Elfyn Evans, der Spätstarter in der Rallye-WM

Von Toni Hoffmann
WRC

Elfyn Evans befindet sich nach dem dritten Platz beim Auftakt zur Rallye-Weltmeisterschaft und seinem zweiten souveränen Sieg in Schweden in der Form seines Lebens, wenn auch etwas spät.

Elfyn Evans, Sohn der walisischen Rallye-Legende Gwyndaf Evans, ist inzwischen 31 Jahre alt und bestreitet 2020 seine bereits neunte Saison in der Weltmeisterschaft. Und in diesem Jahr hat er sich vom Wasserträger für die Teamkollegen, wie für Sébastien Ogier, seinem alten Teampartner bei M-Sport und nun aktuell bei Toyota, zum ernsthaften Titelkandidaten gemausert. Dafür brauchte er nur zwei Rallyes.

Evans, bislang eng mit M-Sport verbunden und fast schon zum Inventar von Malcolm Wilson gehörend, begann seine Karriere 2013 mit der WRC-Akademie. Dann stieg er mit DMACK in die Kategorie der World Rally Cars auf. Zuerst von 2014 bis 2015. Dann musste er aber seinen Platz im Ford Fiesta WRC an Eric Camilli und Mads Östberg abtreten, den er Ende 2016 bis 2019 wieder einnehmen durfte. Sein Aufstieg in der Königsklasse dauerte etwas länger als bei seinen Rivalen. 2017 dann endlich die ganz große Erlösung: Der Waliser Evans gewann sein WM-Heimspiel.

Im letzten Jahr war er auf der Mittelmeerinsel Korsika auf Kurs zum zweiten Triumph, als das Schicksal zuschlug. Auf der «Power Stage» fing er sich einen Reifenschaden am Ford Fiesta WRC ein und fiel hinter Thierry Neuville (Hyundai i20 WRC) und Sébastien Ogier (Citroën C3 WRC) auf den dritten Rang ab. Mit zwei weiteren Ehrenplätzen schloss er die Saison 2019 mit dem fünften Platz und mit 102 Zählern punktegleich mit dem WM-Vierten Andreas Mikkelsen (Huyndai) ab.

Ende 2019 tat er einen eigentlich unerwarteten Schritt. Er verließ seine sportliche Heimat M-Sport und heuerte im neuen Team von Toyota an und wurde dort der Teamkollege von Ogier und Kalle Rovanperä. Eine Leader-Position war eigentlich nicht für ihn vorgesehen. Er sollte sich ins Team einordnen und vornehmlich für Punkte in der Herstellerwertung sorgen, will heißen, er sollte mehr oder weniger wieder einmal seinen Partnern helfen.

Doch mit dem Teamwechsel vollzog sich auch eine Wandlung bei Evans. Er wandelte sich schon fast vom Saulus zum Paulus. Bei der Rallye Monte Carlo sorgte er mit seinen mehrmaligen Führungspositionen für eine Überraschung. Mit falschen Reifen am Sonntag musste er schließlich die zwei obersten Podiumsplatze Thierry Neuville (Hyundai) und seinem Teamkollegen Ogier überlassen.

Und am Wochenende fuhr er wahrscheinlich beim stark verkürzten und dennoch sehr anspruchsvollen zweiten WM-Lauf im wenig winterlichen Schweden die Rallye seines Lebens. Mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg erzielte seinen verdienten zweiten Triumph und übernahm erstmals aufgrund seiner Gesamtplatzierungen die Tabellenspitze. Und nun muss sein Chef Tommi Mäkinen, den er sehr überraschte, etwas umdenken, denn Evans ist zum Teamleader mutiert.

«Ich fühle mich sehr gut, meinen ersten Sieg mit Toyota bei unserem zweiten gemeinsamen Event erzielt zu haben. Ich muss dem Team viel Anerkennung dafür zollen, dass es mir nicht nur ein großartiges Auto gegeben hat, sondern mir auch die Unterstützung und Hilfe beim Testen gegeben hat, damit ich das Auto dahin bringen kann, wo ich es haben wollte. Das Auto gibt mir großes Vertrauen und unter wechselhaften Bedingungen, wie wir sie hier hatten, ist das wirklich viel wert. Es hat sehr viel Spaß gemacht, so weit nach vorne zu fahren, und wir hoffen, dass wir dieses Gefühl in den kommenden Veranstaltungen auf Schotter übertragen können», waren die Worte des Schweden-Siegers Evans.

Doch die Übernahme der Tabellenspitze hat für die erste Schotterrallye des Jahres vom 5. bis 8. März in Mexiko seine Schattenseite. Erstmals muss er im Toyota Yaris WRC den Straßenkehrer für die Rivalen machen. Und in Mexiko kostet diese Rolle erfahrungsgemäß einige Zeit.

Rallye Schweden – Endstand nach 9 gewerteten Prüfungen:

Pos

Team/Auto

Zeit/Diff

1.

Evans/Martin (GB), Toyota

1.11:43,1

2.

Tänak/Järveoja (EE), Hyundai

+ 12,7

3.

Rovanperä/Halttunen (FIN), Toyota

+ 20,2

4.

Ogier/Ingrassia /F), Toyota

+ 23,6

5.

Lappi/Ferm (FIN), Ford

+ 32,4

6.

Neuville/Gilsoul (B), Hyundai

+ 33,8

7.

Breen/Nagle (IRL), Hyundai

+ 1:00,9

8.

Suninen/Lehtinen (FIN), Ford

+ 1:24,5

9.

Katsuta/Barritt (J/GB), Toyota

+ 1:59,6

10.

Huttunen/Lukka (FIN), Hyundai R5

+ 4:03,0

 

WM-Fahrerwertung – Stand nach 2 von 13 Läufen:

Platz

Fahrer, Nation, Auto

Punkte

1.

Evans/Barritt (GB), Toyota

42

2.

Neuville/Gilsoul (B), Hyundai

42

3.

Ogier/Ingrassia (F), Toyota

37

4.

Rovanperä/Halttunen (FIN), Toyota

30

5.

Lappi/Ferm (FIN), Ford

24

6.

Tänak/Järveoja (EE), Hyundai

20

7.

Suninen/Lehtinen (FIN), Ford

11

8.

Loeb/Elena (F/MC), Hyundai

8

9.

Katsuta/Barritt (J/GB), Toyota

8

10.

Breen/Nagle (IRL), Hyundai

6

 

WM-Herstellerwertung – Stand nach 2 von 13 Läufen:

Platz

Hersteller, Auto

Punkte

1.

Toyota Gazoo Racing WRT/Yaris WRC

73

2.

Hyundai Shell Mobis WRT/i20 WRC

63

3.

M-Sport Ford WRT

40

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