Stefan Bradl (1.): «Diese Bestzeit war nicht geplant»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl warnt nach der Bestzeit im dritten freien Training von Barcelona vor Euphorie. «Es sind erst drei freie Trainings gefahren. Das Quali und das Rennen sind entscheidend», hällt er den Ball flach.

Stefan Bradl (24) hat nicht nur die drei schweren Mugello-Stürze weggesteckt, sondern sich auch durch die ganzen Gerüchte über mögliche Nachfolger im LCR-Honda-Team für 2015 nicht aus der Fassung bringen lassen.

Der Moto2-Weltmeister von 2011, der auf dem Circuit de Catalunya auch den Moto2-WM-Lauf 2011 gewonnen hat, sorgte im dritten freien Training in der letzten Runde für eine grossartige Bestzeit. Er war jetzt hier dreimal bester Honda-Fahrer – und somit dreimal schneller als WM-Leader Marc Márquez.

In der Fachwelt wird seit Tagen gerätselt, ob womöglich beim Barcelona-GP die Siegesserie von Márquez (sechs Siege in Serie) zu Ende gehen könnte, als Kandidaten für diese Meisterleistung wurden vorrangig Lorenz, Rossi und Pedrosa genannt.

Stefan Bradl steht jetzt auf Platz 1, aber er hat seine Lektion gelernt, die Abstände sind zwar gering, er warnt deshalb vor Euphorie und will weder über die ersten Startreihe noch über einen Podestplatz spekulieren.

Zur Erinnerung: 2013 fuhr der Bayer in Laguna Seca von der Pole-Position auf Platz 2.

«Stefan ist hier konzentriert, er hat vom ersten Training an ein gutes Gefühl. In Mugello wirkte alles ein bisschen verkrampft, klar, wenn man hinten ist... Aber dass Stefan diese Bestzeit in der allerletzten Runde gefahren ist, hat Nerven gekostet. Das muss nicht sein... Man hätte den letzten Run auch ein bisschen früher starten können», seufzte Papa Helmut Bradl, 250-ccm-Vizeweltmeister 1991 und fünffacher GP-Sieger.

Stefan, du hast das Team und den Papa ziemlich auf die Folter gespannt. Vor der letzten Runde warst du noch an elfter Stelle, das hätte den Umweg ins Qualifying 1 bedeutet.

Ja, es war nicht geplant, dass wir es so spannend machen. Vor allem ist mir die Pumpe selber auch ein bisschen mehr gegangen als sonst... Vor allem in der letzten Runde hatte ich erhöhten Puls, denn es ist eigentlich wie in einem Qualifying zugegangen. Ich wollte überhaupt nicht ins Q1. Aber wir haben lange mit gebrauchten Reifen gearbeitet, was nützlich ist für später und für das Renn-Set-up.
Ich bin bei sechs Minuten rausgefahren, das war ein bisschen knapp getimt, denn dann habe ich in der ersten fliegenden Runde ein bisschen Verkehr gehabt, mit Abraham zum Beispiel, deshalb hat es nicht gleich geklappt. Ich habe nachher noch ein bisschen warten müssen. Dann wusste ich: Jetzt habe ich noch eine Runde. Sonst ist es vorbei. Diese Runde ist mir dann echt gut gelungen.
Aber ich bin ins Schwitzen gekommen. Gott sei Dank habe ich eine gute Runde erwischt und die Nerven behalten. Das ist auch ein gutes Zeichen.
Ich wollte eigentlich gar nicht auf Platz 1 stehen. Das ist zwar schön. Aber wir müssen Obacht geben... Der Rennspeed von vielen Fahrern ist nicht schlecht. Wir haben jetzt einiges mit den gebrauchten Reifen gearbeitet. Das ist nützlich fürs Rennen. Aber wir müssen ruhig bleiben.

Du kannst dich ja im Qualifying ein bisschen zurückfallen lassen?

(Er lacht). Na, na.
Es schaut gut aus... Aber zuerst müssen wir im FP4 noch einmal mit gebrauchten Reifen einen Long-run fahren, damit wir die Pace hinkriegen über die Renndistanz.
Es ist komisch, aber ich bin jetzt als einziger mit dem harten Vorderreifen gefahren. Ich komme ganz gut damit zurecht, die andern waren am Vormittag mit dem weichen Vorderreifen unterwegs. Jetzt sind sie am Überlegen.
Es sieht so aus, als wäre unser Setting momentan das Beste. Wir haben keine grossen Änderungen gebraucht, deshalb bin ich gut ins Fahren reingekommen. Ich komme hier gut zurecht.

Ist es nicht verwunderlich, dass die Open-Fahrer hier nicht besonders stark von den weichen Hinterreifen profitieren können?

Unsere weichen Hinterreifen arbeiten zwei Runden lang sehr gut... Dann haben sie einen grossen Drop.

Du willst jetzt nicht mehr über Podestchancen reden. Du lässt die Dinge an dich herankommmen?

Ja, denn Pedrosa, Márquez und Rossi werden von der Pace her mit Sicherheit nicht schwächer sein als wir. Mit diesen Jungs muss man immer rechnen.

Aber eine der ersten zwei Startreihen und im Rennen ein Rang unter den ersten 5 – das ist realistisch?

Ja, im Qualifying erste oder zweite Reihe und morgen Top-5. So ungefähr.

Dreimal bester Honda-Fahrer, dreimal schneller als Márquez – das ist nicht gerade alltäglich?

Nein. Es sieht gut aus.
Aber wir haben erst drei freie Trainings gefahren. Entscheidend sind das Qualifying und das Rennen. Wir kriegen leider keine Punkte fürs freie Training. Aber dieses Ergebnis ist gut für die Stimmung und für das Selbstvertrauen.

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