MotoGP-Kalender 2023 mit saftigen Überraschungen

Von Günther Wiesinger
Der Aragón-GP findet 2023 bereits am 28. Mai statt

Der Aragón-GP findet 2023 bereits am 28. Mai statt

Saisonstart in Portimáo, Aragón im Mai, Catalunya im September, dazu womöglich ein Kasachstan-GP im Juli und der Katar-GP im November: Der GP-Kalender 2023 sieht gewöhnungsbedürftig aus.

Schon 2022 waren zum ersten Mal in der GP-Geschichte 21 Motorrad-Grand Prix geplant, aber der KymiRing-Event wurde ersatzlos gestrichen. Für 2023 werden wieder 21 Grand Prix ins Programm genommen – wenn die Sokol-Circuit-Betreiber in Kasachstan zusagen.

Der Motorrad-GP-Kalender wird für nächstes Jahr in einigen Belangen kräftig umgekrempelt. So wird erstmals seit 2007 der Saisonstart nicht auf dem Losail Circuit in Doha/Katar stattfinden, weil dort die Boxenanlage bei Start/Ziel auf die gegenüberliegende linke Fahrbahnseite verlegt wird, damit für die Formel 1 im bisherigen Fahrerlager ein riesiges VIP-Village aufgebaut werden kann. Die Formel 1 wird dann ab 2023 (das Rennen 2023 findet am 8. Oktober statt) zehn Jahre lang in Katar auftreten.

Statt in Doha wird der MotoGP-Saisonauftakt 2023 erstmals in Portimão abgewickelt; der Termin steht mit 26. März fest. Danach geht es nach Termas de Río Hondo (Argentinien) und Texas. Das Oster-Wochenende vom 9. April wird rennfrei gehalten. Argentinien wird deshalb am 2. April stattfinden, Texas am 16. April.

Danach kehrt der GP-Tross für Jerez (30. April) nach Europa zurück, dann stehen die Rennen inklusive der Dutch-TT in Assen (26. Juni) in der üblichen Reihenfolge auf dem Kalender. Mit einer Ausnahme: Catalunya wechselt den Termin mit Aragón, weil die Formel 1 am 4. Juni in Montmeló gastieren wird.

Da die bisherigen KymiRing-Betreiber inzwischen 25 Millionen Schulden angehäuft haben und der Grand Prix schon dreimal abgesagt werden musste, ist die Rückkehr des Finnland-GP in den Kalender 2023 kein Thema mehr, obwohl inzwischen ein neuer Investor gefunden wurde.

Die Dorna hatte den Finnen ein Ultimatum gestellt: Wenn bis 20. September 2022 nicht alle von der FIM, IRTA und Dorna geforderten Umbauten definitiv erledigt sind, wird KymiRing nicht in den GP-Kalender 2023 aufgenommen.

Da die Bauarbeiten seit Monaten stillstehen, wurde Finnland schon vor Wochen abgehakt.

Am 9. Juli könnte aber erstmals ein Kasachstan-GP auf dem Sokol Circuit stattfinden. Die Kasachen wollten schon im vergangenen Sommer für den kurzfristig abgesagten KymiRing-GP einspringen. Doch die Vorbereitungszeit von vier Wochen reichte natürlich hinten und vorne nicht aus.

Rennstrecken-Architekt Ing. Hermann Tilke berichtete, er habe seit drei Jahren keinen Kontakt mit den Kasachen, denen offenbar bisher das Geld für die Fertigstellung der nötigen Infrastruktur für eine Grade-A-Homologierung der FIM fehlt.

Jetzt soll der neue Regierungschef der ehemaligen Sowjetrepublik den Sokol Circuit inspizieren und genug Geld für die Instandsetzung freigeben. Der 49-jährige Alichan Smailow hat nach 30 Jahren den umstrittenen Diktator Nusultan Nasarbajew abgelöst; Smailows Name bedeutet auf Deutsch «Großer Herrscher». Der Kasache wurde 1972 in Hauptstadt Almaty geboren, die bald wieder Astana heißen soll. Er wurde im Januar 2022 zum neuen kasachischen Ministerpräsidenten gemacht.

Kasachstan würde als Übersee-Rennen gelten und das Material mit Luftfracht dorthin befördert, denn der Landweg führt über Russland, die Distanz von München zur Rennstrecke betrüge unzumutbare 6230 km. Wegen des Ukraine-Kriegs kann Russland wegen der Sanktionen sowieso nicht befahren werden.

Erstmals seit 2010 der WM-Lauf im MotorLand Aragón ins Frühjahr verlegt. Denn am 4. Juni 2023 findet der Formel-1-GP auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya statt. Deshalb wurde der MotoGP-Event in Aragonien mit jenem von Montmeló getauscht und der Barcelona-MotoGP-Event in den September verlegt.

Problematisch ist für die Dorna vorläufig noch die Termingestaltung für die Rennen in Asien, Australien und im Mittleren Osten im September, Oktober und November. Denn es existiert zwar ein provisorischer Formel-1-Kalender, der sich jedoch ändern kann. Und MotoGP und Formel 1 können und wollen im Herbst nicht in denselben Zeitzonen auftreten. Die Formel 1 tritt voraussichtlich am 24. September in Suzuka/Japan auf und am 17.9. beim Nachtrennen in Singapur.  

Bei den MotoGP-Rennen in Mandalika und Buriram ist noch nicht festgelegt, welcher Grand Prix zuerst stattfinden wird. Die beiden Grand Prix werden an aufeinanderfolgenden Wochenende durchgeführt, weil das Material dann mit Trucks und Fähren kostensparend von einem Schauplatz zum anderen transportiert werden kann.

Falls die Verantwortlichen in Kasachstan in den nächsten Tagen verbindlich zusagen, alle Anforderungen der Dorna, IRTA und FIM rechtzeitig zu erfüllen, wird das Rennen ins GP-Programm 2023 aufgenommen. Falls das nicht klappt, werden nur 20 Grand Prix abgewickelt.

Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta wird auf dem Flug nach Japan in Indien Station machen, weil die Betreiber des 5,125 km langen Buddh International Circuits (er wurde von Ing. Hermann Tilke gebaut) Interesse an der MotoGP zeigen.

Aber wegen der strengen Zollvorschriften ist es für große Motorsport-Veranstaltungen fast unmöglich, in Indien ein Gastspiel zu geben. Deshalb ist die Formel 1 nach dem Debüt vom 30. Oktober 2011 dort wieder verschwunden, die Superbike-WM hat den geplanten Event gar nie durchgeführt. 

Der provisorische GP-Kalender 2023

26. März: Portimão/Portugal
02. April: Termas de Río Hondo/Argentinien
16. April: Circuit of The Americas/USA
30. April: Jerez/Spanien
14. Mai: Le Mans/Frankreich
28. Mai: Aragón/Spanien
04. Juni: Mugello/Italien
18. Juni: Sachsenring/Deutschland
25. Juni: Assen/Niederlande
09. Juli: Sokol Circuit/Kasachstan (fraglich)
06. August: Silverstone/GB
20. August: Red Bull Ring/Österreich
03. September: Catalunya/Spanien
10. September: Misano/Italien
24. September: Sepang/Malaysia
01. Oktober: Motegi/Japan
09. Oktober: Phillip Island/Australien
22. Oktober: Buriram/Thailand
29. Oktober: Mandalika/Indonesien
12. November: Losail Circuit/Katar
19. November: Valencia/Spanien

Diesen Artikel teilen auf...

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Ferrari: Wer soll auf dem Schleudersitz Platz nehmen?

Mathias Brunner
Es ist einer der reizvollsten Posten in der Königsklasse, aber ein Job mit Stress-Garantie: Teamchef bei Ferrari. Mattia Binotto hatte davon die Nase voll, aber wer soll folgen? Erneut gibt’s bei Ferrari viel Unruhe.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Di.. 06.12., 06:00, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 06:23, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 06:32, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 06:40, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 06:50, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 06:54, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 06:59, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 07:09, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 07:20, ORF Sport+
    silent sports +
  • Di.. 06.12., 07:28, ORF Sport+
    silent sports +
» zum TV-Programm
3