Grand Prix beheimaten sollte, wurde vom KymiRing- Circuit-Direktor Timo Pohjola und von der britischen Firma APEX Circuit Design gemeinsam ausbaldowert. APEX hatte bis dahin keine Grade-A-Rennstrecke für die MotoGP-WM entwickelt und konstruiert. Wegen der Corona-Pandemie musste der Finnland-GP 2020 und 2021 abgesagt werden.

Auch Stefan Bradl bemängelt die langweilige Streckenführung des KymiRings, denn es existiert nur eine Gerade, die ihrem Namen gerecht wird, man ist in der MotoGP-Klasse die meiste Zeit im zweiten Gang unterwegs. Es gibt auf den 4,6 km nur eine Dritte-Gang-Kurve, das ist Turn 2 im ersten Sektor.

«Ich habe schon beim Test 2019 öffentlich gesagt, man müsse die Strecke umbauen, es gibt keine andere Möglichkeit», betont Mika Kallio.

Doch die Strecke wurde seither nicht geändert, obwohl alle Testfahrer im Grunde den gleichen Eindruck gewannen, jeder hatte dasselbe Gefühl, die Meinungen waren völlig identisch.

Kallio: «Man fährt von Turn 5 bis zur Zielkurve immer in Schräglage, man biegt dauernd in eine Kurve ein, es gibt keine Gerade zwischen diesen Kurven. Es existiert zwar eine Gerade, die 1 km lang ist. Man kann also sagen, der erste Sektor und diese lange Gerade sind in Ordnung. Aber danach ist der ganze Streckenverlauf für die MotoGP viel zu langsam. Wir können diesen Eindruck auch mit unseren Datenaufzeichnungen beweisen. Man muss sich also nicht nur auf das Gefühl der Fahrer verlassen.»

Kallio meint, der KymiRing sei auch technisch keine anspruchsvolle Piste, denn die Fahrer müssen nur selten schalten. Sie können die meiste Zeit im zweiten Gang fahren.

Kallio befürchtet, die Rennen auf dem KymiRing könnten sehr langweilig werden, weil es kaum Überholmöglichkeiten gibt.

Kallio: «Wenn du zwischen den Kurven keine Geraden einbaust, besteht nicht die geringste Möglichkeit, unterschiedliche Linie zu wählen, es gibt dann nur eine Ideallinie. Bei all diesen Richtungswechseln gibt es nur eine Linie. Der Fahrer hinter dir hat keine Chance, eine andere Linie zu nehmen, denn zwischen den Kurven sind die Abstände zu kurz, er hat keine Zeit. Das macht die Piste knifflig und kompliziert. Ich weiß nicht, wo man im Rennen überholen könnte.»

Der Spanier Tomé Alfonso, ehemaliger Direktor des MotorLand Aragón, hat die finnische Piste zuletzt fast im 2-Wochen-Ryhthmus inspiziert. Er hat an der weitgehend fertig gestellten Infrastruktur momentan nichts auszusetzen.

Der KymiRing-Promoter hat einst mit Tausenden Zuschauern aus Russland gerechnet, die jetzt natürlich nicht einreisen können. Deshalb bleibt abzuwarten, ob der Grand Prix im Juli ein wirtschaftlicher Erfolg wird.

Besonders die privaten GP-Teams in den Klassen Moto3 und Moto2 zerbrechen sich über die hohen Reisekosten den Kopf. Obwohl die Dorna die Kosten für die Team Working Trucks bezahlt, die bei € 4000.- pro Fahrzeug liegen, belaufen sich die Fährkosten pro Motorhome auf € 1000.- Die gleiche Summe wird für Hospitality-Trailers und Support Trucks fällig, für Service Company-Fahrzeuge müssen sogar € 2000.- bezahlt werden. Dazu kommen € 300.- für jeden Zusatz-Chauffeur. Vans und Privatautos werden pro Meter bezahlt, hier liegt der Preis pro Meter bei € 100.22 und € 11.35 pro Fahrzeug, dazu kommen € 3.22 pro Tonne. Die Dorna hat bei diesen Beträgen bereits einen saftige Mengenrabatt ausgehandelt. 

Ursprünglich sollte der KymiRing-GP künftig jeweils im Juli an zwei aufeinanderfolgenden Wochenende gemeinsam mit dem Russland-GP auf dem Igora Drive Circuit bei St. Petersburg stattfinden. Doch dieser Plan musste zuerst verschoben werden, weil die World Anti-Doping Agency (WADA) alle namhaften Sportveranstaltungen in Russland untersagt hat.

Die Dorna-Funktionäre und Liberty-Media-Chef Stefan Domenicali hatten dann geplant, 2023 den Russland-GP für MotoGP und Formel 1 auf dem Igora Circuit auszutragen. Putin befürwortete diese Absicht, denn er kommt aus St. Petersburg und ist mit dem Streckenbesitzer und Investor Yury Kovalchuk, einem Milliardär und Besitzer Rossiya Bank, eng befreundet.

Doch nach dem Einmarsch der Russischen Föderation in der Ukraine ist dieses Thema wohl für immer beerdigt worden.

Der GP-Kalender 2022

06. März: Losail Circuit/Katar
20.
März: Mandalika Street Circuit/Indonesien
03. April: Termas de Río Hondo/Argentinien
10. April: Circuit of The Americas/Texas
24.
April: Portimão/Portugal
01. Mai: Jerez/Spanien
15. Mai: Le Mans/Frankreich
29. Mai: Mugello/Italien
05. Juni: Catalunya/Spanien
19. Juni: Sachsenring/Deutschland
26. Juni: Assen/Niederlande
10. Juli: KymiRing/Finnland
07. August: Silverstone/GB
21. August: Red Bull Ring/Österreich
04. September: Misano/Italien
18. September: MotorLand Aragón/Spanien 
25. September: Motegi/Japan
02. Oktober: Buriram/Thailand
16. Oktober: Phillip Island/Australien
23. Oktober: Sepang/Malaysien
06. November: Valencia/Spanien



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