Andrea Dovizioso blickt zurück: «Nicky war speziell»

Von Frank Weeink
Yamaha-Pilot Andrea Dovizioso steht vor dem letzten Grand Prix seiner Karriere. Bevor er nach dem MotoGP-Rennen in Misano den Helm an den Nagel hängt, blickte er zurück.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com sprach Andrea Dovizioso über einige Faktoren, die in seiner GP-Karriere eine wichtige Rolle spielten. Es geht um Strecken, Motorräder und Teamkollegen. Für den 36-jährigen Italiener endet in zehn Tagen, nach 346 Rennen, seine Karriere in der Motorrad-WM.

Glaubst du, dass der MotoGP-Klasse momentan etwas fehlt?

MotoGP hat sich verändert. Du gewinnst ein Rennen jetzt mit Geschwindigkeit. Es ist schwierig, viele Überholmanöver zu sehen, weil alle schnell sind und du mehr mit Rundenzeiten spielst als mit Strategien im Rennen oder der Strategie des Reifenverbrauchs. Wenn du im Training schnell bist, hast du schon den Speed gefunden, den du im Rennen mehr oder weniger halten kannst. Dies ist eine Folge des Reifenwechsels. Du kannst ein bisschen mehr pushen als in der Vergangenheit und bis zum Ende ein ähnliches Tempo halten. Deshalb gibt es in der MotoGP jetzt weniger Kämpfe. Es gibt viel Aerodynamik und das hilft nicht beim Überholen. Ich möchte nicht negativ darüber sprechen, es ist nur die Veränderung, die wir sehen.

Du hast so viele Rennstrecken in 21 Saison befahren, welche Strecke hast du am meisten genossen?

Es gibt mehr als eine. Ich finde Mugello verrückt. Der Kampf um den Sieg in Mugello (Dovizioso gewann 2017 das italienische MotoGP-Rennen, Anm. d. Red.) ist etwas, das ich nie vergessen werde, und es war etwas Verrücktes! Leider war ich dieses Jahr nicht konkurrenzfähig und es war nicht schön, weil es nicht viele Zuschauer gab. Es war ein ungewöhnliches Mugello, sehr seltsam. Wenn wir über das Layout der Strecke sprechen, ist Malaysia wirklich, wirklich gut. Ich habe dort 2016 und 2017 im Regen gewonnen (und Dovi stand 2008 in Sepang zum ersten Mal auf dem MotoGP-Podium, Anm. d. Red.). Katar ist keine wunderbare Strecke, aber ich war dort immer konkurrenzfähig (Dovi gewann 2018 und 2019 in Losail, wurde dreimal Zweiter und einmal Dritter, Anm. d. Red.). Und wenn du konkurrenzfähig bist, ist es immer schön. Du kannst dir also vorstellen, wie es dieses Jahr war!

Du hattest sehr viele Teamkollegen, Dani Pedrosa und Casey Stoner bei Repsol Honda, Nicky Hayden bei Ducati, Cal Crutchlow bei Tech3 Yamaha und Ducati, Andrea Iannone und Danilo Petrucci bei Ducati, Valentino Rossi bei Peronas Yamaha und Darryn Binder bei WithU RNF. Wer war dein bester Teamkollege?

Mein bester Teamkollege…

Und ich habe sogar noch Jorge Lorenzo vergessen…

Warum hast du Jorge Lorenzo vergessen? Es ist schwierig, nur einen zu nennen, denn ich hatte zu vielen eine gute Beziehung. Nicky war wirklich speziell, denn Nicky war einfach Nicky. Ein wahrer Amerikaner. So ruhig und doch emotional. Ich möchte keine Namen nennen. Es gab einige gute Dinge von vielen Teamkollegen. Aber nicht von jedem. Einige negative Dinge ebenfalls, denn es ist normal, wenn man gegeneinander fährt. Es ist schwierig, befreundet zu sein.»

Du bist mit der Honda RC213V, der Yamaha M1 in unterschiedlichen Ären und mit der Ducati von 2013 bis 2020 Rennen gefahren. Welches war das beste Bike, das du jemals gefahren bist?

Das beste Bike zu fahren ist das eine, aber das beste Motorrad ist immer das, auf dem du die besten Ergebnisse erzielt hast. Das ist ein Unterschied. Das beste Resultat kommt dann, wenn die Mischung aus dem Bike und dir gut ist, verglichen mit den Gegnern. Das bedeutet nicht, dass es das beste Bike ist, das du jemals gefahren bist. Aber 2018 habe ich das beste Gefühl mit einem Bike gehabt. Leider hatte ich zwei Nuller zu Beginn der Saison (Dovi stürzte in Jerez und Le Mans, Anm. d. Red.), das veränderte die Meisterschaft völlig. Ich war nicht in der Lage, bis zum Ende zu kämpfen. Es war meine beste Saison. Ich habe einige verrückte Rennen gefahren. Wenn ich ein gutes Gefühl hatte, mich für etwas anderes entschieden hatte, dann konnte ich das tun. Es war etwas ungewöhnlich. Es ist nicht gewöhnlich, wenn du an einem Sonntag aufstehst und dir sagst: «Heute wird mein Tag». Es war nicht normal, aber wirklich schön.

Die GP-Karriere von «Dovi»:

345 Rennen
24 Siege
39 zweite Plätze
40 dritte Plätze
20 Pole-Positions
22 schnellste Rennrunden
125-ccm-Weltmeister 2004 auf Honda
Fünfmal Vizeweltmeister (2006/07 in der 250-ccm-Klasse & 2017 - 2019 in der MotoGP)
Zweimal WM-Dritter (2005 in der 250-ccm-Klasse & 2011 in der MotoGP)

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