BMW dritte Wahl: Für Toprak geht’s nicht nur ums Geld
Seit Jahren wird Toprak Razgatlioglu regelmäßig mit der MotoGP in Verbindung gebracht. SPEEDWEEK.com sprach mit Manager Kenan Sofuoglu über die Zukunft des zweifachen Superbike-Champions.
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Der Wechsel von Toprak Razgatlioglu von Yamaha zu BMW mit der Unterschrift im Mai 2023 für die Saison 2024 und 2025 war eine Sensation und ebnete den Weg, dass Jonathan Rea von Kawasaki zu Yamaha gehen konnte. Zwei Jahre nach dem Geniestreich von Manager Kenan Sofuoglu, sein Schützling wurde bereits im ersten Jahr mit BMW Weltmeister, bahnt sich der nächste Coup an: Der 40-Jährige will Toprak für 2026 in die MotoGP hieven, laut seiner Aussage gibt es Interesse von und Gespräche mit Honda sowie Yamaha.
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"Wir haben aber auch eine Beziehung mit BMW und sie haben größtes Interesse, Toprak in der Firma zu halten", sagte Sofuoglu gegenüber SPEEDWEEK.com. "Wir sind glücklich mit BMW, natürlich ist das eine Option für uns. Wir mögen BMW und hatten zusammen eine großartige Saison. Die zweite Saison läuft und wie es ausschaut, wird auch diese sehr gut. Topraks Traum ist aber, in die MotoGP zu gehen. Er wünscht sich diese Herausforderung, deshalb ist sie interessanter für ihn." Die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit BMW ist also nur dritte Wahl für den Türken. Dass der zweifache Champion übergangsweise in der Saison 2026 für Honda Superbike-WM fährt und dann in deren MotoGP-Team wechselt, schließt Sofuoglu inzwischen aus: "Honda und Yamaha haben Interesse an Toprak – für die MotoGP. Reden wir über die Superbike-WM, ist der Verbleib bei BMW die beste Möglichkeit."
Nach nackten Zahlen wäre der Verlust von Razgatlioglu für BMW eine Katastrophe: 2024 eroberte Toprak in 30 Rennen, sechs verpasste er nach seinem schweren Unfall in Magny-Cours verletzungsbedingt, 527 Punkte. Er stand 27 Mal auf dem Podium, 18 Mal als Sieger. Seine damaligen Markenkollegen Michael van der Mark, Garrett Gerloff und Scott Redding holten zusammen nur einen Punkt mehr als Toprak, sie konnten der Erfolgsstatistik lediglich vier Podestplätze hinzufügen, darunter der Sieg von van der Mark im ersten Rennen in Frankreich – wo Razgatlioglu fehlte.
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Auch dieses Jahr fährt Razagtlioglu verglichen mit van der Mark, immerhin ein Supersport-Weltmeister, der sechs Superbike-Rennen gewann und 42 Mal auf dem Podium stand, in einer anderen Liga: Nach Assen hat Razgatlioglu 115 Punkte auf dem Konto, ist WM-Zweiter hinter Nicolo Bulega (Aruba.it Ducati), stand fünfmal auf dem Podium, davon viermal als Sieger. Dem gegenüber stehen WM-Rang 10 von van der Mark, 38 Punkte und zwei fünfte Ränge als beste Saisonleistung.
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Seit Jahren wird Razgatlioglu immer wieder mit der MotoGP in Verbindung gebracht, im Juni 2024 wurden die Verantwortlichen bei BMW in Angst und Schrecken versetzt. Damals dachte Sofuoglu vorübergehend darüber nach, den Zweijahresvertrag nach der ersten Saison zu brechen, sollte sich eine MotoGP-Chance auftun.
"Ich habe mein Versprechen gegenüber BMW erfüllt und wir blieben", hielt Sofuoglu fest. "Wir hatten nach 2024 die Möglichkeit zu gehen und hätten die Strafe bezahlen können. Damit hätte ich aber viele Dinge zerstört, zuvorderst mein Versprechen. Sie sagten mir damals, dass wenn Toprak vorzeitig geht, würde alles zerstört, was sie für ihn aufgebaut haben. Dieses Argument reichte mir, damit war die Geschichte für mich erledigt. Ich sagte BMW, dass wir nicht streiten müssen, ich halte mein Versprechen und wir erfüllen den Vertrag. Nach Ablauf des Vertrags ist es aber legitim, dass wir uns nach anderen Möglichkeiten umschauen. Dass wir mit BMW weitermachen, ist eine großartige Möglichkeit. Aber wenn sich eine aufregendere Herausforderung bietet…" Toprak machte Yamaha und BMW zum Weltmeister, beide Marken wissen um die Besonderheit des 28-Jährigen – ebenso wie sein Manager. "Sie müssen sich sehr darum bemühen, ihn zu halten", sagte Sofuoglu über Topraks jetzigen Arbeitgeber. "Dabei geht es nicht nur ums Geld. Viele Menschen glauben, wir wären aus finanziellen Gründen zu BMW gegangen, aber so war es nicht. Ich glaubte mehr als jeder andere, sogar mehr als Toprak, dass er auf der BMW Champion werden würde." Zum Abschluss wiederholte sich Sofuoglu: BMW kommt für 2026 nur dann in Frage, wenn sich das angedachte MotoGP-Projekt nicht umsetzen lässt.
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