MotoGP

KTM 2017 in der MotoGP-WM: Plan B in der Schublade

Von - 19.12.2014 00:03

KTM wagt sich 2017 in die Formel 1 des Zweiradsports. Mit welchem Team? Mit welchen Zielen?

«Wir sind natürlich Rennfahrer, wir KTM-ler sind zum Rennfahren geboren», antwortet Pit Beirer, Head of Motorsport bei KTM, auf die Frage nach den Zielen für die MotoGP-Weltmeisterschaft. «Wir müssen uns 2017 mit der Weltspitze messen lassen müssen. Wir haben die Fahne rausgehängt und werden 2017 in der MotoGP-Klasse auftreten. Die Kugel ist aus dem Rohr... Doch wir können jetzt nicht schauen, was die anderen machen. Wir müssen auf uns schauen und arbeiten, was geht, damit uns der Einstieg so gut wie möglich gelingt. Dass wir natürlich Rennen fahren, um auch andere Motorräder zu überholen, ist logisch. Aber welche das sein werden und mit wem wir uns dann messen, ist momentan völlig unwichtig. Wir haben genügend Arbeit mit uns selber.»

Keine Frage: Die MotoGP-WM wird für KTM 2017 eine neue Liga, eine ganz andere Dimension als die Moto3-Klasse, in der sich Honda 2012 und 2013 nur halbherzig engagierte.

In der MotoGP-WM wird KTM auf Honda, Yamaha, Suzuki, Ducati und Aprilia treffen. Und auf die besten Fahrer der Welt.

Und selbst Suzuki hat gegen KTM drei Jahre Vorsprung und wird bereits zwei Jahre Erfahrung haben, wenn KTM 2017 neu einsteigt.

Doch die Orangen haben inzwischen mehr als 250 Weltmeistertitel gewonnen und die Japaner in vielen Rennserien erfolgreich herausgefordert.

Die Vorgabe von KTM-Firmenchef Stefan Pierer ist klar. Er will mehr als nur mitfahren.

«Jeder KTM-Kenner weiss, dass der Olympische Gedanke des Mitfahrens nicht unser Prinzip ist», hält Stefan Pierer im Gespräch mit SPEEDWEEK.com fest. «Die Top-5 sind unser Ziel, vielleicht können wir auch hie und da aufs Podest fahren», lautet die Zielsetzung des Unternehmers. «Wir nehmen das sehr ernst. Aber wir wissen, dass wir in die Formel 1 des Motorradsports einsteigen und Geduld haben müssen, über zwei oder drei Jahre hinweg. Zuerst möchten wir in der MotoGP das beste europäische Werk werden. Das streben wir nicht nur bei den Stückzahlen an, sondern auch in der Geschwindigkeit.»

KTM will sich mit einem existierenden Rennstall verbünden, wie es Aprilia zuletzt mit Gresini vorexerziert hat und wie es KTM seit 2012 in der Moto3-Klasse mit Aki Ajo macht.

Ein echtes Werksteam ist nicht vorstellbar? Pierer: «Es gibt gute Teams, das habe ich in den letzten Jahren in der Moto3-Klasse gelernt. Dort treten wir mit fabriksunterstützten Privatteams an – und haben Erfolg. Oder vielleicht sollten wir besser von Semi-Werksteams sprechen. Dass man das nicht alles selber machen muss, habe ich gelernt – in unserer Zweitakt-Ära.»

Aber die meisten erfolgreichen existierenden MotoGP-Teams sind bereits sehr eng mit einem Hersteller verbunden – Pramac mit Ducati, LCR mit Honda, Marc VDS mit Honda, Tech3 mit Yamaha.

Deshalb wird die Auswahl für KTM nicht riesig sein, es kommen wohl nur Teams wie Avintia-Ducati, Drive M7-Aspar-Honda, AB Cardion Motoracing und Forward Racing in Frage. Dort sind auch keine besonders verheissungsvolle Fahrer am Werk.

Aspar-Teambesitzer Jorge Martinez fuhr zwar drei Jahre lang in der Moto3-WM mit Kalex-KTM, bildet aber jetzt als KTM-Gegner das Mahindra-Werksteam. Das sind nicht die besten Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit in der Königsklasse.

Deshalb wird bei KTM inzwischen auch ein Plan B vorbereitet. Die Österreicher könnten einigei Jahre mit einem eigenen Werksteam fahren und das Material erst nachher an ein Semi-Werksteam abgeben. So hat es Mahindra in der Moto3 mit Mapfre-Aspar vorgemacht.

Moto3-Partner Aki Ajo wäe in so einem Fall für KTM die erste Adresse. Ajo Motorsport übt 2015 bereits in der nächsthöheren Klasse mit einem neuen Moto2-Team, er könnte 2016 zum Beispiel seinen Moto2-Fahrer Johann Zarco als KTM-MotoGP-Testfahrer beisteuern und danach das MotoGP-Team 2017 betreiben. Die langjährige Connection zu Red Bull und WP Suspension wäre mit Ajo auch schon vorhanden.

Ajo ist obendrein persönlicher Manager von Maverick Vinales und Jack Miller, die in den nächsten zwei Jahren bei Suzuki und LCR-Honda MotoGP fahren. Die beiden ehemaligen KTM-Helden könnten in Mattighofen eines Tages auch Kandidaten für die MotoGP-WM werden.

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