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Sebastian Risse (KTM): Sprit, Luft und der rote Knopf

Von Thomas Kuttruf
Sebastian Risse, «Technical Manager» des KTM MotoGP Projektes, über die weiteren Hausaufgaben, die es zum Saisonstart zu erledigen galt.

Neben der permanenten Suche nach einer noch stärkeren Basis für alle Piloten der MotoGP-Maschine aus Munderfing, standen auch die vorgeschriebenen Adaptionen ans Regelwerk der MotoGP

Saison 2024 auf der Jobliste der Entwicklungsmannschaft.
Im Vergleich zu früheren Jahren waren die Änderungen zwar überschaubar, dennoch bedeutet jede Veränderung auch eine neue Unbekannte im Gesamtpaket der komplexen Renner.

Durchaus spannend stellt sich das Thema „Benzin“ dar. Bereits in dieser Saison müssen die Hersteller erstmals eine Treibstoffspezifikation einsetzen, die sich mindestens zu 40 Prozent aus nicht fossilen Elementen zusammensetzt. Hintergrund ist die beschlossene Regeländerung über Stufen, bis 2027 zu einer 100 Prozent non-fossilen Sprit-Technologie zu gelangen.

Den Fahrzeugherstellern wurde eine freie Wahl der Technologie-Partner zugesagt. Unmittelbar nach der Festschreibung verbündete sich die KTM-Motorenabteilung mit ExxonMobile. Der weltweit agierende Konzern hegt großes Interesse an innovativen Vorentwicklungen. Sebastian Risse, technischer Direktor des MotoGP-Projekts der Österreicher, zeigt sich sehr zufrieden mit dem Stand der Benzinentwicklung. «ExxonMobile hatte hier bereits Erfahrungen und war somit in der Lage, eine absolut maßgeschneiderte Lösung mit uns zu erarbeiten. Wir hatten und haben Respekt vor dem Thema Treibstoff. Er ist Teil der Motorstrategie. Über das Benzin lassen sich Leistung als auch Fahrbarkeit beeinflussen und es gilt zu definieren, ob man hier auf volle Leistung setzt, oder aber ob man versucht, die maximale Energie über das Volumen von 22 Litern zu nutzen. Stichwort ist dann der Spritverbrauch. Über das Ergebnis für diese Saison freuen wir uns, es konnte eine Spezifikation gefunden werden, die sehr gut zur Anwendung unseres Motors passt.»

Ein weiterer Änderungspunkt bezieht sich auf die Erweiterung der Sicherheit. So besagt das Regelwerk, dass jedes MotoGP-Rennmotorrad einen Knopf als Bedienelement besitzen muss, von dem aus, der Fahrer (mit der Hand am Lenker) eine Gefahrensituation von der Strecke per Datenübertragung an die Rennleitungen übermitteln kann. Mit der Neuerung soll das Heben der Hand als Notsignal unterbunden werden. Anstatt die Streckensicherung also manuell etwa zu einem Rennabbruch zu bringen, erfolgt diese Überzeugungsarbeit 2024 über ein entsprechendes «Device».

Sebastian Risse zu der Adaption: «Keine Frage, im Sinne der Sicherheit macht die Änderung absolut Sinn. Für die Technik ist das aber eine nicht zu unterschätzende Aktion. In der Praxis heißt es nichts anderes als den Ausschluss älterer Bike-Entwicklungen, die diese Änderung nicht bereits in der Fahrzeugstrategie vorgesehen hatten. In einem solchen Fall ist ein komplett neuer Kabelbaum unumgänglich.»

Aus Techniker- und Fahrersicht stellt das geänderte Zahlengerüst zu den vorgeschriebenen Reifenluftdrücken der verwendeten Slicks von Serienausrüster Michelin die spannendste Neuerung dar. Bereits 2023 zählte das Thema «Luftdruck» zu den großen Aufregern des Fahrerlagers.

Sowohl die vorgeschriebenen Werte von minimal 1,88 bar und maximal 2,1 bar am Vorderreifen als auch das System der permanenten Überwachungen seit dem Rennen in Silverstone brachten heiße Debatten zwischen allen Beteiligten. 2024 wird der minimale Luftdruck nun auf 1,80 bar festgeschrieben. Resultat ist ein größerer Spielraum und eine damit erhoffte Entspannung der Lage. Nicht zu vergessen: Neu ist nun auch das Distanzfenster, in dem sich die Rennfahrer bewegen müssen. 2023 galt es mindestens die Hälfte der Distanz zu halten, heuer sind es 60 Prozent. Was rein akademisch klingt, könnte aber auch 2024 in der Praxis für Zündstoff sorgen.

Die Sichtweise von Technik-Chef Risse zu der Änderung der Luftdrücke: «Das Thema ist und bleibt ein absolut limitierender Faktor. Tatsache ist, dass die Reifen extrem auf Windschatten reagieren. Wir kennen das nicht anders, unser gesamtes Projekt läuft von Beginn an auf Michelin-Reifen. Für 2024 wird es ein wenig entspannter und die Rennen sollten auch spannender werden, denn das Angreifen und Überholen auf der Bremse wird den Piloten etwas erleichtert. Die Attacken müssen auf der Bremse stattfinden, denn mit der jetzigen Aerodynamik der Bikes schaut es so, dass wenn du in den Windschatten fährst, nicht schneller, sondern eher langsamer wirst.»

Für die Saison 2024 scheinen die Österreicher ihre Aufgabenliste sehr gut durchgearbeitet zu haben. Wie es um die Sicht der Fahrer und die finalen Spezifikationen zum ersten Rennen in Doha bestellt ist, dazu äußert sich Sebastian Risse im zweiten Teil des exklusiven Gesprächs mit SPEEDWEEK.COM


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