Stefan Bradl (Honda): «Ein bisschen Hoffnung»

Von Günther Wiesinger
Das Rennen am Sonntag: Stefan Bradl (6) vor Augusto Fernández und dem gestürzten und aufholenden Brad Binder

Das Rennen am Sonntag: Stefan Bradl (6) vor Augusto Fernández und dem gestürzten und aufholenden Brad Binder

«Wir lassen im Traktionsbereich zu viel Zeit liegen», lautet die Bilanz von Stefan Bradl nach dem Misano-GP. Das neue Chassis ist in der «time attack» schneller, aber die Bremsperformance lässt zu wünschen übrig.

Seit bald Jahren hat Honda kein schlagkräftiges Motorrad mehr gebaut, auch das Chassis von Kalex brachte keine Lösung der Probleme und die neueste unter vielen Chassis-Versionen, die Stefan Bradl beim Misano-GP einsetzte, wird die RC213V auch nicht in ein Sieger-Motorrad verwandeln. Die Probleme seien die gleichen geblieben, berichtete Bradl, der das Motorrad vor dem Misano-GP eineinhalb Tage in Motegi/Japan getestet hat, wo er jetzt am 1. Oktober für LCR-Honda den japanischen WM-Lauf bestreiten wird, genauso wie jenen auf dem Buddh International Circuit in Indien, weil Alex Rins noch immer nicht genesen ist. Mit weiteren Bradl-Einsätzen nach Motegi ist zu rechnen.

Stefan Bradl stellte die Honda zwar am Samstag auf den 15. Startplatz. Aber die Schwachstellen der Vergangenheit wurden auch mit diesem Rahmen nicht ausgemerzt. Mangelnde Traktion und keine Konkurrenzfähigkeit über eine einzelne schnelle Runde, halten als Schwachpunkte. Außerdem können sich die Honda-Fahrer mit frischen weichen Reifen nicht so stark für die «time attack» steigern wie die Fahrer der restlichen Hersteller. «Wir holen nur 80 Prozent aus dem Soft-Compound heraus, die anderen 100 Prozent», meinte Stefan Bradl vor zwei Jahren.

«Das neue Bike ist für eine einzelne Runde etwas besser, würde ich meinen», bemerkte er jetzt. «Es hat sich im Quali herausgestellt, dass ich in diesem Bereich eine Steigerung gefunden habe. Die Probleme mit der Traktion sind nach wie vor nicht so gelöst, wie wir es gerne hätten. Sie sind nach wie vor sehr massiv. Aber das Gefühl mit dem neuen Bike nach viereinhalb Tagen gibt mir trotzdem ein bisschen Hoffnung, dass wir vorwärtskommen.»

«Es handelt sich um ein ganz anderes Konzept, das Motorrad fährt sich auch anders. Ich habe das Gefühl, dass ich damit ein bisschen weniger am Limit bin. Dafür verlieren wir damit auf der Bremse deutlich mehr Zeit. Gefühlt nutzen wir die Reifen ein bisschen besser, aber wir brauchen noch mehr Verständnis für dieses Motorrad», meinte der 33-jährige Bayer.

Marc Márquez war bei den Wintertests überzeugt, im 2023-Motor der Honda schlummere genügend Power, aber sie lasse sich wegen der mangelhaften Traktion nicht auf die Fahrbahn bringen.

Teilt Stefan Bradl diese Ansicht im September 2023? «Ich will nicht behaupten, dass wir das stärkste Triebwerk haben, aber mit Sicherheit haben wir nicht das schwächste. Und es ist richtig, dass wir im Traktionsbereich ziemlich viel Zeit liegen lassen und dadurch nicht mit genug Schwung aus den Kurven rausbeschleunigen können. Das führt dazu, dass du das Vorderrad pusht wie ein Verrückter, weil du versuchst, die Schwächen zu kompensieren. Dieser Kreislauf muss mit neuen Konzepten durchbrochen werden», wünscht sich der Testfahrer. 

Marc Márquez betonte am Freitag, bei HRC seien viele neue japanischen Ingenieure in der Box zu sehen. «Ja, es sind hier sehr viele Japaner vor Ort. Das st eigentlich kein schlechtes Zeichen.»

MotoGP-Ergebnisse, Misano (10. September):

1. Martin, Ducati, 27 Rdn in 41:33,421 min
2. Bezzecchi, Ducati, + 1,350 sec
3. Bagnaia, Ducati, + 3,812
4. Pedrosa, KTM, + 4,481
5. Viñales, Aprilia, + 10,510
6. Oliveira, Aprilia, + 12,274
7. Marc Márquez, Honda, + 13,576
8. Raúl Fernández, Aprilia, + 14,091
9. Marini, Ducati, + 14,982
10. Zarco, Ducati, + 15,484
11. Alex Márquez, Ducati, + 15,702
12. Aleix Espargaró, Aprilia, + 15,878
13. Quartararo, Yamaha, + 15,898
14. Binder, KTM, + 23,778
15. Morbidelli, Yamaha, + 24,579
16. Augusto Fernández, KTM, + 31,230
17. Di Giannantonio, Ducati, + 32,537
18. Bradl, Honda, + 35,330
19. Nakagami, Honda, + 43,601
– Pol Espargaró, KTM, 12 Runden zurück
– Mir, Honda, 17 Runden zurück
– Miller, KTM, 18 Runden zurück
– Pirro, Ducati, 18 Runden zurück

Ergebnisse MotoGP-Sprint, Misano (9. September):

1. Martin, Ducati, 13 Rdn in 19:58,785 min
2. Bezzecchi, Ducati, + 1,445 sec
3. Bagnaia, Ducati, + 4,582
4. Pedrosa, KTM, + 4,772
5. Binder, KTM, + 4,931
6. Viñales, Aprilia, + 6,062
7. Marini, Ducati, + 6,519
8. Aleix Espargaró, Aprilia, + 7,893
9. Alex Márquez, Ducati, + 9,264
10. Marc Márquez, Honda, + 11,318
11. Raúl Fernández, Aprilia, + 13,365
12. Oliveira, Aprilia, + 13,788
13. Quartararo, Yamaha, + 14,243
14. Zarco*, Ducati, + 14,154
15. Miller, KTM, + 17,421
16. Pol Espargaró**, KTM, + 17,451
17. Di Giannantonio, Ducati, + 18,133
18. Morbidelli**, Yamaha, + 19,749
19. Augusto Fernández, KTM, + 20,403
20. Pirro, Ducati, + 21,454
21. Nakagami, Honda, + 21,962
22. Bradl**, Honda, + 23,672
23. Mir**, Honda, + 36,100

*= ein Platz zurück («track limits» in der letzten Runde)
**= 3-Sekunden-Strafe (statt Long-Lap am Rennende wegen «track limits»-Vergehen)

WM-Stand nach 24 von 40 Rennen

1. Bagnaia, 283 Punkte. 2. Martin 247. 3. Bezzecchi 218. 4. Binder 173. 5. Aleix Espargaró 160. 6. Zarco 147. 7. Marini 135. 8. Viñales 128. 9. Alex Márquez 108. 10. Miller 104. 11. Quartararo 85. 12. Morbidelli 68. 13. Oliveira 65. 14. Augusto Fernández 58. 15. Rins 47. 16. Di Giannantonio 43. 17. Nakagami 35. 18. Pedrosa 32. 19. Marc Márquez 31. 20. Bastianini 25. 21. Raúl Fernández 22. 22. Savadori 9. 23. Folger 9. 24. Pol Espargaró 8. 25. Pirro 5. 26. Mir 5. 27. Petrucci 5. 28. Stefan Bradl 5.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati, 416 Punkte. 2. KTM 234. 3. Aprilia 218. 4. Yamaha 105. 5. Honda 105.

Team-WM:

1. Prima Pramac Racing, 394 Punkte. 2. Mooney VR46 Racing 353. 3. Ducati Lenovo Team 318. 4. Aprilia Racing 288. 5. Red Bull KTM Factory Racing 277. 6. Monster Energy Yamaha 153. 7. Gresini Racing 151. 8. CryptoDATA RNF 91. 9. LCR Honda 85. 10. GASGAS Factory Racing Tech3, 75. 10. Repsol Honda 36.

 

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