Pit Beirer (KTM): Aerodynamik vor 2027 limitieren

Von Nora Lantschner
Pit Beirer, Motorsport-Direktor der Pierer Mobility AG mit den Marken KTM, GASGAS und Husqvarna, äußert sich zu den «wilden» Aerodynamik-Auswüchsen in der MotoGP-Entwicklung und der technischen Vision für die Zukunft.

«Es wird wild da draußen, wenn man sieht, was jeder bei den Tests gebracht hat», schmunzelte Pit Beirer mit Verweis auf die jüngsten Aerodynamik-Entwicklungen in der MotoGP. Die bauchigen «ground effect»-Seitenverkleidungen sind längst Standard, selbst an die zusätzlichen Stegosaurus-Zacken an der Honda gewöhnt sich das Auge mittlerweile. Aprilia ging noch einen Schritt weiter und schien sich beim Design des Hecks am Batmobil zu orientieren. KTM selbst verblüffte die Konkurrenz mit einem neuen Wing am Kotflügel, den manche als Briefkasten-Aufsatz beschrieben.

«Ich habe das Gefühl, dass wir irgendwo an dem Punkt sind, wo die Formel 1 vor ein paar Jahren war. Bei jedem kleinen Detail am Motorrad wird darüber nachgedacht, wie wir es auf aerodynamischer Seite nutzen können», weiß Beirer. «Es ist ganz klar, dass man die Aerodynamik nicht mehr nur braucht, um auf den Geraden ein schnelles Motorrad zu haben. Die Aerodynamik spielt mittlerweile in jedem Bereich für die Performance mit – Beschleunigung, High-Speed, Abbremsen, Turning. Das war vielleicht auch der Grund dafür, dass die Fortschritte in den Rundenzeiten in den vergangenen zwei Jahren noch größer wurden als zuvor. Das ist mittlerweile ein großer Faktor.»

Die KTM-Gruppe profitiert dabei von der Zusammenarbeit mit Red Bull Advanced Technologies, der Ideen- und Technikabteilung der Formel-1-Teams von Red Bull Racing. «Wir sind mehr als glücklich und dankbar, dass Red Bull die Tür für uns geöffnet hat, sodass wir praktisch über Nacht Zugang zu einem Expertenteam hatten», unterstrich Beirer. «Wenn man diese Abteilung Stück für Stück selbst aufbauen müsste, würde es mit Sicherheit eine Weile dauern – und es ist mit Sicherheit auch nicht einfach, die richtigen Experten zu finden.»

«Wir haben in Milton Keynes Zugang zu einem großartigen Team. Wir können mit unserem Aero-Paket mit allen mithalten und auch ein paar neue Dinge auf die Strecke bringen. Das ist aufregend, aber ich glaube, aus Sicht des Promoters, der FIM und vom Reglement her müssen wir jetzt aufpassen, nicht zu weit zu gehen», mahnte der Motorsportchef der Pierer Mobility AG und ging noch einen Schritt weiter: «Ich glaube, wir brauchen sehr bald eine Einschränkung. Vielleicht sollten wir gar nicht bis 2027 warten, um diese Dinge zu limitieren.»

Hinter den Kulissen wird in der Herstellervereinigung MSMA längst über die technischen Vorschriften verhandelt, die ab 2027 für die folgenden fünf Jahre in Kraft treten werden. Zur Vision für die künftige MotoGP-Klasse sagte Beirer: «Ich kann nicht für meine Kollegen sprechen, aber ich habe das Gefühl, dass wir uns alle einig darin sind, dass wir die Aerodynamik einschränken müssen. Das wird aber nur im Hinblick auf die Größe passieren. Wir werden die Flügel und diese Dinge nicht loswerden. Die modernen Motorräder werden so aussehen, es wird auch in diese Richtung weitergehen. Der Raum, mit dem wir spielen werden können, wird jedoch limitiert sein. Das ist eine gute Richtung, denn je eingeschränkter man ist, umso mehr gibt man die Tools wieder dem Fahrer in die Hand, damit der Fahrer und keine Windmaschine die Fahrweise kontrollieren.»

«Die Größe der Aerodynamik-Teile limitieren, Ride-Height-Devices abschaffen – das ist von unserer Seite eine klare Forderung – und die Motorleistung zu reduzieren», zählte Beirer die Eckpunkte für das künftige technische Regelwerk auf. Zwar sei die Hubraumredaktion auf die angedachten 850 ccm ursprünglich nicht der Wunsch von KTM gewesen. «Aber nach den Gesprächen mit unseren Kollegen sind wir jetzt auch dafür, den Hubraum zu reduzieren, damit es sicher genug ist und die Sturzräume und so weiter nicht zum Problem werden, weil die Motorräder einfach zu schnell werden. Wir müssen die Geschwindigkeit, die Aerodynamik und die Ride-Height-Devices einschränken, um zumindest einen Schritt zurück zu machen.»

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