Jörg Teuchert: 25 Jahre Supersport WM-Titel gefeiert
Im Jahr 1999 stieg Jörg Teuchert mit dem Team von Yamaha Deutschland in die Supersport-Weltmeisterschaft ein. Ein Jahr später, nach einer äußerst spektakulären Saison und einem noch spektakulärerem Finale im britischen Brands Hatch, hatte die fränkische Plaudertasche den Titel in der Tasche. In Hockenheim wurde 25 Jahre später erneut gefeiert.
«Geplant war das in der Größe nicht», meinte sein ehemalige Sponsor Martin Laqua von der Firma Lexware in seiner Ansprache auf dem gutgefüllten Boxendach in Hockenheim. «Im Vorjahr hatten wir geplant, in diesem Jahr gemeinsam ein Bier auf das Jubiläum zu trinken. Jörg fiel dann nichts Besseres ein, in SPEEDWEEK.com ein Interview darüber zu geben und einen Tag später hatte ich schon Dutzende Nachrichten auf dem Tisch, wann und wo die Feier denn stattfinden würde.»
«Es war ein wunderschöner Abend», fasste Jörg Teuchert im Anschluss im Interview mit Daniel Peric von Radio Viktoria zusammen. «Wir haben viele alte Bilder und das Video vom Rennen aus Brands Hatch gezeigt. Viele Leute haben die Geschichte so nicht gekannt. Das Rennen hatte sich damals unglaublich entwickelt. Von aussichtsloser Start-Position vorgefahren auf den zweiten Platz. Auch durch die Hilfe meines Teamkollegen damals, Christian Kellner. Ich hatte auch ein wenig Glück dabei.»
«Als wir die letzten zwei Runden auf dem Video gesehen haben, hast du bei unserer Party gemerkt, wie die Stimmung hochgegangen ist», schildert Teuchert. «Es war phänomenal. Es war eigentlich identisch wie vor 25 Jahren, als ich meinen offiziellen Weltmeister-Titel damals gediegen in einem sehr schönen Museum feiern durfte.
Es war schön, dass es ein Kopie war von der Feier vor 25 Jahren. Wir konnte das in Hockenheim sehr schön feiern. Ich muss da auch den Helfern und Sponsoren wie Martin Laqua von Lexware danken, der das Alles ermöglich hat und wir so eine schöne Feier machen konnten.» Zahlreiche Mechaniker waren angereist, Josef Hofmann von alpha Racing und sein damaliger Teamchef Udo Mark. Und auch damalige Gegner wie Werner Daemen, der auf der Rennstrecke von Brands Hatch der erste Gratulant bei Teuchert war. «Da wusste ich noch nicht mal selbst, dass ich den Titel geholte hatte», erinnerte sich Teuchert. Daemen quittierte das mit einem frechen Grinsen und stellte klar, «ich konnte eben schon immer besser rechnen als du.»
In der Saison 2004 ging es für Jörg Teuchert zurück in die IDM. «Endlich mal Superbike fahren zu dürfen, was mir in der WM leider verwehrt blieb», hatte ihn damals zu dem Schritt bewogen. «Ich habe gemeinsam mit MV Agusta Deutschland ein Projekt gestartet. Wir haben von Anfang an gesagt, Himmelfahrts-Kommando. Ich hatte aber von Anfang an ein sehr gutes Team und sehr gute Mechaniker, einfach gute Leute. Wir waren relativ schnell in der Lage, konkurrenzfähig zu sein. Am Schleizer Dreieck konnten wir in der Tat fast 28 Jahre nach Agostinis letztem Sieg wieder einen Sieg in einer international ausgeschriebenen Meisterschaft erringen. Klar, wenn du mit einem Italiener zusammen Motorsport betreibst, dann ist es entweder grande emotione oder grande casino. Das war eigentlich auch das Schöne, dass es immer ein Wechselbad der Gefühle war. Entweder warst du einfach der King oder du warst ganz unten. Das hat uns als Team auch gestärkt. Wir waren dann im zweiten Jahr auch wirklich konkurrenzfähig. Wir hatten ein bisschen Pech, sonst hätte das auch sicherlich mit einem Titel auf MV Agusta gutgehen können. Das hätte uns schon ganz gut gefallen.»
«2006 hat sich das Ganze dann neuformiert», erzählte er weiter. «Ich hätte wieder ein neues Team aufmachen oder mitgründen können und wir hatten die Idee, auch in dem Jahr auf MV Agusta weiterzufahren. Aber immer, wenn irgendwo Politik mit im Spiel ist, das gehört halt leider dazu, wird es kompliziert. Wir waren einfach nicht in der Lage, das Ganze so zu formieren und auf den Erfahrungen aufbauen zu können und mussten uns dann für eine Marke entscheiden und das war dann damals wieder eine Yamaha. Ich hatte ja auch eine gewisse Affinität. Mit dem Team konnte ich dann 2006 Deutscher Meister werden. Das erste Mal in der Superbike. Schon auch eine runde Geschichte.»
Welches Jahr war härter in Sachen Titel, fragte Peric, 2006 oder 2009? «Eigentlich 2006», meint Teuchert. «Weil wir mit dem Motorrad zu dem Zeitpunkt wenig Erfahrung hatten und auch das Team war komplett neu. Die Meisterschaft war schon damals extrem stark umkämpft. 2009 war auch sehr schwer. Aber durch meine langjährige Partnerschaft mit Dunlop wurde ich auch da sehr gut betreut. Ab den ersten Testfahrten in Spanien konnten wir damals die neue Yamaha RS22 schnell konkurrenzfähig machen. Es hat sich gezeigt, dass ich die ersten fünf Rennen gewinnen konnte. So konnte ich mir einen relativ komfortablen Vorsprung herausfahren. Und dann ein Rennen vor Schluss Deutscher Meister werden. Der Deal mit Michael Galinski war damit besiegelt, beim Finale in Hockenheim 600er und Superbike gefahren. Es gab das realistische Ziel, alle drei Rennen zu gewinnen.»
Auch zur heutigen Situation in der Superbike-Weltmeisterschaft aus deutscher Sicht nahm Teuchert Stellung: «Ich glaube, nüchtern betrachtet ist es so, dass andere Ländern den Motorsport stärker aus der Seele raus betreuen. Italien und Spanien sind da sicherlich mehr als bekannt. Und wenn man in Spanien an eine Tankstelle fährt und sieht dort groß das Bild von einem Marc Marquez, dann zeigt es das schon. Diese Begeisterung für den Motorsport ist in südlichen Ländern einfach größer. Was in Deutschland eben einfach ein bisschen nüchterner ist. Wir haben als starke Konkurrenz den Fussball, wir haben Formel1. Das ist eben so eine Geschichte. Wir haben eine Gesellschaft, die schaut Formel1 und Fussball und fährt Auto. Da tut sich das Motorrad leider gesellschaftlich auch ein bisschen schwer.»
«Ich denke», fuhr Teuchert fort, «auch durch die Föderation und Menschen im Hintergrund, die einen Fahrer wirklich nach vorne bringen möchten, also ernsthaft, dann könnte das sicherlich auch auf der politischen Ebene ein bisschen mehr gepuscht werden. So ein Mann wie Lukas Tulovic gehört in die Weltmeisterschaft. Das hat er diese Saison mehr als bewiesen. Ich bin überzeugt, dass nicht nur er, sondern auch viele anderen Fahrer das Zeug dazu hätten. Aber es fehlt oft die finanzielle Struktur, um einen jungen Mann weiterzubringen.»
«Das hat sich in den letzten 25 Jahren verändert«, lautete Teucherts Ansicht. «Der Sport wird teurer, die Publicity wird mehr, die Technik wird immer umfangreicher. So kann man das mit Dingen von damals heute nicht mehr vergleichen. Ich bin Wildcard-Einsätze bei der Supersport-Weltmeisterschaft gefahren, wo wir kein Startgeld bezahlen mussten. Wir konnten mit unseren gesponserten Dunlop-Reifen fahren und konnten viele Kosten sparen. Es war billiger als mich damals ein IDM-Lauf gekostet hat. Das hat sich alles dramatisch verändert. Der finanzielle Background muss gestemmt werden. Wir sehen es in der MotoGP und in der Superbike-Weltmeisterschaft. Die Fahrer, die gut sind, bekommen ein finanzielles Package, vielleicht durch einen Importeur oder einen privaten Sponsor mit auf den Weg, um sich in der WM beweisen. Da würde man sich hier in Deutschland ein bisschen mehr Begeisterung wünschen. Mit etwas mehr Begeisterung könnten wir auch etwas mehr bewegen.»










