Tarran Mackenzie: Gas geben allein reicht nicht mehr

Von Ivo Schützbach
Der Britische Superbike-Champion Tarran Mackenzie gibt an diesem Wochenende in Donington Park sein Debüt in der Weltmeisterschaft. Er hat bestes Material von Yamaha, muss sich aber gewaltig umstellen.

Die Saison hätte für Tarran Mackenzie nicht schlechter beginnen können: Nach dem Gewinn der Britischen Meisterschaft im Vorjahr brach er sich Anfang April bei den Vorsaison-Tests den linken Knöchel, erst Ende Mai kehrte er halbfit auf die Rennstrecke zurück.

Damit hatte sich auch sein ursprünglicher Plan erledigt, Ende April erstmals mit einer Wildcard in der Superbike-WM anzutreten. Vor den Rennen in den Niederlanden wäre ein Test mit der WM-Maschine angesetzt gewesen, dieser wurde ersatzlos gestrichen. Bei seinem WM-Debüt an diesem Wochenende in Donington Park wird der Schotte ins kalte Wasser geworfen.

«Wir haben ein neues Bike aufgebaut, weil sich der Motor und die Magneti-Marelli-Elektronik von den BSB-Regeln unterscheiden», verriet Tarran beim Treffen mit SPEEDWEEK.com in der Yamaha-Hospitality im Fahrerlager des Donington Circuits. «Das Chassis, die Gabel, Federelemente und Schwinge sind gleich wie an meinem BSB-Bike.»

Mackenzies Yamaha R1 ist identisch mit den Werksmaschinen von Weltmeister Toprak Razgatlioglu und dessen Pata-Teamkollege Andrea Locatelli. Neu für den Sohn des ehemaligen GP-Piloten Niall Mackenzie ist die Elektronik – in BSB ist nicht mal die Traktionskontrolle erlaubt.

«Von viel Elektronik auf keine Elektronik zu wechseln, ist schwieriger als andersherum», meint der 26-Jährige. «Ich erwarte ein ähnliches Fahrverhalten wie in BSB mit etwas zusätzlicher Traktion. Das ist eine neue Erfahrung, ich fuhr noch nie ein Motorrad mit Traktionskontrolle. Ich muss der Elektronik vertrauen, das ist neu. Wäre ich bei den Tests nicht gestürzt und hätte mich nicht verletzt, hätte ich in Assen testen und dort die Rennen fahren können. Dann hätte ich für Donington bereits etwas Erfahrung – ich bin selbst schuld.»

Von seiner Knöchelverletzung hat sich Mackenzie inzwischen weitgehend erholt, «ich fühle mich viel besser», bemerkte er. «Als ich zum dritten BSB-Event nach Donington kam, konnte ich nicht mal richtig laufen. Ich konnte fahren, fit war ich aber nicht. Zwei Wochen später war Knockhill, auch dort war es nicht eben großartig. Seither sind weitere drei Wochen vergangen, in denen ich zuhause trainieren und mich erholen konnte. Der Knöchel schwillt nicht mehr ständig an, das ist schön. Auf dem Fahrrad und im Kraftraum sehe ich, dass meine Fitness wieder auf dem Level von letztem Jahr ist. Auf dem Motorrad habe ich keine Einschränkungen mehr.»

«Mental war die Verletzung kein Problem für mich, nur die mangelnde Fitness bremste mich, weil ich sehr früh aufs Motorrad zurückgekehrt bin», ergänzte der Yamaha-Pilot. «Dass ich jetzt keine Schmerzen mehr habe, wenn ich morgens aufwache, ist gut für den Kopf. Wäre dieser WM-Event vor drei Wochen gewesen, hätte ich große Zweifel gehabt. Jetzt ist es okay, ich bin wesentlich glücklicher.»

Für Mackenzie geht es in Donington Park um einiges: Er will 2023 unbedingt in die Superbike-WM wechseln und sich empfehlen. Je besser er im Vergleich mit den GRT-Yamaha-Piloten Garrett Gerloff und Kohta Nozane abschneidet, desto größer sind seine Chancen, einem der beiden den Platz abspenstig zu machen.


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