GASGAS in der MotoGP: Was alles dagegen spricht

Von Günther Wiesinger
Die Pierer Mobility AG hätte zwar genug Talente für ein drittes MotoGP-Team, man denke nur an Acosta und Garcia. Aber für einen Einstieg mit GASGAS müsste eine eigene Motorradentwicklung betrieben werden.

Nächstes Jahr wird das MotoGP-Teilnehmerfeld wegen des Suzuki-Rückzugs von 24 auf 22 Fahrer schrumpfen. Auch in den Jahren 2019, 2020 und 2021 nahmen nur 22 Fahrer teil, nachdem sich Marc VDS Honda wegen des Michael-Bartholemy-Skandals aus der MotoGP-WM zurückgezogen und das Petronas-SIC-Yamaha-Team die beiden Plätze von Aspar Martinez übernommen hatte. Die beiden Suzuki-Slots bleiben vorläufig für ein Werksteam reserviert, denn Teams wie Leopard können sowieso kein 10-Millionen-Budget für die «premier class» dauerhaft finanzieren.

Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta hofft schon lange auf eine MotoGP-Rückkehr des Riesenkonzerns Kawasaki Heavy Industries. Die Grünen sind Ende 2008 ausgestiegen und dominierten danach mit Jonathan Rea jahrelang die Superbike-WM. Doch Kawasaki zeigte bisher kein Interesse an der MotoGP, auch BMW scheut die Konfrontation in der Königsklasse, seit Dr. Herbert Diess für 2007 den Einstieg der Bayern in der neuen 800-ccm-Klasse angekündigt und nie vollzogen hat. Auch die Hersteller Mahindra (Indien) und Caterham (Malaysia) fantasierten über einen MotoGP-Einstieg, sogar Norton und MV Agusta. Aber diese beiden Werke hielten nicht einmal in der Moto3- und Moto2-WM lange durch.

Dafür hat Stefan Pierer, der Vorstandsvorsitzende der Pierer Mobility AG mit den Marken KTM, Husqvarna und GASGAS, bereits 2021 die Möglichkeit erörtert, mit der ursprünglich spanischen Marke GASGAS den «Ready to Race»-Slogan in allen drei GP-Klassen zu verwirklichen und in absehbarer Zeit auch an der MotoGP-WM teilzunehmen.

Eigene Entwicklung für GASGAS

Doch der Pierer Mobility-Konzern müsste für die MotoGP-WM ein eigenständiges neues Rennmotorrad bauen. Mit einer umlackierten KTM (wie es in der Moto3 für Husky und GASGAS erlaubt ist) würde GASGAS nicht als MotoGP Factory Team akzeptiert werden.

«Wir hätten zwar mit Sergio Garcia und Pedro Acosta zwei spanische Talente, die irgendwann in die MotoGP-WM aufsteigen werden», sagt Pit Beirer, Motorsport Direktor von KTM, Husky und GASGAS, der gerade bewundernd miterlebt, wie Ducati mit vier Teams und sechs Siegfahrern in der MotoGP-Klasse für Furore sorgt.

Ducati hat bei Pramac längst ein echtes zweites Werksteam mit Topfahrern installiert und kämpft dazu mit Gresini-Ducati-Star Enea Bastianini um den WM-Titel, während bei Gresini noch Platz für Neuling Di Giannantonio ist und sich bei Mooney VR46-Ducati weitere Talente wie Marini und Bezzecchi tummeln.

«Wir sehen momentan, dass die Nachwuchsförderung bei aller Motivation für unsere MotoGP Academy mit den Junior-Teams bei Aki Ajo, Tech3 und so weiter, ein sehr teures Projekt ist», räumt KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer ein. «Und wenn du bei Tech3 mit zwei Rookies wie Remy und Raúl aufgestellt bist und es gerade nicht so richtig läuft, tust du dir schwer, dass irgendein Fahrer im Team einmal anfängt, die Richtung vorzugeben. Zwei MotoGP-Rookies in einem Rennstall zu haben, das ist eine Mammutaufgabe, die wir unterschätzt haben, wenn ich ehrlich bin. Das hat sich in dieser Saison gezeigt. Deshalb wird ein KTM-MotoGP-Team mit zwei Rookies für die Zukunft nicht mehr die wahre Lösung sein.»

Also wäre ein drittes MotoGP-Team für das österreichische Unternehmen irgendwann doch reizvoll?

Beirer: «Die Dorna hat kommuniziert, dass die beiden ab 2023 zwei vakanten Plätze nicht mit irgendeinem Satellitenteam belegt werden. Es kommt nur ein Factory Team in Frage. Das bedeutet in der MotoGP, man müsste eine komplette eigene Entwicklung betreiben. Wir haben momentan nicht geplant, jetzt noch die Kapazitäten für eine zusätzliche MotoGP-Bike-Entwicklung auf die Beine zu stellen. Somit würde ich unser Unternehmen jetzt nicht in die vorderste Reihe stellen, wenn es um die Übernahme der zwei Plätze von Suzuki geht. Die Dorna ist auf der Suche und in Verhandlungen mit anderen Herstellern.»

«Aber die Lücke wird nicht so einfach zu schließen sein», ist Pit Beirer überzeugt. «Denn als neuer MotoGP-Hersteller brauchst du zwei bis drei Jahre Vorbereitungszeit, bevor so ein Schritt überhaupt möglich ist.»

Das bedeutet: Ein neues Werk wie Kawasaki oder BMW könnte frühestens 2025 einsteigen, das aktuelle Technik-Reglement ist aber nur bis Ende 2026 festgeschrieben. Danach könnte wieder eine neue Entwicklung nötig werden, für den «Bio Fuel» auf jeden Fall, der für 2027 vorgeschrieben wird.

«Ich sehe momentan keine Möglichkeit, wie diese zwei MotoGP-Plätze auf die Schnelle ersetzt werden können», ergänzte Beirer.

Pit Beirer: «Sind mit vier Fahrern ausgelastet»

Wie stark müsste sich eine MotoGP-GASGAS von der KTM RC16 unterscheiden? Würde es nicht reichen, den Zylinderwinkel etwas zu verändern oder das Bohrung-Hub-Verhältnis?

«Mit solchen Details, an welchem Rande des Reglements wir dann als eigener Hersteller gelten würden, haben wir uns noch nicht beschäftigt», versicherte Pit Beirer im Interview mit SPEEDWEEK.com. «Wir sind vorläufig mit dem MotoGP-Projekt mit vier Fahrern in zwei Teams echt gut ausgelastet. Wir haben eine großartige Partnerschaft mit Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal. Momentan bringen wir in der MotoGP nicht die Resultate, die wir uns als Ziel gesetzt haben. Deshalb brauchen wir momentan kein drittes MotoGP-Team.»

Konzernchef Stefan Pierer hat jedoch in den letzten zehn Jahren nicht nur Husqvarna aufgekauft, sondern auch GASGAS, dazu verhandelte er mehrmals mit der Volkswagen-Gruppe über den Kauf von Ducati.

Könnte der größte europäische Motorradhersteller nicht Anteile der im Niedergang befindlichen Motorradmarke Suzuki kaufen oder zumindest die gesamte MotoGP-Technologie mit dem Reihenmotor der GSX-RR?

Pit Beirer schweigt sekundenlang.

Dann erwidert er: «Stefan Pierer entwickelt und baut seine Motorräder gerne selber.»

Übrigens: Die Pierer Industrie AG mit Sitz in Wels/Österreich hat im Juni 2018 ihren Anteil an der Firma Pankl Racing Systems AG auf 98,2 Prozent erhöht. Pierer war aber schon 2016 Großaktionär von Pankl, als diese Engineering Company in der Steiermark den nicht konkurrenzfähigen neuen Suzuki-Reihenmotor im Auftrag der Japaner konkurrenzfähig machte.

Maverick Viñales sorgte in Silverstone 2016 beim zweiten Auftritt mit diesem in der Österreich modifizierten Triebwerk für den ersten GP-Sieg der neuen GSX-RR, die 2015 in der MotoGP-WM debütiert hat.

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