Tom Sykes (BMW): «Es ist leicht, über uns zu richten»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Tom Sykes gibt BMW die Richtung vor

Tom Sykes gibt BMW die Richtung vor

Mit seinem Pole-Rekord stellte Tom Sykes bei der Superbike-WM in Australien den Speed der BMW S1000RR eindrucksvoll unter Beweis. Weshalb der Engländer über Platz 6 in den Rennen nicht hinauskam.

BMW-Pilot Tom Sykes konnte beim Auftakt der Superbike-WM in Australien aus verschiedenen Gründen in den Rennen nicht dieselbe Leistung zeigen wie in der Superpole, als er mit der Fabelzeit 1:29,230 min den Rekord aufstellte.

Im ersten Rennen war es die falsche Reifenwahl, im Sprintrennen Berührungen mit Loris Baz (Ten Kate Yamaha) und im zweiten Hauptrennen ein technisches Problem. Für die Positionen 9, 6 und 10 erhielt Sykes 17 WM-Punkte, in der Gesamtwertung liegt er damit auf Platz 10.

SPEEDWEEK.com sprach mit dem Weltmeister von 2013 über die Erkenntnisse, die er und BMW aus den Ereignissen auf Phillip Island gewannen.

Tom, du wurdest in den Rennen in Australien jeweils durchgereicht: Was lief schief?

Das war wirklich seltsam. Im Qualifying lief es gut, die S1000RR funktionierte mit dem Qualifyer fantastisch. Das Motorrad ließ sich leicht fahren und gab mir genaue Rückmeldungen.

In den Rennen bemühte ich mich den Hinterreifen zu schonen und ging nie ans Limit. Unglücklicherweise bekam ich aber schon nach zwölf Runden Probleme mit dem Reifen. Ich war bereit, um bei der Party dabei zu sein und in der letzten Runde anzugreifen. Aber wir haben den Hinterreifen zu stark beansprucht.

Du und BMW habt während der zwei Testtage auf Phillip Island und auch am Trainings-Freitag erklärt, dass ihr in erster Linie an der Rennpace gearbeitet habt und daran, den Hinterreifen über die Distanz zu bringen. Und trotzdem ging das schief?

Exakt. Aber auf Phillip Island sind wirklich immer seltsame Rennen. Hätte ich die ganze Distanz so schnell fahren können, wie das von unserer Seite aus möglich gewesen wäre, hätten wir ein gutes Paket gehabt.

Wir hatten gute Wintertests und waren nicht weit von den Führenden entfernt.

Du hast dir aber auch im Sprintrennen schwergetan, obwohl das nur über zehn Runden geht.

Dieses Rennen geht jeder mit einer anderen Mentalität an, da musst du aufpassen. Und es herrscht großer Druck, weil du ein gutes Ergebnis holen musst, um für das zweite Hauptrennen einen guten Startplatz zu haben. Das ist immer tückisch. Du kannst nicht zehn Runden so fahren wie in der Superpole.

In deiner Anfangszeit bei Kawasaki hattest du auch das Problem, dass der Hinterreifen keine Renndistanz durchhielt und du durchgereicht wurdest.

So schlimm war es in Australien gar nicht. Man darf nicht vergessen, dass die Strecke den Reifen extrem rannimmt.

Außerdem lernen wir nach wie vor dazu. Gut ist, dass wir viel Positives mitgenommen haben. Den Rundenrekord. Und mit neuen Reifen haben wir definitiv den Speed. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir das auch in der zweiten Rennhälfte hinbekommen.

Das gehört zum normalen Lernprozess, das habe ich während meiner Karriere viele Mal mitgemacht. Mein vorheriges Motorrad (Kawasaki – der Autor) war zu Ende entwickelt und sehr schnell. In so einem Fall machst du nur noch die Feinabstimmung, um das Potenzial über die Renndistanz nützen zu können.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die BMW vor einem Jahr quasi noch ein Serienmotorrad war, wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Nichtsdestotrotz haben wir auf Phillip Island großartigen Speed bewiesen, darauf müssen wir aufbauen.

BMW sagt, dass ihr nach wie vor einen Nachteil mit der Motorleistung habt. Ist das auch dein Eindruck?

Definitiv. Ich konnte nicht mal im Windschatten die Lücke zum Führenden gleich halten. Es gibt noch einiges zu tun. Gut ist, dass wir wissen, woran wir arbeiten müssen – und werden das auch tun. Das lässt sich aber nicht mit einem Klick beheben.

Das erste Rennen hast du elf Runden lang angeführt. Wollten die anderen nicht überholen oder konnten sie nicht?

Ich glaube, sie haben abgewartet und ihre Reifen geschont. Hinzu kommt, dass unser Chassis sehr gut funktioniert und wir in gewissen Streckenabschnitten sehr stark waren. Dort konnten sie nicht überholen und auf der Geraden wollten sie nicht.

Hast du dich über die Ergebnisse geärgert?

Sagen wir, ich war enttäuscht. Ich habe alles gegeben und wir haben unser Potenzial auch aufgezeigt. Den Rundenrekord und die Pole-Position holte ich mit 3/10 sec Vorsprung, das ist viel auf Phillip Island.

Die Hälfte des ersten Rennens habe ich komfortabel angeführt, dann mangelte es uns am richtigen Hinterreifen.

Im Sprintrennen war ich gut dabei, es gab aber zwei Vorfälle, die mich jeweils 0,8 sec gekostet haben. Das sind zusammen 1,6 sec – genau diese haben mir letztlich auf den Sieger gefehlt. Da wäre ein besseres Resultat als Platz 6 möglich gewesen.

Im zweiten Hauptrennen fühlte ich mich gut, dann hatten wir ein technisches Problem.

Auf Phillip Island brauchst du viel Erfahrung mit den Reifen, die wir nicht hatten. Dort ist es immer kritisch. Auf Strecken, auf denen du über die ganze Renndistanz einfach Vollgas fährst, wird es anders aussehen.

Hängt das mit dem Motorcharakter, dem Elektronik-Mapping oder dem Chassis zusammen?

Mit allem ein bisschen. Positiv gesagt haben wir es innerhalb eines Jahres weit gebracht. Wir fahren gegen Hersteller, die über ausgereifte Motorräder verfügen. Es ist immer einfach für die Leute, über uns zu richten. Aber es ist nach wie vor so, dass wir Informationen zu sammeln haben.

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