Danilo Petrucci: Das bittere Ende der Dakar mit KTM

Von Günther Wiesinger
Danilo Petrucci war eine Bereicherung für die Rallye Dakar

Danilo Petrucci war eine Bereicherung für die Rallye Dakar

Die technischen Probleme bei der Dakar-Rallye von Danilo Petrucci (Tech3-KTM) setzten sich am am Finaltag fort. Totalschaden der Hinterrad-Suspension, Verdacht auf Luxation des linken Handgelenks.

Nach dem Elektrikdefekt am Montag der Vorwoche musste Danilo Petrucci seine Tech3-KTM zwar mit dem Helikopter ins Biwak bringen lassen, doch er durfte dank eines Joker die Rallye außerhalb der Wertung fortsetzen – wie später auch sein KTM-Markenkollege Kevin Benavides.

Petrucci gewann danach sensationell eine Etappe und ließ auch an anderen Tagen oft mit erstaunlichen Ergebnissen aufhorchen, obwohl sein Motorrad an zwei weiteren Tagen stehen blieb, einmal weil sich die Batterie gelockert hatte. Zu Beginn der Woche erreichte er das Ziel nur am Abschleppseil eines Kollegen. Und gestern kam der Italiener nur an 31. Stelle ins Ziel, weil seine Hinterrad-Suspension einen Totalschaden erlitt. Er fuhr sozusagen mit einem Hard-Tail-Bike ins Ziel!

«Ich bin dadurch schwer gestürzt und habe wahrscheinlich links eine Handgelenks-Luxation erlitten», erklärte Petrucci im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Mir fehlen langsam die Worte. Ich kann nur hoffen, dass meine Handgelenksverletzung keine langfristigem Folgen hat. Ich bin wirklich verärgert.»

Die ursprüngliche Begeisterung für die Dakar-Chance mit KTM ist bei Petrucci sichtlich verflogen. Denn er hätte als Debütant vom Speed her mit einem zuverlässigeren Motorrad im Bereich der Top-10 bis Top-15 mitfahren können.

«Ich hätte auch bester Rookie und bester Fahrer in der Rally-2-Wertung werden können», ist Petrucci überzeugt.

«Ich bin froh, jetzt wenigstens ins Ziel gekommen zu sein», stellte Danilo fest. «Das war eine Zielsetzung, die ich von Anfang an verfolgt habe. Aber es war eine harte Zeit, das begann schon mit der Sprunggelenksfraktur in den Dünen beim Dakar-Training Anfang Dezember. Danach passierte noch der positive PCR-Test nach der Ankunft in Saudi-Arabien am 28. Dezember. Das war eine belastende Zeit. Trotzdem behalte ich diese Dakar auch als unvergessliches Erlebnis in Erinnerung. Ich bin zufrieden mit meiner fahrerischen Performance. Aber leider ist an drei Tagen der Motor plötzlich stehen geblieben. Wenn mir so etwas bei einem Sprung über eine Düne passiert, kann es ein böses Ende nehmen. Eines ist unbestritten: Die Dakar zählt zum Härtesten, was ich jemals geleistet habe.»

Petrucci verriet vor dem Dakar-Start, er werde sich während der Rallye entscheiden, ob er für 2022 noch einmal mit KTM verhandeln werde. Es sollte beratschlagt werden, ob eine Fortsetzung seiner Rallye-Laufbahn sinnvoll erscheint und ob man sie eventuell mit einer Rolle als MotoGP-Ersatzfahrer verknüpfen könnte.

Aber man kann sich ausmalen, dass die Entscheidung inzwischen gefallen ist. Petrucci wird 2022 aller Voraussicht nach mit Ducati und dem «Team Warhorse HSBK Racing Ducati New York» die MotoAmerica-Superbike-Meisterschaft bestreiten, als Nachfolger von Loris Baz. «Petrux» will diese Serie als Sprungbrett für die Superbike-WM 2023 nutzen. Denn er weiß: Landsmann Max Biaggi ist mit 42 Jahren noch Superbike-Weltmeister geworden.

Warum ausgerechnet Petrucci bei der Dakar von der sonst so standfesten KTM 450 Rally so oft im Stich gelassen wurde, bleibt ein Rätsel. Offenbar war die technische Betreuung und der Ersatzteil-Vorrat nicht auf demselben Level wie bei den Red Bull KTM-Werksfahrern und den Werksteams von GASGAS und Husqvarna.

Petrucci bekam von seiner Crew manchmal zu hören: «Wir haben nicht erwartet, dass du so schnell sein wirst.»

Kalender MotoAmerica Superbike 2022
10. März: Daytona, Florida
08. April: COTA, Austin
22. April: Braselton, Giorgia
20. Mai: Danville, Virginia
03. Juni: Elkhart Lake, Wisconsin
24. Juni: Shelton, Washington
08. Juli: Laguna Seca, Kalifornien
29. Juli: Brainerd Lake, Montana
19. August: Wampum, Pennsylvania
09. September: Milville. New York
23. September: Birmingham, Alabama

Ergebnisse 12. Etappe der Dakar-Rallye 2022
1. Pablo Quintanilla (CHI), Honda, 1:40:00
2. Toby Price (AUS), KTM, 1:40:18, + 0:18 min
3. Jose Ignacio Cornejo (CHI), Honda, 1:40:29, +0:29 min
4. Joan Barreda (ESP), Honda, 1:41:13, +1:13 min
5. Mason Klein (USA), KTM, 1:41:23, +1:23 min
Ferner:
7. Matthias Walkner (AUT), KTM, 1:42:57, +2:57
11. Kevin Benavides (ARG), KTM, 1:45:08, +5:08
31. Danilo Petrucci (ITA), KTM, 1:55:35, +15:35

Gesamtergebnis Dakar Rallye 2022 nach 12 Etappen
1. Sam Sunderland (GBR), GASGAS, 38:47:30
2. Pablo Quintanilla (CHI), Honda, 38:50:57, +3:27 min
3. Matthias Walkner (AUT), KTM, 38:54:17, +6:47 min
4. Adrien Van Beveren (FRA), Yamaha, 39:06:11, +18:41min
5. Joan Barreda (ESP), Honda, 39:13:12, +25:42
Ferner:
9. Mason Klein (USA), KTM, 39:36:37, +49:07
10. Toby Price (AUS), KTM, 39:36:50, +49:20

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Kontroverses WM-Finale 2021: FIA in der Zwickmühle

Mathias Brunner
Mohammed Ben Sulayem, Präsident des Autosport-Weltverbands FIA, hat eine Untersuchung des kontroversen WM-Finales 2021 in Abu Dhabi eingeleitet. Aber die FIA steckt in der Zwickmühle.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Fr.. 21.01., 05:10, Motorvision TV
    Formula E Street Racers
  • Fr.. 21.01., 05:15, Hamburg 1
    car port
  • Fr.. 21.01., 05:40, Motorvision TV
    Formula Drift Championship
  • Fr.. 21.01., 06:00, Motorvision TV
    Monster Jam Championship Series
  • Fr.. 21.01., 06:00, ORF Sport+
    silent sports +
  • Fr.. 21.01., 06:12, ORF Sport+
    silent sports +
  • Fr.. 21.01., 06:27, ORF Sport+
    silent sports +
  • Fr.. 21.01., 06:49, ORF Sport+
    silent sports +
  • Fr.. 21.01., 07:10, ORF Sport+
    silent sports +
  • Fr.. 21.01., 07:33, ORF Sport+
    silent sports +
» zum TV-Programm
3DE