MXGP-WM bis Ende November: Fragen drängen sich auf

Von Adam Wheeler
Motocross-WM MXGP
Red Bull-KTM-Star Tony Cairoli (rechts) und Co. können nur abwarten

Red Bull-KTM-Star Tony Cairoli (rechts) und Co. können nur abwarten

Der Coronavirus warf auch die Planung der MXGP-Teams über den Haufen. Jeffrey Herlings, Tony Cairoli, Jeremy Seewer und Shaun Simpson über vertragliche, finanzielle und sportliche Fragezeichen.

Verschiebungen von bisher neun Grand Prix der «FIM Motocross World Championship» 2020 sorgen für einen nie dagewesenen Endspurt im November und eine völlig neue Situation für die Teams und Fahrer der MXGP-Serie. Dazu kommt: Das prestigeträchtige «Motocross of Nations», eigentlich der traditionelle Saisonabschluss, findet plötzlich zwischen dem 15. und 16. Grand Prix statt.

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie werden sich unweigerlich auch auf die Saisonvorbereitung 2021 und die Verträge einiger Athleten auswirken. Üblicherweise endet die Motocross-Saison am ersten Oktoberwochenende mit dem Motocross der Nationen. Danach erholen sich die Rennfahrer ein paar Wochen, um wenig später mit der körperlichen Vorbereitung auf die kommende Saison zu beginnen – und meist im November wieder in das Motorradtraining einzusteigen. Denn die ersten internationalen Vorbereitungs-Rennen finden schon Ende Januar statt, zum Beispiel der Auftakt der «Internazionli d’Italia» auf Sardinien. Der geplante Argentinien-GP 2020 am 21. und 22. November in Neuquén/Patagonien wird dieses Zeitfenster im Hinblick auf 2021 radikal verkürzen.

Laut dem jüngsten Kalender-Update soll die Motocross-WM mit dem dritten Grand Prix in Orlyonok/Russland am 6. und 7. Juni fortgesetzt werden. Das bedeutet eine Zwangspause von 13 Wochen, in denen auch die Trainingsmöglichkeiten limitiert sind. Denn nach den Fitnessstudios sperren auch immer mehr Motocross-Strecken in ganz Europa zu.

«Wir werden mit einem Problem konfrontiert, das es noch nie gab: Eine dreimonatige Pause, wenn du fit und gesund bist», seufzte Shaun Simpson (KTM). «Es ist normal, eine Zwangspause einzulegen, wenn du dich verletzt, was natürlich nicht ideal ist. Aber voll und ganz bereit zu sein und dann für eine so lange Zeit keine Rennen zu fahren, ist wirklich irre. Ich war in meiner Karriere noch nie in einer vergleichbaren Situation.»

«Es ist eine extrem merkwürdige Situation und etwas, was ich noch nie erlebt habe», ergänzte der MXGP-Vizeweltmeister Jeremy Seewer (Yamaha). «Jetzt müssen wir lange warten und dann wird es genauso ungewohnt sein, fast pausenlos bis in den November Rennen zu fahren. Dadurch müssen wir natürlich umdisponieren: Ich kann jetzt nicht mehr als zwei Monate lang trainieren, ich muss einen Gang runterschalten und eine kurze Pause einlegen. Ich werde mich fit halten, aber die Dinge ein bisschen ruhiger angehen lassen und mich ausruhen, um dann mental und körperlich für eine lange Saison bereit zu sein.»

«Das bedeutet, dass ich ein Jahr lang durchgehend trainiere, seit ich im November letzten Jahres wieder angefangen habe. Und ich war in großartiger Form», gab WM-Leader Jeffrey Herlings zu bedenken. «Ich habe am Vormittag drei Stunden auf meinem Rad in die Pedale getreten, denn du musst fit bleiben. Du musst bereit sein, sobald wir wieder auf das Motorrad steigen dürfen», unterstrich der Red Bull-KTM-Star.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die lange Unterbrechung bekamen die MXGP-Asse bereits im Vorjahr, als die Verschiebung der Grand Prix in Hongkong und China zur besten Motocross-Zeit für ein fünfwöchiges Loch im Kalender sorgten. Eine derartige Pause ist ein natürlich ein Störfaktor, bietet verletzten Fahrern aber gleichzeitig die Möglichkeit, in Sachen Fitness wieder aufzuholen: Dazu zählen aktuell die KTM-Werksfahrer Tony Cairoli (Schulter-OP im Vorjahr und Knieverletzung im Training) und Jorge Prado (Oberschenkelbruch im Dezember) sowie Kawasaki-Neuzugang Romain Febvre (Knieprobleme).

«Es gibt gerade nicht viel zu tun und auch hier in Belgien und den Niederlanden sperren alle Strecken zu», erzählte Cairoli, der nach Platz 4 im Grand Prix von Valkenswaard gemeinsam mit seiner Frau Jill und Söhnchen Chase Ben in Lommel blieb. «Wir haben mindestens eine Woche oder zehn Tage Pause, dann bessert sich die Situation hoffentlich. Vielleicht kehre ich auch bald nach Italien zurück. Ich halte mich nur im Gym fit und gehe ein bisschen raus zum Laufen. Ich versuche, mein Fitness-Level zu halten. Für mich ist es natürlich nicht allzu schlecht, weil ich versuchen muss, mit meinem Knie und der Schulter wieder voll gesund zu werden. Jetzt habe ich mehr Zeit dafür.»

Für Fahrer wie Herlings, Titelverteidiger Tim Gajser (HRC), Husqvarna-Werksfahrer Arminas Jasikonis und MX2-Titelanwärter wie Jago Geerts (Yamaha), die 2020 allesamt schon auf dem Podium standen, unterbricht die lange Rennpause einen Lauf.

«Keiner wollte eine solche Situation und ich wünsche allen viel Gesundheit. Aber Jungs wie Prado, Cairoli und Febvre gewinnen dadurch natürlich Zeit», weiß auch Herlings.

MXoN und Übersee-GP: Keine vollen Startgatter?

Wie werden die Fahrer mit der Unterbrechung umgehen? «Vielleicht gehen wir mit meinem Trainer noch einmal die Arbeit durch, die wir im Winter etwas kürzen mussten, kehren zu den ersten Tests zurück und beginnen auf eine gewisse Weise noch einmal von vorne, um zu sehen, wo wir stehen», grübelte Simpson, der 2020 erstmals mit seinem eigenen SS24 KTM Team unterwegs ist und in Valkenswaard mit Platz 4 im zweiten Lauf aufhorchen ließ. «Du musst einfach zu 100 Prozent bereit sein. Auch der Gedanke, einfach eine dreiwöchige Pause einzulegen und erst danach wieder anzufangen, ist verlockend. Oder ziehe ich das Training weiter durch? Das sind Fragen, die sich aufdrängen, und im Moment habe ich keine Antwort darauf. Aus der Sicht des Teams können wir weiter am Bike und am Set-up arbeiten, um es für den Rest der Saison leichter zu haben. Aber wer kann schon sagen, wie schlimm es mit dem Virus wird?»

Auch das Motocross der Nationen – das größte Rennen des Jahres und ein symbolträchtiges Event für den Sport – könnten einige Team vorsichtiger angehen, da es nicht mehr den Saisonabschluss bildet, wo die Fahrer vorrangig für ihr Land und nicht den Rennstall antreten. Plötzlich sind nach dem MXoN in Ernée am 27. September noch fünf weitere Grand Prix vorgesehen, die über die WM-Krone entscheiden werden.

Dazu kommt: Die Verträge der Fahrer (und der Teammitglieder) laufen entweder am 31. Oktober oder am 31. Dezember aus. Auch hier müssen sich die Beteiligten um eine Lösung bemühen, wenn die Startgatter im November noch gut gefüllt sein sollen.

«Mein Zweijahresvertrag geht bis zum 31. Dezember», verriet Seewer. «Es ist aber eine verrückte Geschichte und es könnte einige Jungs treffen, die länger mit ihrer ‚alten Marke‘ fahren müssen, obwohl sie eigentlich schon in den neuen Farben loslegen wollten. Damit müssen wir alle umgehen. Einige der kleineren Teams, bei denen das Budget und die Verträge nur bis Oktober reichen, könnten gar nicht mehr mitfahren. Wir haben schon in der Vergangenheit gesehen, dass manche Jungs die letzten Rennen des Jahres aufgrund anderer Geschichten verpasst haben. Wenn es aus vertraglichen Gründen so ist, dann kann man nicht viel machen.»

«Die Verträge werden verlängert werden müssen», meinte Simpson dazu und stellte weitere Fragen in den Raum: «Wollen die Teams überhaupt im November weiter Rennen fahren, wenn es nicht mehr viel zu holen gibt? Oder zum Budget: Werden die Sponsoren voll bezahlen, wenn die Saison eventuell kürzer ist? Und können die Teams zwei zusätzliche Trainingsmonate und eine längere Saison finanzieren? Die Fahrer werden ihre Trainings-Maschinen in den kommenden Wochen ordentlich ausnutzen…»

Während immer mehr Länder massive Einschränkungen beschließen, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen, wird sich auch die MXGP-WM wohl oder übel an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen – nicht nur in puncto Terminkalender. Und die Auswirkungen werden bis in die nächste Saison spürbar sein.

WM-Kalender (Stand: 18.3.2020)

01.03.2020 - Großbritannien, Matterley Basin, EMX125, WMX
08.03.2020 - Niederlande, Valkenswaard, EMX250, WMX
07.06.2020 - Russland, Orlyonok, EMX250, EMXOpen
14.06.2020 - Lettland, Kegums, EMX250, EMXOpen
28.06.2020 - Frankreich, St Jean d'Angély, EMX125, EMXOpen
05.07.2020 - Italien, Maggiora, EMXOpen, WMX
19.07.2020 - Italien, Arco, Pietramurata, EMX250, EMX2T
26.07.2020 - Tschechien, Loket, EMX65, EMX85, EMX2T
02.08.2020 - Belgien, Lommel, EMX125, EMX250
09.08.2020 - Deutschland, Teutschenthal, EMX250, EMXOpen
16.08.2020 - Schweden, Uddevalla, EMX125, EMX250
23.08.2020 - Finnland, Iitti-Kymi-Ring, EMX125, EMX250, EMX2T
06.09.2020 - Türkei, Afyonkarahisar, EMXOpen, WMX
13.09.2020 - China, Shanghai
20.09.2020 - Italien, Imola, EMX125, WMX
11.10.2020 - Spanien, Xanadú, EMX125, WMX
18.10.2020 - Portugal, Agueda, EMX125, EMX250
01.11.2020 - Indonesien, Jakarta
08.11.2020 - Indonesien, tba
22.11.2020 - Argentinien, Neuquen

Motocross der Nationen:

27.09.2020 - Frankreich, Ernée

siehe auch

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