Kolumne: So werden keine Helden kreiert

Von Andreas Reiners
DTM
Lucas Auer vor Paul di Resta

Lucas Auer vor Paul di Resta

Zusammenarbeit. Teamwork. Miteinander. In jedem Mannschaftssport sind das Grundtugenden. Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Im Motorsport, in der DTM, sind sie auch unabdingbar. Allerdings nicht auf der Strecke.

Da gilt es: Mann gegen Mann. Auto gegen Auto. BMW gegen Audi. Audi gegen Mercedes. Und auch: BMW gegen BMW. Oder Mercedes gegen Mercedes. Denn Rennfahrer sind in erster Linie Einzelkämpfer.

Teamorder? Stallorder? Sind Unwörter. Waren sie schon immer. Und die Formel ist ja relativ einfach: Verarscht man den Fan, verliert die DTM. Politische Spielchen, Strategiespielchen, ein sportliches Hin und Her, vor und zurück, ohne Rückgrat und klare Kante: Das merkt der Fan, und ist schneller weg, als die Verantwortlichen gucken können.

Serienchef Gerhard Berger weiß das, weshalb er lange und unerbittlich gegen die Performance-Gewichte kämpfte. Er hätte auch am liebsten die Teamorder verboten. Das Problem: Um das zu kontrollieren, würde man noch mehr Fässer aufmachen. Deshalb gab es das Funkverbot, um die Teamorder zumindest etwas einzudämmen. Geändert hat sich aber nicht viel.

Klar: Die DTM ist speziell, sechs Autos hat jede Marke, und stellt damit nicht wie in der Formel 1 ein Team, sondern tatsächlich gleich eine ganze Mannschaft. Und ja: Natürlich geht es auch um den Hersteller, geht es um das eigene Maximum. Dass jede Marke den eigenen Vorteil sieht, liegt in der Natur der Serie begründet. Wie doof würde es aussehen, wenn sich zwei Piloten der gleichen Marke an der Spitze liegend aus dem Rennen schießen?

Haha, sehr doof. Aber es wäre echtes, ehrliches Racing, beste Unterhaltung, Spitz auf Knopf, fesselnd. Das, was die Fans sehen wollen. Das, was man ja bieten wollte und durch die Änderungen ja auch endlich konnte. Wie lange hat sich die DTM für den epischen Zweikampf zwischen Timo Glock und Gary Paffett in Hockenheim gefeiert? Und das völlig zurecht. Kein Streckenschach, kein Zurückziehen, keine Ausreden, All-in, Tür an Tür, Lackaustausch, rundenlang am Limit, keine Geschenke. Nur deshalb gab es anschließend wochenlang positive Schlagzeilen. Die sind nun den beiden unsäglichen Unwörtern gewichen.

Der Punkt ist: Ob Paul di Resta gegen Lucas Auer nun tatsächlich aktive Stallorder war oder nicht, spielt gar keine große Rolle. Fakt ist: Es sah scheiße aus, wie jedes andere Duell, das erst gar keines ist. Es schadet der DTM. Und am Ende auch den Fahrern. Denn Helden werden nicht dadurch kreiert, dass sie taktisch und mannschaftlich klug Platz machen, sondern mit dem Messer zwischen den Zähnen ihren Platz verteidigen.

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