Luca Marini (Ducati/9.): «Ich fühlte mich wie Fabio»

Von Nora Lantschner
Luca Marini vor Maverick Viñales

Luca Marini vor Maverick Viñales

Obwohl Luca Marini auf der neuen Ducati GP22 sitzt, klagt der Mooney-VR46-Fahrer über Mühe in der Beschleunigung und beim Überholen: «Michelin muss sich auf den Vorderreifen konzentrieren, damit die Show besser wird.»

In einem sturzreichen Rennen fuhr Luca Marini am Sonntag von Startplatz 15 sein erstes Top-10-Ergebnis der Saison ein. «Ich muss mit meinem Gefühl auf dem Motorrad zufrieden sein», analysierte er im Anschluss. «Das war vielleicht das erste Rennen, in dem ich schnell war. Besonders dann, wenn ich allein unterwegs war. Hinter anderen Fahrern ist es für mich jetzt sehr schwierig zu überholen. In allen Beschleunigungsphasen verliere ich viel. Auch wenn ich auf der Bremse stärker bin als die anderen, komme ich mit zu vielen Metern Rückstand zum nächsten Bremspunkt. Es ist also nicht möglich, einen anderen Fahrer zu überholen, wenn ich ihn nicht abräumen will.»

«Mit dem Ergebnis bin ich nicht so zufrieden, weil ich das Gefühl hatte, dass wir mehr schaffen können», kommentierte der Ducati-Pilot aus dem Mooney VR46 Racing Team seinen neunten Rang. «Wir können mit Sicherheit in die Top-5 fahren, aber etwas geht uns noch ab. Dennoch bin ich glücklich mit diesem Rennen, weil die Bereiche, in denen wir arbeiten müssen, klar waren. Wir können es ein bisschen besser machen. Wir können das Motorrad und vor allem die Elektronik noch mehr verbessern, um weiter vorne zu sein.»

«Danach muss man natürlich im Q2 sein, um ein gutes Rennen zeigen zu können», weiß der Bruder von Valentino Rossi. «Mit unseren Reifen ist es wirklich schwierig zu überholen, weil der Reifendruck und die Reifentemperatur steigt. Auf der Bremse ist das Überholen schwierig, weil jeder sehr spät bremst. Diese MotoGP-Bikes sind unglaublich – und auch die Reifen sind unglaublich. Michelin hat aus meiner Sicht mit dem Hinterreifen einen großartigen Job gemacht und ihn im Vergleich zu 2019 stark verbessert. Jetzt müssen sie sich aber auf den Vorderreifen konzentrieren, damit wir eine bessere Show liefern. Denn so bleibt man nur hinter einem Fahrer und wartet darauf, dass er einen Fehler macht. Wenn er keine Fehler macht, ist das Überholen unmöglich.»

Marini nannte ein konkretes Beispiel: «Ich glaube, in dieser Saison, aber auch schon im Vorjahr, bin ich der Fahrer, den Viñales am meisten hasst», schmunzelte er. «Jedes Mal, wenn er hinter mir ist, versuche ich ihn nicht vorbeizulassen. Von der Rennpace her wäre er so viel schneller als ich, aber er kann mich nicht überholen, wohl wegen des Reifendrucks oder des Gefühls zur Front. Wenn du 27 Runden lang keinen Fehler machst, kann der Fahrer hinter dir nicht überholen – außer du hast auf den Geraden einen viel höheren Speed. Das ist im Moment aber nicht mein Fall.»

Das ist für einen Ducati-Piloten eine ungewöhnliche Aussage. «Ja, das ist merkwürdig», bestätigte der 24-jährige Italiener. «Ich weiß nicht warum. Vielleicht liegt es daran, dass ich größer bin oder mehr wiege als die anderen Fahrer. Es könnte eine Option sein, ein Mindestgewicht für Fahrer plus Motorrad vorzugeben. Wenn Carmelo [Ezpeleta] oder die IRTA das machen wollen, könnte es meiner Meinung nach fairer sein. Das gibt es auch in anderen Sportarten und anderen Motorrad-Klassen, zum Beispiel in der Moto2. Ich weiß, dass es für Petrucci ähnlich war», erinnerte der Moto2-Vizeweltmeister von 2020. «Ich weiß aber nicht, ob das tatsächlich das Problem ist oder ob es an etwas anderem liegt. Es könnte aber ein Anfang sein.»

«Wenn ich mir eine Runde anschaue, dann fehlt mir der Speed auf der Start-Ziel-Geraden, danach der Speed zwischen Kurve 6 und 7 und zwischen 7 und 8, dann zwischen 8 und 9», zählte Marini nach dem 27-Runden-Rennen auf dem Circuit Bugatti auf. «Ich bremse jetzt sehr spät, weil unser Motorrad in der Hinsicht fantastisch ist. Ich versuche, diese Stärke zu nutzen, und habe mich in dem Bereich deutlich verbessert. Vielleicht fehlt mir im letzten Part der Bremsphase noch etwas, wir arbeiten aber daran. Nach diesem Rennen verstehen wir besser, wie wir diese Phase managen und verbessern können.»

«Wir finden aber nicht heraus, warum ich in der Beschleunigung so viel verliere», grübelte der VR46-Fahrer. «Es ist die Beschleunigung, nicht die letzten Meter einer Geraden, wenn du den sechsten Gang einlegst. Ich verliere im zweiten, dritten und vierten Gang. Ducati schaut sich mit Sicherheit die Daten an und versucht, einen Weg zu finden, um mir zu helfen. Denn ich habe das Gefühl, dass es das ist, was mir fehlt, weil ich nicht überholen kann. Ich fühlte mich wie Fabio [Quartararo]. Es ist sehr schwierig, einfach nur deine Position zu managen, keine Fehler zu machen und den Fahrer hinter dir nicht vorbeizulassen.»

MotoGP-Ergebnis, Le Mans (15. Mai):

1. Bastianini, Ducati, 27 Rdn in 41:34,613 min
2. Miller, Ducati, + 2,718 sec
3. Aleix Espargaró, Aprilia, + 4,182
4. Quartararo, Yamaha, + 4,288
5. Zarco, Ducati, + 11,139
6. Marc Márquez, Honda, + 15,155
7. Nakagami, Honda, + 16,680
8. Brad Binder, KTM, + 18,459
9. Marini, Ducati, + 20,541
10. Viñales, Aprilia, + 21,486
11. Pol Espargaró, Honda, + 22,707
12. Bezzecchi, Ducati, + 23,408
13. Di Giannantonio, Ducati, + 26,432
14. Alex Márquez, Honda, + 28,710
15. Morbidelli, Yamaha, + 29,433
16. Dovizioso, Yamaha, + 38,149
17. Darryn Binder, Yamaha, + 59,748
– Oliveira, KTM, 3 Runden zurück
– Bagnaia, Ducati, 7 Runden zurück
– Martin, Ducati, 11 Runden zurück
– Mir, Suzuki, 14 Runden zurück
– Fernández, KTM, 21 Runden zurück
– Rins, Suzuki, 22 Runden zurück
– Gardner, KTM, 24 Runden zurück

WM-Stand nach 7 von 21 Grand Prix:

1. Quartararo 102 Punkte. 2. Aleix Espargaró 98. 3. Bastianini 94. 4. Rins 69. 5. Miller 62. 6. Zarco 62. 7. Bagnaia 56. 8. Brad Binder 56. 9. Mir 56. 10. Marc Márquez 54. 11. Oliveira 43. 12. Pol Espargaró 40. 13. Viñales 33. 14. Nakagami 30. 15. Martin 28. 16. Marini 21. 17. Morbidelli 19. 18. Bezzecchi 19. 19. Alex Márquez 18. 20. Dovizioso 8. 21. Darryn Binder 6. 22. Di Giannantonio 3. 23. Gardner 3.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 156 Punkte. 2. Yamaha 102. 3. Aprilia 99. 4. KTM 84. 5. Suzuki 80. 6. Honda 67.

Team-WM:

1. Aprilia Racing 131 Punkte. 2. Suzuki Ecstar 125. 3. Monster Energy Yamaha 121. 4. Ducati Lenovo 118. 5. Red Bull KTM Factory 99. 6. Gresini Racing MotoGP 97. 7. Repsol Honda 94. 8. Pramac Racing 90. 9. LCR Honda 48. 10. Mooney VR46 Racing 40. 11. WithU Yamaha RNF 14. 12. Tech3 KTM Factory 3.

Diesen Artikel teilen auf...

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Strafen: Geht MotoGP zu sehr in Richtung Formel 1?

Günther Wiesinger
Dass MotoGP-Weltmeister Fabio Quartararo nach dem misslungenen Überholmanöver gegen Aleix Espargaró in Assen neben dem Nuller noch mit einem Long-Lap-Penalty bestraft wurde, wirft Fragen auf.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Do.. 07.07., 00:15, ORF Sport+
    Schätze aus dem ORF-Archiv
  • Do.. 07.07., 00:45, Motorvision TV
    IMSA WeatherTech SportsCar Championship 2022
  • Do.. 07.07., 01:45, Hamburg 1
    car port
  • Do.. 07.07., 03:45, Hamburg 1
    car port
  • Do.. 07.07., 05:05, Motorvision TV
    FIM World Motocross Champiomship
  • Do.. 07.07., 05:30, Puls 4
    Café Puls mit PULS 4 News
  • Do.. 07.07., 05:35, Motorvision TV
    Top Speed Classic
  • Do.. 07.07., 05:45, Hamburg 1
    car port
  • Do.. 07.07., 06:00, ORF Sport+
    silent sports +
  • Do.. 07.07., 06:00, Puls 4
    Café Puls mit PULS 4 News
» zum TV-Programm
4AT