Covid-19 in Italien: Für Motorradwaschen bestraft

Von Nora Lantschner
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Das Putzen des MX-Bikes fällt auch beim größten Motorrad-Liebhaber nicht in die Kategorie Grundbedürfnisse

Das Putzen des MX-Bikes fällt auch beim größten Motorrad-Liebhaber nicht in die Kategorie Grundbedürfnisse

In Italien wurden in sieben Tagen 43.000 Anzeigen wegen Missachtens der Ausgangssperre ausgestellt. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus bestimmen den Alltag, der Sicherheitsabstand gilt auch im Auto.

Wer glaubt, dass eine Motorradtour in Zeiten von Covid-19 ein probates Mittel für das «Social Distancing» sei, liegt – zumindest im Italien – falsch. Seit zehn Tagen leben dort 60 Millionen Menschen mit massiven Einschränkungen, auch das Motorradfahren als Freizeitbeschäftigung ist laut Regierungsdekret vom 9. März vorläufig bis zum 3. April verboten. Die Maßnahmen sind auch dringend notwendig, denn mit 35.713 SARS-CoV-2-Infektionen und 2978 Todesfällen (Stand 18. März, 18 Uhr) ist kein Land in Europa stärker betroffen.

In Bewegung setzen darf sich in Italien derzeit nur, wer einen triftigen Grund vorzuweisen hat.

1. Wer zur Arbeit muss.
2. Aus dringenden und unaufschiebbaren Gründen, um zum Beispiel Lebensmittel einzukaufen.
3. Wenn es aus gesundheitlichen Gründen unvermeidbar ist.

In der Praxis sieht es so aus: Wer sich zu Fuß, mit seinem Auto oder seinem Bike fortbewegt, muss eine ausgefüllte und unterschriebene Eigenerklärung mit sich führen, die man sich online besorgen kann. Wer grundlos unterwegs ist, dem drohen nach Paragraf 650 des italienischen Strafgesetzbuches Geldbußen von bis zu 206 Euro oder sogar bis zu drei Monate Haft.

Ein Schlupfloch gibt es im Regierungsdekret allerdings, das immer wieder zu Unsicherheit führt und von einigen Unverbesserlichen ausgenutzt wird: Kurze Aufenthalte im Freien sind für «körperliche Betätigung» erlaubt – aber nur alleine und immer innerhalb des Gemeindegebiets. Eine Enduro-Tour ist damit nicht gemeint. Schon wer in Südtirol auf einer Parkbank sitzt und einfach die Sonne genießt, wird ab heute bestraft.

Übrigens: Der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von einem Meter gilt auch in puncto Fortbewegungsmittel, wenn man nicht gerade mit einem Familienmitglied unterwegs ist, mit dem man zusammenlebt. Wenn sich beispielsweise zwei Arbeitskollegen in einem Auto befinden, sitzt der Beifahrer hinten rechts – mehr geht in einem Fünfsitzer nicht. Auf dem Motorrad ist das Mitnehmen aus «Platzgründen» somit unmöglich, wenn es sich nicht um den Mitbewohner handelt. Wer sich nicht daran hält, muss mit Strafen rechnen.

Denn am 11. März begannen die rigorosen Kontrollen der italienischen Ordnungshüter, in den ersten sieben Tagen wurden insgesamt mehr als eine Million Menschen überprüft, teilte das Innenministerium am Mittwoch mit. Dabei gab es 43.000 Anzeigen wegen Missachtens der Ausgangssperre.

Darunter sind auch Motorradfahrer. Für Schlagzeilen sorgte zum Beispiel der Fall eines 20-Jährigen aus Cairo Montenotte in der Provinz Savona, der dabei ertappt wurde, wie er sein Motocross-Bike in einer öffentlichen Waschanlage reinigte. Bei allem Verständnis für die Liebe zum eigenen Motorrad kann die Aktion nicht als unaufschiebbare Tätigkeit oder Grundbedürfnis durchgehen.

Neuerdings fahren sogar Polizeifahrzeuge durch die Straßen, die die Leute über Lautsprecher zur Vernunft bringen wollen: «Dies ist eine Zivilschutzwarnung, verlassen Sie ihr Haus nur in dringenden Fällen.»

Unnötiges Risiko vermeiden

Eine Entspannung der Lage und damit mildere Regeln sind in Italien noch lange nicht in Sicht – ganz im Gegenteil. Weil die Zahl der Neuinfizierungen noch nicht rückläufig ist (allein am Mittwoch waren es 4207), denkt die Regierung in Rom nun über eine weitere Verschärfung der Ausgangssperre und dem Verbot sämtlicher Aktivitäten im Freien nach, wie Italiens Sportminister Vincenzo Spadafora am Mittwoch anklingen ließ.

Rennstreckentraining ist schon jetzt so gut wie unmöglich. Der italienischen Motorradverband FMI stellte zwar klar, dass Rennfahrer, die an Serien auf nationalem und internationalem Niveau antreten, an Trainings-Sessions teilnehmen dürfen – allerdings nur unter Beisein von medizinischem Personal und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In der Praxis ist das aussichtlos, denn kein Arzt kann sich angesichts der nationalen Notlage die Zeit an der Strecke vertreiben. Deshalb sperren alle Pistenbetreiber, die unter dem FMI-Schirm arbeiten, zu.

Einzige Möglichkeit für die Profis sind private Strecken, aber auch Valentino Rossi kündigte bereits an, dass auf seiner Ranch keine kollektiven Trainingseinheiten stattfinden werden und bis auf weiteres maximal zwei Fahrer gleichzeitig fahren sollen.

Generell sollten Risikosportarten wegen der Coronavirus-Notlage tunlichst vermieden werden. Denn wer sich verletzt, würde die ohnehin schon überforderten Ärzte und Krankenpfleger zusätzlich belasten. Ganz abgesehen davon, dass die Rettungswagen vielerorts im Dauereinsatz sind und somit Wartezeiten unvermeidbar sind – kürzlich passiert in der Provinz Parma, wo ein zum Glück nur leicht verletzter Radfahrer darum gebeten wurde, wenn möglich doch bitte mit dem Privatauto ins Krankenhaus zu fahren.

Deshalb gilt: Wer nicht aus dem Haus muss, sollte es auch nicht tun – unabhängig davon, welche Interpretationen ein Regierungsdekret zulässt oder nicht. Denn nur wenn jetzt alle – in Italien und darüber hinaus – verantwortungsvoll handeln und ihre sozialen Kontakte drastisch einschränken, können wir auch bald wieder zur Normalität zurückkehren. Und endlich wieder Gas geben.

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