Stefan Bradl (Honda): «Die Wunden sind verheilt»

Von Günther Wiesinger
Stefan Bradl schilderte noch einmal die Strapazen vom Deutschland-GP. Teamkollege Pol Espargaró musste sein Pressegespräch absagen: Privatflieger defekt.

Stefan Bradl hat bei der Dutch-TT in Assen noch nie einen durchschlagenden Erfolg gefeiert. Sein bestes MotoGP-Ergebnis erzielte er hier 2016 auf der Werks-Aprilia mit Rang 7. Und die LCR-Honda steuerte er in Assen 2014 im Rennen immerhin auf Position 10 ins Ziel.

Stefan Bradl hat mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass morgen bei der Dutch-TT in Assen mit viel Regen zu rechnen ist, nachdem heute noch fast 30 Grad gemessen wurden. «Welcome to the Netherlands», grinste der Honda-Pilot.

Durch den Wetterumschwung muss der Repsol-Honda-Werksfahrer immerhin nicht befürchten, dass sein rechter Fuß wieder verschmort wird wie in den 30 Rennrunden beim GP von Deutschland am vergangenen Sonntag.

«Die Brandwunden auf meinem rechten Fuß sind gut verheilt», stellte der Bayer fest. «Die Behandlung und die Brandsalbe haben geholfen. Ich hatte Glück, dass es keine Brandblasen gegeben hat. Dadurch sind die Wunden schneller verheilt.»

Der 32-jährige MotoGP-Routinier erzählte, die Schmerzen beim Fahren seien am Sonntag bereits nach 15 Rennrunden losgegangen und allmählich unerträglich geworden. «Ab Halbzeit hatte ich wirklich Mühe.»

Pol Espargaró klagte schon 2021 beim Sachsenring-GP über den Hitzestau. Bradl: «Der Sachsenring mit den vielen Linkskurven verstärkt die Problematik mit der Hitze. Der Auspuff führt rechts unter der Fußraste raus. Es hört sich seltsam an, aber in Rechtskurven konnte ich mich ein bisschen erholen. Denn dort wurde mehr Frischluft auf den Fuß geblasen. Und wenn man beide Knie wegstreckt, kriegst du etwas Airflow, also Luftzug. In den Linkskurven war es schlimm. Und da ich so weit hinten war, hat es niemand gesehen, dass ich manchmal meinen rechten Fuß locker auf die Raste gestellt habe. Weil ich die Hinterradbremse wegen meines brennenden Fußes sowieso nicht mehr kontrollieren und betätigen konnte.»

Bradl, der in Assen 2016 mit der Werks-Aprilia auf Rang 7 und als LCR-Honda-Fahrer 2014 immerhin auf Position 10 ins Ziel kam, hatte gemeinsam mit den Technikern von Dainese bereits vor dem Rennen alles Menschenmögliche getan, um die Strapazen zu mildern. Doch es nützte nichts, auch nicht bei Pol Espargaró, der ebenfalls von Dainese (Leder, Stiefel, Handschuhe, Airbag, Protektoren) ausgerüstet wird.

«Wir haben bei der Fahrerausrüstung alles getan, was getan werden konnte», versicherte Stefan. «Schon im Training haben wir ein paar Schutzschilde am Bike angebracht und meinen Fuß im Stiefel mit einem Spezialtape bandagiert. Es hat alles nichts genutzt. Honda muss da etwas unternehmen, das habe ich auf dem Sachsenring klar gesagt: Als Fahrer leidet man sonst so stark, dass man sich nicht aufs Fahren und das Kontrollieren des Motorrads konzentrieren kann.»

«Ich habe auch die Probleme mit dem Fußbremshebel nicht erwartet. Er wurde so unglaublich heiß, dass ich jedes Gefühl verloren habe», schilderte Stefan. «Dadurch verlierst du im Grunde die Kontrolle über das Motorrad; ich konnte hinten nicht mehr bremsen. Also musste ich die Vorderleute wegfahren lassen, sonst wäre ich gestürzt. Am schlimmsten war es im Windschatten. In den ersten drei Runden bin ich gestorben. Das Atmen war nicht das Problem. Beim Bremsen für Turn 1 ist der Hebel nicht abgekühlt. Das war das erste Problem. Dazu kam, dass der Fuß verbrannte. Ich habe in Sachsen klar gesagt, dass solche Zustände für einen Fahrer inakzeptabel sind. Deshalb wollte ich das Rennen ja aufgeben, was normal nicht meine Art ist. Bei anderen Hitzerennen habe ich auch gelitten. Aber Brandwunden habe ich bisher nie erlitten. Sie beeinträchtigen deine Fahrweise.»

«Ich habe den Honda-Ingenieuren alle Informationen gegeben. Ich habe anfangs der Woche noch ein paar Telefongespräche geführt. Jetzt ist es höchste Zeit, dass sich etwas ändert», erklärte der siebenfache GP-Sieger. «Wir dürfen solche Probleme in Zukunft nicht mehr haben. Wir müssen etwas tun, besonders für den rechten Fuß. Das waren wirklich massive Probleme. Aber ich bin sicher: Die Honda-Ingenieure werden eine Lösung finden. Jetzt schauen wir nach vorne. Hier in Assen wird es mit der Hitze kein Problem geben. Wir müssen mit dem jetzigen Bike das Beste draus machen und wieder in die Spur kommen. Ich glaube, das ist machbar. Es gab schon einige Rückschläge in meiner Karriere, auch Honda hatte bestimmt schon mehrere. Jetzt muss halt gehandelt werden.»

Übrigens: Repsol-Honda-Teamkollege Pol Espargaró musste sein Media Debrief heute absagen. Aber nicht weil er noch an den Sturzfolgen von Sachsen leidet, sondern weil sein gemietetes Privatflugzeug wegen eines technischen Defekts nicht rechtzeitig nach Groningen kam.

MotoGP-Fahrer-WM nach 10 von 20 Grand Prix:
1. Quartararo 172 Punkte. 2. Aleix Espargaró 138. 3. Zarco 111. 4. Bastianini 100. 5. Brad Binder 82. 6. Bagnaia 81. 7. Miller 81. 8. Rins 69. 9. Mir 69. 10. Oliveira 64. 11. Martin 61. 12. Marc Márquez 60. 13. Marini 52. 14. Vinales 46. 15. Pol Espargaró 40. 16. Nakagami 38. 17. Bezzecchi 35. 18. Alex Márquez 26. 19. Morbidelli 25. 20. Di Giannantonio 16. 21. Darryn Binder 10. 22. Dovizioso 10. 23. Gardner 9. 24. Raúl Fernández 5.

Konstrukteurs-WM:
1. Ducati 221 Punkte. 2. Yamaha 172. 3. Aprilia 139. 4. KTM 110. 5. Suzuki 93. 6. Honda 81.

Team-WM:
1. Monster Energy Yamaha 197 Punkte. 2. Aprilia Racing 184. 3. Prima Pramac Racing 172. 4. Ducati Lenovo Team 162. 5. Red Bull KTM Factory 146. 6. Suzuki Ecstar 138. 7. Gresini Racing 116. 8. Repsol Honda 100. 9. Mooney VR46 Racing 87. 10. LCR Honda 64. 11. WithU Yamaha RNF 20. 12. Tech3 KTM Factory 14.

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